(BMG/Warner)

Sharon den Adel hat sich weltweit einen Namen als Sängerin und Songwriterin der mit Gold und Platin ausgezeichneten Symphonic Metalband Within Temptation gemacht. MY INDIGO ist ihr aktuelles Soloprojekt, welches ganz anders klingt als Within Temptation und ein weiterer Beweis für die musikalische Vielfalt der Ausnahmesängerin sein dürfte. Willkommen im Pop.

Das den Adel auch anderen Musikstilen durchaus aufgeschlossen gegenüber steht, zeigte sich bei der 2008er Kollaboration mit DJ Armin van Buurens. Das damals entstandene 'In And Out Of Love' ist ein erstaunlich haltbarer Dancetrack, der auch heute noch seine Daseinsberechtigung hat. Und wenn man sich dann nochmal klar macht, dass Within Temptation eigentlich auch immer mit einem Bein im Pop-Ziergarten stand und Blümchen flückten, dann verwundert einen der Sound von "My Indigo" eigentlich schon gar nicht mehr. Auch wenn das die Künstlerin anders formuliert:

"My Indigo hat wenig mit dem zu tun, was ich normalerweise mache. Es handelt nicht davon, Barrikaden zu errichten und hart zu sein. Im Gegenteil, ich musste mich erst verletzlich fühlen und Emotionen zulassen, die ich bislang noch nicht aus mir herausgelassen habe." (Sharon Den Adel)

MY INDIGO by Semuel Souhuwat

Die Geburt von MY INDIGO soll allerdings keine leichte gewesen sein. Mit dem Erscheinen des Albums sollten jetzt aber alle Schreibblockaden und das mühsame ausmanövrieren aus der kreativen Sackgasse, in welcher den Adel von Within Temptation vor knapp vier Jahren ausgesetzt wurde, überwunden sein. Als Vorabsingle bekam man dann auch weit vor Albumveröffentlichung den Titeltrack serviert, welcher mit einem dramatischen Video glänzt:

Wer sich jetzt bereits windet, der kann MY INDIGO getrost ignorieren. Wer sich noch nicht sicher ist, sollte zumindest bei Single Nummer zwei, 'Crash And Burn', in meinen Ohren der stärkste Song der Platte, ein Ohr riskieren:

Der Song hat durchaus Ohrwurmqualitäten und liefert eine absolut treibende Melodie. Dancebeats und Elektrogimmicks inklusive. Das da bereits eine reine Danceversion auf spotify bereit steht, stellt keine große Überraschung dar. Wem das alles zu viel Brimborium ist, der kann sich im Anschluss beruhigen. 'Out Of The Darkness' setzt voll und ganz auf die Engelsstimme der Sängerin, womit man eigentlich gar nichts verkehrt machen kann.

In der Folge gibt es ein ständiges Auf und Ab. Da gibt es Tracks die so aufregend daherkommen wie die letzte Steuererklärung ('Indian Summer', 'Where Is My Love' oder 'Someone Like You') und die Tracks die sich dem Pop vollkommen öffnen und alle Gesten dieser Sportart verinnerlicht haben ('Black Velvet Sun', 'Star Crossed Lovers'). Und genau dann ist MY INDIGO am stärksten.

Unterm Strich: Popmusik der angenehmeren Sorte, dennoch sicherlich nicht jedermanns Fall. Die Gestromt-Gefolgschaft wird ihre Schwierigkeiten haben, der NDR2 Hörer dreht lauter.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Crash And Burn'

Album-VÖ: 20.04.2018