(Specialist Subject Records/ Broken Silence)

Mit Texten die zwischen zynisch und ironisch angesiedelt sind und den in Salz getauchten Finger in die pochende und offene Wunde legen - das ist die Leidenschaft und das Können eines JEFF ROSENSTOCK. Aktuell seziert niemand so treffend die gegenwärtige Befindlichkeit der Menschen in der Trump-Ära. Völlig überraschend und sofort digital verfügbar war das Album "Post-" bereits Anfang des Jahres zu ergattern. Nun gibt es die physischen Tonträger ab Ende März und deshalb auch endlich eine Rezension.

Das Album wurde innerhalb einer Woche von Jack Shirley (u.a. Deafheaven, Joyce Manor) aufgenommen - mit Hilfe so unterschiedlicher Gäste wie der Band Pup, Dan Potthast (MU330), Chris Farren (Fake Problems) und Laura Stevenson (war schon gemeinsam mit JEFF ROSENSTOCK bei Bomb The Music Industry! tätig). Soweit die Eckdaten. Dass der Aufnahmeprozess im Grunde fast gänzlich live vonstatten ging, dürfte nicht verwundern, sofern man sich etwas über Herrn ROSENSTOCK informiert hat. So hat das Album einen rauen Garagen-Charme und atmet enorm viel Authentitizät.

Dass JEFF ROSENSTOCK ein Grundvertrauen in seine Fähigkeiten hat, steht außer Frage - erstaunlich ist jedoch, wie er dem Hörer das Gefühl vermittelt, dieses Talent immer weiter potenzieren zu wollen, um das Bestmögliche aus den Kompositionen herauszuholen. "Post-" ist lediglich der "aktuelle Stand der Dinge" - das Multitalent wird mit jedem Album kompakter, überraschender und besser!

So hat "Post-" eine Hitdichte im Angebot, die einen verwundert und erfreut die Augen reiben lässt. Also Ohren gespitzt und flugs die 10 Songs geniessen, die uns JEFF ROSENSTOCK spendiert. Es geht nach einer kurzen Begrüßung mit 'USA' los und endet nach über sieben Minuten, ohne eine Sekunde langweilig zu sein. In bester Against Me!-Manier wird losgerockert, um im Mitteltteil ausgiebig Luft zu holen und das Finale des Tracks genial enden zu lassen. Es folgt 'Yr Throat' - Knallersong mit catchy Hookline und Refrain und dem sympathischen Background-Chor, der so ROSENSTOCK-typisch ist. Super!

'All This Useless Energy' nimmt sich etwas zurück und zeigt wie toll 90er-PowerPop war (Weezer zu "Pinkerton"-Zeiten sagt ihr - könnte sein, sag' ich). 'Powerlessness' erinnert an die hektischen, aber immer liebenswerten Fidlar und ihrer Interpretation von Punkrock mit Indiegitarren. Dann im Anschluss 'TV Stars' - hier lugt der Britpop der 80er um die Ecke - und nach etlichen Jahren bekomme ich auf einmal Lust die Best-Of von The Housemartins anzuhören.

Auch wenn man glaubt, besser kann es eigentlich nicht mehr werden, schiesst der gute JEFF mit 'Melba' den nächsten Kracher aus der Hüfte. Absolut runder Song, der abrupt von 'Beatin My Head Against A Wall' abgelöst wird. Anderthalb Minuten PopPunk im Nerf Herder-Style, nur irgendwie dreckiger. 🙂

Beim vorletzten Song '9-10' wird auf einmal der entspannte Barsänger herausgeholt und ein Duett zelebriert. 'Let Them Win' beendet die wilde Fahrt, lässt sich dafür aber über 11 Minuten Zeit, wovon knapp die Hälfte einen wütenden, verzweifelten Künstler zeigt. Die andere Hälfte dient zur Beruhigung der Nerven und sind entspannte zurückhaltende Töne, die dich darauf vorbereiten sollen, als nächsten Handlungsschritt die Repeat-Taste zu betätigen.

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Jeff Rosenstock Photo courtesy of Polyvinyl and Specialist Subject

Um es kurz zusammenzufassen: JEFF ROSENSTOCK hat nach dem überaus guten "Worry." von 2016 enorm an seiner Detailverliebtheit gearbeitet und nun mit "Post-" eine grandiose Wundertüte veröffentlicht, welche soviel Ideen, Kreativität und Einflüsse verarbeitet, dass man bei jedem Hören immer wieder überrascht wird.

Album-VÖ: 23.03.2018