(Danse Macabre Records)

Auf ihrem Debütalbum "The Tragedy Of Seconds Gone" präsentiert das aus Hannover stammende Duo WISBORG (die Stadt aus dem Stummfilmklassiker Nosferatu) eine gelungene Mischung aus Elektronic-Dark-Wave und Gothic-Rock. Die Songs schwanken ein wenig hin und her zwischen tanzbaren Uptempo-Nummern und melancholisch anmutenden, langsamen Trauerklößen. Eine unglaubliche Transparenz zieht sich durch die gesamte Produktion, sodass man als Hörer jederzeit in der Lage ist, die einzelnen Ideen, die sich hier zu einem überzeugenden Ganzen zusammenfinden, für sich wahrzunehmen und kann so erkennen, wie vielschichtig das Songwriting sein kann, wenn man nicht gebunden ist an nur ein Instrument oder einen Sound.


Über alledem thront die leicht affektierte, aber mit hohem Wiedererkennungswert versetzte Stimme von Konstantin. Vergleiche mit Sisters Of Mercy und Depeche Mode liegen besonders durch die durchweg als programmiert erkennbaren E-Drums (hier hätte ich ggf. auch mal andere „realere“ Sounds ausprobiert und auch mal das Drumming etwas spannender gestaltet) auf der Hand, der „Beipackzettel“ zieht aber auch noch Type O Negative heran. Ja, bei ein bis zwei Songs kann ich auch diesen Vergleich nachvollziehen, wenn man das Ganze auf ein Minimum herunterbricht - ich sehe die Stärken von WISBORG aber eher in den schnelleren, tanzbaren Nummern wie die Debüt-Single 'Becoming Caligari' oder der Opener 'Seconds Gone', was aber in erster Linie daran liegt, dass mich gerade bei den langsamen, tragenden Songs wie 'In The Haze Of A Drunken Hour' die künstlich wirkende Melancholie in Konstantins Stimme nicht vollends abholt.

Photo courtesy of Danse Macabre Records

Photo courtesy of Danse Macabre Records


Leider habe ich die Jungs noch nicht live erlebt, aber ich bin mehr als gespannt, wieviel da letztlich vom Band kommt und wie diese Multiinstrumenten-Aufgabe von zwei Mann auf die Bühne gebracht werden soll, ohne dass dies zu Lasten der Bühnenpräsenz geht.


Wer sich selbst eh schon in der schwarzen Szene verwurzelt sieht, der sollte WISBORG unbedingt mal anchecken, und auch Gelegenheits-Goths riskieren hier nichts, wenn sie sich "Tragedy Of Seconds Gone" geben. Wir sind gespannt, wo die Reise für die beiden Herren noch hingeht, die ersten Schritte haben sie jedenfalls ordentlich gemeistert.


Album-VÖ: 27.04.2018