(Okami Records/Rough Trade)

Zur aus Nagoya stammenden Metal-Band LYNCH. habe ich hier schon ein paar Kritiken veröffentlicht und diese euch somit hoffentlich schon gut näher gebracht. Ende 2016 wurde der Bassist Akinori wegen Marihuna-Besitz verhaftet und musste die Band verlassen. Daraufhin pausierte die Band gezwungenermassen erstmal. Im Jahr 2017 erschien dann die EP "SINNERS", wo bei jedem Song einfach ein Bassist aus einer anderen japanischen Rockband ausgeholfen hat. Aber warum dann jetzt erst die Kritik? Inzwischen gab es nämlich auch eine weitere CD namens "Blood Thirsty Creature", welche mehrere Neuaufnahmen älterer Lieder an Bord hatte. Und genau diese drei Lieder finden sich nun auf der neuen Version, die nun den Namen "SINNERS - No One Can Fake My Blood" trägt, die dank Okami Records auch hier im Westen erscheint. Mit einer Spielzeit von gut 37 Minuten ist es nun auch auf eine solide Albumlänge angewachsen. Außerdem kehrte dieses Frühjahr Akinori als Bassist zurück - Band also wieder komplett und damit genügend Gründe auch hierzulande in das neuste Werk mal reinzuhören.

'Sin' ist eher ein etwas längeres Intro. Harte Riffs, ein bisschen verträumter Gesang, falls man das so nennen darf, wenn nur eine Person ständig den Buchstaben A singt, und fertig ist der grundsolide Einstieg der Lust auf mehr macht. Überraschenderweise gipfelt das nicht in zu erwartendes Geknüppel, sondern 'Sorrow' besteht nur aus klarem Gesang und die Riffs und Beats sind auch nicht die Härtesten. Man startet das Album nämlich tatsächlich mit einer Ballade. Je öfter man diese hört, umso schöner wird sie und die Instrumentalparts sind dabei echt gut ausgearbeitet. Mit fast sieben Minuten ist es dabei aber auch echt verdammt lang. So, mit 'Blood' geht es nun aber in die Vollen, ab nun wird geshoutet und gegrowlt und die Geschwindigkeit wird um einiges erhöht. Mit unter drei Minuten liegt hier die Würze in der Kürze und man kann eh nicht durchatmen, da es mit 'Black Out Destroy' in genau derselben Machart weitergeht. Gerade für diese energiegeladenen und schnellen Stücke sind LYNCH. aber auch bekannt und beliebt. Mit 'Kaleido' wird trotzdem erstmal wieder ein gutes Stück runtergeschaltet - kann man gut anhören, wirkt aber leider auch ein bisschen wie 'nen 08/15-Lied, welches eher da ist, um das Album zu füllen. Da gefällt mir doch 'The Whirl' viel besser, welches mit extrem tiefen Bässen und Riffs startet, aber anstatt in ein Metalgewitter zu gipfeln eigentlich im Großteil sehr ruhig eingesungen ist und auch die Instrumente schnell zurückschraubt. Das sorgt dafür, dass die düsteren Stellen des Songs noch viel besser zur Geltung kommen und abwechslungsreich ist es dadurch natürlich auch.

Durchgehend schneller geht es bei 'Creature' zur Sache, bei dem vor allem die kleinen Gitarrensoli sehr viel Spaß machen. In der Mitte gibt es dann auch noch ein paar kleine Spielereien mit der Tonverzerrung und das Endergebnis kann sich verdammt gut hören lassen. Was ich richtig überraschend finde ist, dass 'Dies Irae' nun in eine sehr thrashige Richtung geht und dabei ohne Rücksicht auf Verluste nach vorne prescht. Das macht hier auf Platte schon extrem viel Spaß und man verspürt sofort Lust sich zu dem Stück in den nächsten Moshpit zu stürzen. In meinen Augen also das mit Abstand Beste was auf der Scheibe hier zu finden ist, daran kann auch 'Trigger' nichts mehr ändern. Hierbei handelt es sich um eine Midtempo-Nummer, die zwar ab und zu anzieht, nach dem Vorgänger aber einfach ein bisschen zu schwach auf der Brust daherkommt.

Mit 'Dies Irae' hat sich ein wirklicher Oberkracher auf "SINNERS - No One Can Fake My Blood" geschlichen, aber auch alle weiteren Songs wissen zu gefallen. Die hohe Qualität der letzten Alben und EPs wird zwar nicht ganz gehalten, aber trotzdem handelt es sich hierbei um ein sehr kurzweiliges Album, welches einfach nur Spaß macht. Vor allem ist es doch einfach schön zu sehen, dass dieser Drogenzwischenfall nicht die Band komplett zerstört hat. Denn jeder der sich etwas in der schnelllebigen japanischen Rockszene auskennt weiß, dass das echt nicht alltäglich ist und öfters mal den Todesstoß darstellt.

Anspieltipps: 'Sorrow', 'Dies Irae'

Album-VÖ: 25.04.2018