(PIAS / Rough Trade)

Ihr letztes Album war der Tiefpunkt. Ob den EDITORS mit "Violence" die Wiederauferstehung gelingt bleibt fraglich, wenn man sich die ersten Kritiken in der Fachpresse anschaut. Doch machen wir uns selbst ein Bild.

Für mich persönlich gab es einen ganz entscheidenden Wendepunkt in der Karriere der EDITORS: Der Weggang von Chris Urbanowicz. Der ehemalige Gitarrist, Keyboarder und Co-Writer der EDITORS riss im April 2012 eine Qualitätslücke in eine bis dahin sehr gut funktionierende Band, die bis heute nicht so richtig geschlossen werden konnte. Justin Lockey als Gitarrist und Elliott Williams an den Keys ersetzen den Musiker seitdem auf der Bühne, aber auf Platte will das Ganze noch nicht funktionieren. "The Weight of Your Love" (2013) und "In Dream" (2015) entäuschten.

Vor einigen Wochen gab es mit 'Magazine' dann die erste Vorabsingle aus "Violence" zu hören:

Die Gestromt Follower zeigten sich auf unserer Facebook Seite recht zuversichtlich. Die Erwartungshaltung stieg. Und auch ein erstes Statement von Bandchef Tom Smith gab es zu hören:
"We had a lot of help from a guy called Blanck Mass, who makes very brutal electronic music. So when it’s electronic, it’s very electronic. But then when it’s guitar-y, it’s very band driven. I think we’ve managed to find the balance of those two things better than we have done before."

Jetzt wo das ganze Album vorliegt muss man dem Mann zugestehen, dass er nicht gelogen hat. Große Teile von "Violence" sind wirklich sehr elektronisch ausgefallen, „very brutal“ wird es allerdings zu keiner Sekunde. Das ganze Album wirkt eher handzahm. Der Opener 'Cold' geht noch als bessere Coldplay Nummer durch und die zweite Single 'Hallelujah (So low)' erreicht den höchsten Härtegrad von "Violence". Es folgt der Titeltrack, welcher das ganze Dilemma von den EDITORS 2018 aufzeigt. Im Ansatz gar nicht schlecht, aber es reicht einfach nicht nach drei Minuten den Syntheziser und die Diskokugel anzuschmeißen. Billige EDM Mucke. Und diesen Stempel kann man unter das ganz furchtbare 'Nothingness' nochmals setzen.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Band hier lediglich neun Songs versammelt und mit 'No Sound But The Wind' auch noch einen alten Schinken aus dem Twighlight-Soundtrack wieder aufwärmt, lässt in einem den Verdacht aufkommen, dass die EDITORS mit einem ausgewachsenen Ideenmangel das Studio betreten haben. Am Ende sollte es dann ein Elektroproduzent richten und die dreieinhalb Songs zu einem Album aufblasen.

Fazit: Auch 2018 wirken die EDITORS irgendwie orientierungslos. Große Gesten, jede Menge Pathos. Im besten Sinne Stadionrock auf den Spuren von U2, Depeche Mode und Coldplay. Durch den Wolf gedreht von Tiesto, Guetta und Co.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Magazine'

Album-VÖ: 09.03.2018