(Wolverine Records)

Speed-Folk und Punkrock! So die knackige Selbstbeschreibung der ursprünglich in Spanien gegründeten MALASANERS, die jetzt aber in neuer Besetzung (nur Gründungsmitglied Carlos ist der Verbindungspunkt) aus Bamberg die Irish-Punk-Rock-Szene unsicher machen wollen. Somit ist "Footprints" im Grunde ein Debüt, welches von erfahrenen Musikern zusammengebaut wurde.

Der Einsteiger 'Sell The Night' kommt noch recht gewöhnlich daher. Die Fiedel jault, die Gitarren zocken einprägsame Melodien und das Tempo ist im Mittelfeld angelegt, so dass man sich selbst als ungeübter Hörer schnell in die Materie einfinden kann. Der Gesang steuert den Mehrwert hinzu, denn hier wird ein Wiedererkennungsmerkmal generiert. Carlos del Pino Gonzalez singt, als wenn er sich schon auf den nächsten Whiskey freut und eine verdammt gute Zeit mit Freunden hat.

'My Time Before I Die' zaubert mit Mundharmonika und höherem Tempo dem eingefleischten Szenekenner die Mundwinkel nach oben, denn der Song bockt mal so richtig. Das nächste Ding namens 'Workers On The Run' hat mit seinem ernsten Hintergrund genau die richtige musikalische Untermalung gefunden, denn hier wird straight gerockt und mit Akkordeon ein küstennahes Flair erzeugt. 

MALASANERS sind extrem abwechslungsreich, verlieren sich aber zum Glück nicht in unnötigen Spielereien. Innerhalb der einzelnen Tracks herrscht meist eine Thematik vor (popaffiner Country, Punkrock, rockende Pub-Songs usw. usf.) die durchgezogen wird, dennoch versteht es "Footprints" prächtig zu unterhalten, da das Album im Ganzen unglaublich rund und kompakt klingt. Die Truppe hat schon ein internationales Niveau erreicht, was echt erstaunlich ist.

Aber wer Songs wie 'The Stars Are Falling', 'Long Live The Glory' oder 'Ghostly Lover' scheinbar so locker aus dem Händchen schüttelt, braucht sich hinter Bands wie The Rumjacks, Flogging Molly und The Mahones nicht zu verstecken. Den innerdeutschen Wettbewerb haben MALASANERS mit ihrem Debüt nochmal kräftig eingeheizt - Mr. Irish Bastard und Fiddler's Green haben definitiv hochkarätige Konkurrenz bekommen.

Malasaners_Photo_courtesy_of_Wolverine_Records

Malasaners Photo courtesy of Wolverine Records

"Footprints" hat mich komplett auf dem falschen Fuß erwischt ( 😉 ), denn ich hatte null Erwartungshaltung in das Album von MALASANERS, da ich die Band vorher nicht bewusst wahrgenommen habe und ich Folk-Punk per se nicht viel abgewinne - zumindest nicht in geballter Konzentration in Form eines Albums. Da die Bamberger aber auch andere Einflüsse zulassen und eher rockend als fiedelnd um die Ecke kommen, gefällt mir die Platte ausgesprochen gut.

Album-VÖ: 16.03.2018