(Käpitän Platte/Cargo Records)

Bereits vor einem Jahr konnten mich LINGUA NADA (gemeinsam mit PAAN) mit einer Split-EP begeistern. Die Band deutete dort bereits ein schier unfassbares kreatives Potential an, welches sie auch ein Jahr später noch inne hat. Das es der Leipziger Band dann auch noch gelingt diese Kreativität über ein gesamtes Album zu strecken, lässt einen doch gerne zwei mal hinhören. Das ist auch nötig, denn bei LINGUA NADA kann man von allem sprechen, nur nicht von leichter Zugänglichkeit.

Attestierte ich der Leipziger Band vor einem Jahr noch einen Mix aus „Garage, Mathrock, Shoegaze, Post-Hardcore und Pop“, so kann man dies auf "Snuff" noch getrost um die Komponenten Surf und Electro erweitern. Neben dem wilden Ritt durch sämtliche Genres, dürfte auch der Gesang von Sänger Adam Lenox Jr. ein Trademark der Band sein. Lenox Jr. singt sich meist fast bis zur Unverständlichkeit verhallt oder verzerrt durch die Strophen und Refrains der Songs. Der Opener 'Svrf Party' beginnt dabei zunächst recht strukturiert. Surfsound, man fühlt sich an Bands wie The Drums erinnert, nach 90 Sekunden legt der Song jedoch den Rückwärtsgang ein und der Weg führt langsam weg vom Strand. Knappe zwei Minuten ahnt man noch den Sonnenuntergang im Rückspiegel, doch dann gibt es ein ordentliches Mathcore Geknüppel, welches sich aber auch schnell wieder beruhigt und die Melodie in psychedelische Gefilde führt. Und am Ende treffen sich dann auch noch Kurt Cobain und Anthony Kiedis an einer Straßenecke des Songs und verabreden sich für den nächsten Tag. Welch eine Achterbahn, und das war lediglich die Beschreibung für den ersten (!) Track auf "Snuff".

Es folgt mit 'level 100' die Leadsingle. Auch wenn es wirklich absurd ist, bei so einem Sound von "Singles" zu sprechen.

Danach kommt 'Hypertension'. Eine nette Gitarrenmelodie, positive Vibes machen sich breit und auch der Gesang kommt hier freundlich und verständlich um die Ecke. In der zweiten Songhälfte marschiert aber auch dieser Song in eine andere Richtung, getreu den Lyrics: "I'm on a trip, Sir!!!"
Das anschließende 'Cyanid Soda' wird zunächst von einem Gitarrenriff und einem treibenden Drumming mit ordentlich Tempo durchgepeitscht. Garniert mit Backing „Woho-Wohhoos“, die jedoch so etwas wie eine Grenzmarkierung hier darstellen, denn nach gerade mal sechzig Sekunden wirkt der Song schon wieder wie ein völlig anderer. Das das Ganze dennoch so wunderbar funktioniert und irgendwie wie ein geordnetes Chaos wirkt, macht die Platte noch interessanter.

Adam Lenox Jr. erzählt über das Video zu 'Cyanid Soda' folgendes: "Wir haben uns ein paar komische Charaktere ausgedacht, alle mitsamt einer Backgroundstory, wie unser eigenes Mortal Kombat. Wir haben beim Dreh mit HD Kameras und neuer Technik hantiert, doch natürlich haben unsere billigen Effekte und Lo-Fi Visuals auch wieder ihren Weg ins Video gefunden. Für den Dreh mussten wir uns Schwertkampf-Choreographien mit YouTube-Tutorials beibringen, wir zogen uns trotzdem jede Menge Wunden beim Filmen zu. Außerdem musste ich in 35 Kilo Schleim baden, der danach einfach nicht mehr abgehen wollte. Ich musste einige Stellen meines Körpers rasieren, um das Zeug loszuwerden!!"

Zur Mitte des Albums folgt der Titeltrack, welcher jedoch lediglich wie ein Interlude wirkt, bevor man mit 'Mechakintosh' und 'Spit' für LINGUA NADA Verhältnisse schon gemäßigte Kost aufgetischt bekommt. Mit 'A Netflix Original' folgt ein experimentelles Instrumental, welches das ruhigere und abschließende Drittel des Albums einleitet. 'Shapeshifted' und 'Le Magnüs' halten sich nämlich im Vergleich zu den anderen Tracks des Albums vornehm zurück.

Wenn man das Album gehört hat, dann wächst in einem die Spannung, wie die Band es wohl schafft, die Songs von "Snuff" auf die Bühne zu bringen. Um das zu kontrollieren, sollte man der Band einen Besuch auf ihrer im April startenden Europatour abstatten. Hier sind die Daten:

Lingua Nada - "Snuff" EU Tour 2018

06.04. Offenbach, Kapelle
07.04. Köln, Privat
08.04. BEL - Dünkirchen, Le Kalvaire
09.04. FRA - Lille, Bobble Café
10.04. FRA - Rouen, Les Trois Pieces Musik Club
11.04. UK - Brighton, Green Door Store
12.04. UK - London, Shacklewell Arms
13.04. UK - Portsmouth, The Festing
14.04. BEL - Brüssel, Barlok
17.04. CZ - Prag, Kasárna Karlín
18.04. Berlin, Zukunft am Ostkreutz (+ TTNG)
19.04. Hamburg, Astra Stube (+ TTNG)
20.04. Köln, Subway (+ TTNG)
21.04. FRA - Lyon, Farmer
22.04. FRA - Marseille, La Salle Gueule
24.04. FRA - Toulouse, Le Ravelin
25.04. FRA - Bordeaux, Wunderbar
26.04. FRA - Nantes, Chien Stupide
27.04. FRA - Paris, TBA
28.04. Stuttgart, Waggons
29.04. Nürnberg, Ghost City Live Session
11.05. Berlin, ZGK
12.05. Zwickau, Barrikade
13.05. AT - Graz, Sub
14.05. SVK - Bratislava, Fuga
15.05. HUN - Budapest, Aurora
16.05. CZ - Prag, Bike Jesus
17.05. Weimar, Villa
18.05. Jena, Café Wagner
19.05. Lauenberg, Kuhle Wampe Fest
16.06. Paderborn, Wintergrün Fest

LINGUA NADA haben mit "Snuff" ein eindrucksvolles Debütalbum erschaffen. Auf jeden Fall ein Album welches man sich erarbeiten muss. Und wer diese Mühe auf sich nimmt, der wird mit einer der spannendsten und innovativsten Platten 2018 belohnt. Wem das zu viel ist, der steigt ohnehin spätestens bei Track drei aus.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Cyanid Soda'

Album-VÖ: 23.03.2018