(BDHW/ Soulfood)

10 Songs in einer Dreiviertelstunde. Produziert von Gustav Brunn (Ex-Gitarrist von Atlas Losing Grip). Zweites Album. Das wären die Eckpunkte, wenn man sich mit "Control The Fear" auseinandersetzt. NEGATIVE SELF war einst ein Projekt vom ehemaligen Dr. Living Dead-Sänger Andreas Sandberg, hat sich aber inzwischen zu einer skandinavischen Crossover-Thrash-Institution gemausert.

Ohne jetzt zuviel zu verraten, haben NEGATIVE SELF in ihrem Handeln eindeutige Vorbilder. Wer hier nicht sofort Suicidal Tendencies im Schädel hat, kennt die Band um Mike Muir nicht. Die ersten drei Songs ('Underneath The Wave', 'In My Head' und 'Drawing In Blood') auf "Control The Fear" stehen in der Tradition älterer ST-Werke wie "Lights...Camera...Revolution!". Ziemlich grandios adaptiert ohne eine Parodie sein zu wollen. NEGATIVE SELF meinen es mit ihrem Venice-Beach-Hardcore/Metal-Crossover verdammt ernst.

'A New Beginning' ist mit seinen knapp über sechs Minuten etwas getragener und spielt eher die Metal-Karte aus. Der Cyco Miko-Style bleibt allerdings erhalten. Wenn man sich losgelöst hat von der Idee, es hier "nur" mit einer Tribute-Band zu tun zu haben, macht das Album richtig Laune.

Hört euch 'No Common Ground' oder 'Curse Of Life' an und sagt nicht, dass ihr nicht mitgerissen werdet. Und das macht doch Musik aus - sich überraschen lassen, einfach den Instinkten folgen und gute Songs als gute Songs akzeptieren ohne das berühmte "Haar in der Suppe" finden zu wollen. Natürlich ist das Suicidal Tendencies, Excel oder Beowülf in Reinkultur, aber ich habe mich in diesem Jahr noch nicht oft so sehr unterhalten gefühlt, wie bei "Control The Fear".

Negative_Self_Photo_courtesy_of_BDHW

Negative Self Photo courtesy of BDHW

NEGATIVE SELF haben ihre Daseinsberechtigung, weil sie durchgehend spannungsgeladene Songs erschaffen haben, die sich offensichtlich an oben genannten Referenzen orientieren. Dass "Control The Fear" trotzdem bzw. gerade deswegen so gut funktioniert, ist vielleicht auch dem Umstand geschuldet, dass man aktuell viel zu selten gelungenen Metal/Punk/Hardcore-Crossover zu hören bekommt.

Album-VÖ: 16.03.2018