(Epitaph Records/ Indigo)

Warum sich auf einmal plötzlich alle (zumindest Punkrocker) auf ein neues PENNYWISE-Album freuen, ist dem Umstand geschuldet, dass es das erste nach über 10 Jahren mit Original-Sänger Jim Lindbergh ist. Das letzte Werk war "Reason To Believe" (2008), welches allerdings schon kreative Abnutzungserscheinungen geboten hat. Auch die Alben davor waren für einige Hits gut, konnten aber nicht verhindern, dass man selbst als Fan der Truppe ein Gefühl von musikalischer Belanglosigkeit entwickelte. Zwischendurch hat ja bekanntermaßen Ignite-Frontmann Zoli Téglás ein Album ("All Or Nothing") mit seiner Stimme gefüllt, was aber eher als All-Star-Projekt wahrgenommen wurde - denn ohne Lindbergh ist es kein PENNYWISE. Live schon seit Längerem wieder am Stizzle, gibt es nun tatsächlich auch neue Songs, um bei Konzerten die Wartezeit auf die 'Bro Hymn' mit neuen Punkrock-Hymnen zu verkürzen.

Und davon haben PENNYWISE einige im Köcher. Schon der erste Song 'Never Gonna Die' hat dieses typische vorangaloppierende Schlagzeugspiel, welche durch ebenso typische Gitarrenmelodien und dem beherzten Gesang von Herrn Lindbergh schön nach vorne schiebt. Sehr druckvoll, die "Ooohhs" und "Aaahhs" sitzen in bester Bad Religion-Manier. Perfekter Einstieg, um sich dem Comeback mit einer großen Prise Nostalgie anzunäheren. Da auch 'American Lies' aufs Gaspedal drückt und der Refrain sich schon beim ersten Hören festsaugt, kann man konstatieren, dass PENNYWISE in den letzten fast zwanzig Jahren selten so fordernd und auf den Punkt waren, wie auf "Never Gonna Die".

'Keep Moving On', 'Live While You Can' und 'We Set Fire' im Anschluss runden das perfekte erste Drittel ab. Textlich wird sich natürlich weiterhin mit gesellschaftlichen Problemen beschäftigt und dazu aufgefordert, sich individuell von Zwängen zu befreien und sein Leben selbstbestimmt zu leben.

Was für den Einen Füllersongs sind, kann für den Anderen der absolute Hit sein - auch das hat PENNYWISE schon immer ausgemacht. Tracks wie 'Goodbye Bad Times' oder 'Won't Give Up The Fight' fallen vermutlich in die Kategorie, da sie einerseits recht einfach konzipiert sind, aber dennoch nicht mit Eingängigkeit geizen. Sei's drum...mein nicht ganz objektiver Eindruck (bin halt Fan!) tendiert dazu, dass ich "Never Gonna Die" als zukünftigen Klassiker in der PENNYWISE-Diskographie verorte und ein angenehmes "Back To The Roots"-Gefühl habe. Das Album rangiert in der Nähe von "About Time" und "Unknown Road", behaupte ich mal - und hat damit eine Qualität erreicht, die meine niedrige Erwartungshaltung killt.

Pennywise_Photo_by_Josh_Coffman

Pennywise Photo by Josh Coffman

PENNYWISE haben ein überzeugendes Comeback hingelegt, welches authentisch und energisch zeigt, dass mit den älteren Herren noch zu rechnen ist. "Never Gonna Die" ist ein verdammt solides Punkrock-Werk und kann im Laufe der Zeit sicherlich viele alte Fans wieder an Bord holen.

Album-VÖ: 20.04.2018

Bewertung: "Ersteindruck"

und "besseres Kennenlernen"