Wenn die BEATSTEAKS zum Tanz bitten, sollte man sich nicht lange zieren. Wer nicht schnell genug beim Ticketschalter war, der hatte das Nachsehen. Der Bielefelder Ringlokschuppen war lange im Vorfeld ausverkauft. Und das obwohl die YOURS-Tour, welche bereits 2017 startete, deutlich mehr Spielstätten aufweisen kann als man es bei einer Band dieser Größenordnung gewohnt ist. Die BEATSTEAKS stellen derzeit die Gleichung auf: mehr Spielorte + kleinere Locations = allerbeste Stimmung. Und natürlich geht auch in Bielefeld diese Rechnung auf.

Auch beim Support haben sich die Berliner nicht lumpen lassen und mit den wunderbaren TURBOSTAAT eine der besten Livebands das Landes ins Vorprogramm geholt. Die Punkrocker aus Husum hatten jedoch die undankbare Aufgabe gegen den ersten Schönwetter-Sonntag seit Monaten, und somit dem geöffneten Biergarten des Ringlokschuppens, anzuspielen. Wer sich gegen die letzten Sonnenstrahlen des Tages entschied, wurde mit einem halbstündigen Best-Of-Set der Punkrocker belohnt. Hier und Da wirkte es etwas gehetzt, aber was will man auch groß anders machen, wenn einem die Zeit im Nacken sitzt.

Um 21:00 übernahm dann zunächst ein DJ den Prolog für das BEATSTEAKS Set. Drei Minuten feuerte der Mann hinter den Turntables Hits von MGMT oder M.I.A. auf die inzwischen zahlreich vor der Bühne sich eingroovenden Massen ab. Eine sehr cooler Countdown, welcher die Stimmung nochmals gut anheizen konnte. Entsprechend frenetisch wurde dann sogar der liedtechnisch etwas zurückhaltende Opener 'Yours', einer der wenigen neuen Songs im Set, abgefeiert. Denn auch wenn dies laut Plakat die YOURS-Tour war, behandelten die Berliner ihren aktuellen Longplayer an diesem Abend geradezu stiefmütterlich. Aber auch nicht wirklich verwunderlich, denn die wenigen neuen Nummern die ihren Weg ins Set gefunden haben, drosselten die Stimmung merklich herunter. Gefühlt spielen die Berliner fast schon mehr Coversongs als neue Nummern. Und da ist das Reportoire der Band ähnlich bunt gemischt wie das Publikum in der Halle. Von Queen über Sublime bis hin zu den Beastie Boys ist für jede Geschmacksdekade etwas dabei. Und natürlich dürfen auch die Classic-Cover von Ilona Schulz ('Hey Du') und, wie sollte es anders sein wenn TURBOSTAAT-Sänger Jan Windmeier „in the House“ ist, Fu Manchu ('Frieda Und Die Bomben') nicht fehlen.

Die BEATSTEAKS sind inzwischen so lange dabei, das das Publikum ein Treffen der Generationen ist. Verwaschene Bandshirts reihen sich neben den frisch erstandenen ein. Die Jüngeren tanzen Pogo vor dem Bühnengraben zu 'Jane Became Insane' und 'Let Me In', die Älteren stehen Arm in Arm an der Theke und intonieren 'Sooth Me' und 'I Don't Care As Long As You Sing'. Alle gemeinsam geht natürlich auch, wie der hüpfende Mob bei 'Automatic' oder 'Cut Off The Top' beweist.

Das die BEATSTEAKS live eine Bank sind, ist alles andere als ein Staatsgeheimnis. Sänger und Rampensau Arnim hat von der ersten Sekunde an den Laden im Griff und lässt keine Zweifel daran aufkommen wer der Herr im Ringlokschuppen ist. Und wenn ein Spaßvogel in der ersten Reihe meint ihm die Mütze vom Kopf zu stibitzen, wird auch einfach mal ein Song so lange unterbrochen, bis das Eigentum wieder seinen Weg zum rechtmäßigen Besitzer gefunden hat. Die restliche BEATSTEAKS Crew spielt auch an diesem Abend verlässlich und routiniert ihren Part runter. Neben der Unterstützung durch den DJ, gibt es einen Live-Trompeter und den seit 2011 mitreisenden zweiten Schlagzeuger. Live liefern die Herren absolut verlässlich. Wer es noch nicht erlebt hat, sollte spätestens in der kommenden Festivalsaison mindestens einmal bei den BEATSTEAKS vorbeischauen. Und auch Wiederholungsgänger kommen auf ihre Kosten, denn die Setlisten der aktuellen Tour werden täglich neu gemischt. Sehr löblich!

Gestromt Fotograf Mark Haake hat den Abend in Bildern festgehalten: