(So Recordings/ Rough Trade)

Es gibt ja immer diese Bands, die auf jegliche Konventionen pfeifen und einfach alles in ihre Songs packen, was sie selbst beeinflusst und inspiriert hat. Dann kommen Tracks heraus, die es dem Hörer nicht einfach machen, aber mit Geduld und Offenheit, kann man sich Kompositionen erarbeiten. Wenn man dann an dem Punkt angelangt ist, die jeweilige Band glaubt verstanden zu haben, öffnen sich ganz neue Horizonte und Liedgut, welches als kompliziert und/ oder schwierig eingestuft wurde, entfalten völlige Zugänglichkeit und Hitcharakter.

Einer dieser Bands heisst TURBOWOLF - mit ihrem dritten Album "The Free Life" gibt es wieder die Gelegenheit, originelle Ideen zu entdecken. Sich diese aus einem Konvulut herauszufiltern, welches aus Brit-Rock, Stoner, Psychedelic, hartem Rock und poppigen Elementen besteht, ist eine Aufgabe, die Zeit kostet, aber verdammt viel Spass macht!

'No No No' bricht es aus den Boxen hervor, wenn man "Play" gedrückt hat. Dieses Soundmonstrum vereint puren Wahnsinn und eine spielerische Performance - hier treffen tiefer gestimmte Stoner-Gitarren auf wohldosierte Albernheiten. Beim nachfolgenden Track 'Capital X' gibt es den ersten Gastsänger in Person von Joe Talbot (seines Zeichens Sänger der Noise-Rocker Idles). Das Stoner-Rock-Riffing bleibt, ansonsten geht es Richtung Garage. Schon nach den ersten beiden Songs kann man feststellen, dass es TURBOWOLF in den Fingern juckt und sie keinesfalls langweilig sein wollen. 'Cheap Magic' trägt die Handschrift des nächsten prominenten Gastes - Sebastien Grainger (Death From Above 1979) drückt dem Track seinen Stempel auf und rockert auf der Überholspur. Dem schliesst sich überraschend 'Very Bad' an. Überraschend deshalb, weil es feat. Chantal Brown heisst und diese im Pop/Soul zuhause ist - unglaublich präziser Krach, der mit Frau Brown einen nicht für möglich gehaltenden Pop-Appeal mitbringt. Um auch den letzten Unterstützer namentlich zu erwähnen, muss der Song 'Domino' genannt werden, der stimmlich von Mike Kerr (Royal Blood) veredelt wird - auch hier hört man die Hauptband heraus. Trockener, humorloser Rocker - wie die meisten Tracks auf "The Free Life" (vgl. 'Last Three Clues').

Aber TURBOWOLF wären nicht TURBOWOLF wenn sie nicht doch noch einige durchgeschepperte Ideen verwirklichen würden. Auf das indiepop-lastige 'Up & Atom', welches an The Wombats erinnert, folgt der Punkrock-infizierte Track 'Blackhole'. Und nach dem, im 70's-Rock-verankerten,Titelsong wird zum Abschluss ein Akustiktrack ('Concluder') präsentiert.

Turbowolf_Photo_courtesy_of_SO_Recordings

Turbowolf Photo courtesy of SO Recordings

"The Free Life" ist eine wahre Wundertüte - man kann sich nicht darauf einstellen, was als nächstes folgt. Selbst beim wiederholten Hören (ich empfehle dringend gute Kopfhörer) hauen dich einzelne Sequenzen aus dem Ohrensessel. Gibt es heutzutage viel zu selten, dass es Bands schaffen, überraschende und spannende Songs zu schreiben, ohne zu verkopft zu sein. TURBOWOLF können's!

Album-VÖ: 09.03.2018