(New West Records/ Pias)

NAKED GIANTS kommen aus Seattle und haben ihr Debütalbum "Sluff" dabei. Der Produzent der Platte heisst Steve Fisk und hat schon solche Kaliber wie Nirvana, Screaming Trees oder Soundgarden zu einem einzigartigen Sound verholfen. Preisfrage: Was könnten NAKED GIANTS wohl für ein Genre bedienen mit den genannten Voraussetzungen? Antwort: Grunge ist es überraschenderweise nicht.

Ihr mögt das Debüt von OK Go und oder das The Wombats-Album "A Guide to Love, Loss & Desperation"? Dann könnte auch NAKED GIANTS in Euer Beuteschema passen, denn nach den ersten drei Songs von "Sluff" ('Dead Alien', 'We're Alone' und 'Everybody Thinks They Know But No One Really Knows') setzt sich der hibbelige Indie-Rock im Gehörgang fest und fasziniert mit einer Leichtigkeit und Vielseitigkeit, die den meisten Bands heutzutage abgeht. Es wirkt nichts überproduziert, sondern darf mal krachig klingen, um im nächsten Augenblick eine Melodie hervorzukramen, die das Tanzbein alleine zum Zucken bringt.

Der Titeltrack ist dann doch irgendwie Grunge (wenn auch mit einem "Neo" davor), 'Slow Dance II' hat was von The Rolling Stones, 'TV' wiederum ist komplett durchgeknallt und kann ich nach den sechseinhalb Minuten überhaupt nicht einordnen.

'Goldfish I' und 'Goldfish II' erinnert etwas an die experimentellen Blur, 'Easy Eating' mit seinem anarchistischem Ansatz gar an Fidlar und/ oder Bully. NAKED GIANTS scheissen augenscheinlich auf Konventionen und Verkaufszahlen. Es wird auf Teufel komm raus versucht, einzigartig zu klingen - leider vergessen die Jungs einen gewissen roten Faden. Man hat bei "Sluff" durchgehend das Gefühl eine Compilation eines DIY-Labels zu hören. Sympathisch, obskur, durchgeknallt und interessant, aber nur etwas für den Augenblick. Während das erste Drittel der Platte noch stringent und nachvollziehbar ist, wird sich bei fortschreitender Laufzeit leider verzettelt.

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Naked Giants Photo courtesy of New West Records

NAKED GIANTS machen ihr Ding und schielen nicht auf die Weltherrschaft. "Sluff" ist sehr speziell und definitiv nicht für den Massenmarkt. Entdecker dürfen gerne ein Ohr riskieren, da das ein oder andere Schmankerl abfällt. Ansonsten leider etwas unausgegoren und ziellos.

Album-VÖ: 30.03.2018