(Fearless Records/Universal)

Fünf Jahre nach der Auflösung der Band, zehn Jahre nach dem Ausstieg von Schlagzeuger Aaron Gillespie und acht Jahre nach dem letzten Studioalbum "Disambiguation" sind UNDEROATH endlich mit neuem Material zurück. MIT Gillespie am Schlagzeug und somit in vertrauter Besetzung (seit dem "They’re Only Chasing Safety"-Album von 2004 bis zum Abgang von Gillespie stabil). Jaaaa!!! Kann "Erase Me" auch die hohen Erwartungen erfüllen? Ansichtssache! Für mich leider nicht. Aber füllen konnte die Band die Lücke der letzten Jahre auch nicht mit ihrem Live-Gig in Köln, den ich im vergangenen Jahr besuchte. Und ich habe die Band oft live gesehen!

Stillstand ist der Tod, man möchte nicht auf der Stelle treten und Weiterentwicklung haben/hören. Ich persönlich habe mir von der Band allerdings ein "Define The Great Line Part Two" gewünscht, in dieser Form (natürlich) aber nicht bekommen. Nur in Teilen. Aber "Erase Me" ist trotzdem ein okayes Werk geworden. Nicht mehr und nicht weniger. Vor allem aber ein anderes Album.

Formte Gillespie in 2005 The Almost, um straightere Rockmusik zu schreiben und zu performen, kann man diesen Wunsch/Einfluss auf dem neuen Album ebenso verorten, wie Sänger Spencer Chamberlains Ausflüge in gemäßigtere Gefilde mit seiner Rock-Band Sleepwave.

In einem Interview, welches ich kürzlich las, stand zudem, dass die beiden soeben erwähnten Beteiligten heimlich und ohne andere Bandmitglieder einzuweihen, zusammen Songs schrieben, die man nun auch auf "Erase Me" finden kann.

Das Info-Blatt zitiert Spencer Chamberlain:

„Wir haben uns alle einen Schritt voneinander entfernt und dann festgestellt, dass wir eine Familie sind. Wir haben das sehr vermisst. Wir haben uns vermisst. Wir haben einmal die Entscheidung getroffen nie mehr als Underøath zusammen zu spielen. Das haben wir ein paar Jahre lang sacken lassen. Aber wir haben uns selbst wieder aufgebaut, unsere Freundschaft – und dann am Ende die Band wieder aufgebaut".

Photo by Nick Fancher

Und darüber freuen wir uns alle natürlich sehr!

Der Einstieg mit 'It Has To Start Somewhere' ist typisch UNDEROATH, die "Define The Great Line Part Two"-Hoffnung wird angefeuert, mit dem folgenden 'Rapture' folgt dann eine leichte Kurs-Korrektur vom gewohnten Sound, hin zu einem packenden und catchy Clean Vocal-Chorus, der sich sofort mit einem wummernden Bass unterfüttert hartnäckig festsetzt. Ein Ohrwurm!

UNDEROATH 2.0. Anders und gut. Aber dieses (neue) Niveau wird nicht über die volle Album-Distanz gehalten, obwohl das darauffolgende 'On My Teeth' mit Wirbelwind-Drumming wieder in die gewohnte Kerbe schlägt. Aufbauendes Intro und auf die Mütze. Yes, DAS sind die UNDEROATH, die ich hören will! Auch der Chorus ist ein Ohrwurm, der Song ein weiterer (aggressiver) Hit.

'Wake Me' ist dann für mich der erste Song, den man sich hätte klemmen können. Nicht schlecht, aber mit dem Namen UNDEROATH dahinter nicht knackig genug. Eingängig, aber zu soft. 'Bloodlust' plätschert ähnlich lustlos dahin, wird aber im Refrain härter und wechselt dynamisch zwischen den Polen Soft und Hart. Und Keyboarder Christopher Dudley kann sich ordentlich mit seinen sphärischen Flächen austoben.

'Hold Your Breath' ist ein weiteres Beispiel für die Härte aus alten Tagen, der aber auch einen melodischen und tragenden Refrain spendiert bekommt und gut für die 2018er UNDEROATH steht.

Jeden Song zu beleuchten, würde den Überraschungseffekt nehmen, für mich persönlich ist das neue Album (speziell durch die NICHT erwähnten Songs) aber leider etwas zu zerfahren und pendelt eher zum Soft-Pol und zwischen den anderen Bands der eingangs erwähnten Protagonisten. Dabei aber etwas zu klischeebehaftet und nach Schema F/am Reissbrett gestrickt. Vielleicht ändert sich der Eindruck aber mit der Zeit auch noch, warten wir mal den Langzeittest ab. Der Status Quo ist nach 3-5 Hördurchgängen aber leider nur gutes Mittelmaß.

Produzent des Albums war nebenbei Matt Squire, den Mix erledigte Ken Andrews. Im Sommer kann man UNDEROATH beim Hurricane und Southside bewundern.

Album-VÖ: 06.04.2018