(By Norse Music / Membran)

Heute gibt es mal etwas andere Musik zu hören. "Hugsjá" ist nämlich die zweite Kooperation zwischen IVAR BJORNSON & EINAR SELVIK. Enslaved treffen also quasi auf Wardruna und das hört sich doch schonmal ganz spannend an. Soviel vorweg, es geht deutlich in die Richtung der zweitgenannten Band. Wer hier Viking oder Progessive-Metal mit norwegischen Einschlag sucht, kann sofort aufhören zu lesen. Es handelt sich bei dem gut einstündigen Album nämlich komplett um sehr spirituelle und auch folkloristische Musik. Freunde von Norwegen und auch sonst eher spezielleren Klängen, sollten daher besonders die Ohren spitzen.

Normalerweise analysiere ich eine CD ja immer Song für Song, aber bei "Hugsjá" scheint mir das nicht der richtige Weg zu sein. Stattdessen versuche ich zu erst die Musik an sich zu beschreiben. Gesungen wird natürlich auf norwegisch und dafür ist dann IVAR BJORNSON zuständig, welcher sonst auch noch ein paar traditionelle Instrumente übernimmt. EINAR SELVIK hingegen ist für die Gitarre und die Elektronik auf dem Album zuständig. Weitere Instrumente werden dann von anderen Musikern eingespielt. Der entstehende Sound ist dabei sehr spirituell, aber durch die E-Gitarre entsteht schon ein ganz leichter Hauch von Rockmusik, der durch das Album weht. Drei Lieder gehen auch schon alleine über sieben Minuten, was dem Ganzen eine gewisse Epik verleiht.

Trotz der Länge wird "Hugsjá" niemals langweilig, dafür sind die Lieder einfach zu unterschiedlich. Da wären Lieder wie 'Nordvegen' die mit akustischer Gitarre eingepielt sind und locker-leicht daher kommen, aber auch Stücke wie meinen persönlichen Favoriten des Albums namens 'Fornjot', welches komplett von diesen traditionellen Instrumenten lebt, aber dessen Refrain so unglaublich eingängig und vorantreibend ist. Natürlich findet man auch Lieder die eine eher gedrückte Atmosphäre haben und sich somit perfekt dazu eignen über das eigene Sein zu sinnieren.

Im Endeffekt ist es einfach nur schön, dass wir diese Musik nun in einer Studioversion auf CD serviert kriegen. Eigentlich war dies nämlich Musik, die für eine Konzertreihe über die norwegische Historie komponiert wurde und letztes Jahr in Bergen seine Premiere feierte. Aber wäre es bei dieser Aufführung geblieben, hätte ich sie wohl nie gehört. Somit ist "Hugsjá" ein Muss für Freunde von traditionell geprägter skandinavischer Musik. Sicherlich nicht das, was man hier bei Gestromt erwartet, aber hier sollte man unbedingt einmal reinhören. Das ist keine Musik zum Feiern oder Abrocken, sondern um sich mal komplett fallen zu lassen. Für alle Videospieler unter uns ist es auch sicherlich eine grandiose Ergänzung zum am selben Tag neu erscheinenden God of War Spiel, welches nun auch in die nordische Mythologie eintaucht. Ich hoffe jedenfalls das die Platte genügend Hörer findet, dass hat sie sich nämlich locker verdient.

Album-VÖ: 20.04.2018