(Hassle Records/ Rough Trade)

Junge, Junge...was hat der Frontmann und Texter Tom Weaver schon alles durchmachen müssen, in seinem jungen Leben. Glasknochenkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall, schwerer Autounfall, Depression...Das die Verarbeitung dieser Erfahrungen natürlich weit entfernt ist von Friede, Freude, Eierkuchen, liegt in der Natur der Sache. CASEY haben mit ihrem Debüt "Love Is Not Enough" vor zwei Jahren den Nerv vieler Hardcore-Kids getroffen und konnten dem "Verzweiflungs-Hardcore" neue Facetten hinzufügen. Nun also der Nachfolger "Where I Go When I Am Sleeping", der hohe Erwartungen generiert und versuchen möchte, den exquisiten Standard des Vorgängers zu halten.

'Making Weight' eröffnet nachdenklich und zurückhaltend, fast schon minimalitisch, um sogleich rüberzugleiten in 'Wavering'. Der Song gibt dann gut Gas, es wird gebrüllt, die Gitarren flirren und im Refrain wird es melancholisch. So darf es ruhig weitergehen, denn seit Touche Amores "Is Survived By" oder La Disputes "Wildlife" fehlt dem Genre etwas der Frische-Kick. CASEY gehen natürlich nicht nur in Richtung aggressiv, sondern können auch mit den clean gesungenen Passagen bei 'Phosphenes' soviel Schwermut erzeugen, dass es tief um Bauch grummelt. Man spürt förmlich wie wichtig Tom Weaver die Musik ist und er jede Faser seines Körpers in die Kompositionen wirft, um alles herauszuholen.

Es wird auf "Where I Go When I Am Sleeping" nur noch dreimal wirklich laut und ungestüm - nämlich bei 'Fluorescents', 'Funeral' und dem Abschluss 'Wound'. Dazwischen dürfen instrumentale Stücke im Post-Rock-Style ('Morphine' & 'Where I Go When I Am Sleeping') einen grandiosen Spannungsaufbau leisten, der es den sauber gesungenen Songs (wie z.b. den fantastischen 'Needlework', 'Flowers By The Bed' oder 'Bruise') erlaubt, eine Intensität zu kreieren, die den Hörer auf eine intensive Reise mitnimmt, die er als lebensbereichernd in seine Erfahrungen mit aufnehmen kann, sofern er sich auf CASEY einlassen kann und möchte.

Casey_Photo_by_Martyna_Wisniewska

Casey Photo by Martyna Wisniewska

CASEY ist mit "Where I Go When I Am Sleeping" ein eindrucksvolles Ereignis gelungen und dürfte die Messlatte für alle Epigone enorm hoch gelegt haben. Das Album punktet mit einem fulminanten Mix aus Hardcore, Post-Rock-Elementen und wunderbarer Melancholie.

Album-VÖ: 16.03.2018