(earMusic/ Edel)

Das Jahr der Comebacks geht weiter und macht auch nicht vor alten Helden des Brit-Pop/Rock halt. REEF melden sich nach 18 Jahren mit einem neuen Studioalbum zurück auf der Weltbühne. "Revelation" ist erst das fünfte Werk in 23. Bandjahr - somit also etwas sehr Besonderes und fast schon Sensationelles.

REEF haben damals gemeinsam mit Primal Scream und The Stone Roses einen verdammt lässigen Brit-Rock etabliert, der sich am Blues-Rock bedient hat und den Einfluss von frühen The Rolling Stones nicht verhehlen wollte. Es wurden Songs, die absolut zeitlos sind und auch heute noch bestens funktionieren. Ob "Revelation" die gleiche Relevanz ausstrahlt, wird sich im Laufe der Zeit herausstellen - bei dieser Besprechung geht es um den Ersteindruck.

MIt dem Titelsong beginnt das Album rockig, aber latent unspektakulär. Der solide Rocksong weiß zwar zu gefallen, aber hat nicht die Ansatzpunkte, um sich im Gehörgang einnisten zu wollen. Der gepresste Gesang klingt sogar etwas nach Brian Johnson von AC/DC. Irgendwie zumindest. Beim zweiten Song 'My Sweet Love' wird es Americana-lastig, was aber kein Wunder ist, da als prominente Gastsängerin Sheryl Crow verpflichtet wurde, die den Track mit ihrer wohlklingenden Stimme aufwertet und erinnerungswürdig macht. Ansonsten ist auch diese Komposition nämlich eher durchschnittlich geraten und wurde in dieser Form schon hunderte Male gezockt.

Und im Folgenden bleibt es bei der songwriterischen Beliebigkeit, die es sich im Midtempo gemütlich gemacht hat. Ob nun 'Provide' oder 'Don't Go Changing Your Mind' (dessen Habitus mich an Mr. Big erinnert) - irgendwie fehlt der gewisse Punch, der aus okayen Songs etwas Besonderes herauskitzelt. Wenn es dann rockiger wird, wie z.B. bei 'Precious Metal', kommen Gedanken an die glorreiche Glamrock-Zeiten hoch inkl. den obligatorischen Background-Chören.

'Darling Be Home Soon' könnte auch als Musik bei einer Szenen-Montage eines Guardians Of The Galaxy-Films laufen, so sehr wird typischer 70er-Classic-Rock zelebriert. Zumindest sehr unterhaltsam und wahrlich nicht schlecht.

Reef_Photo_by_Jenny_Hands

Reef Photo by Jenny Hands

Im Großen und Ganzen ist "Revelation" durchaus hörenswert, allerdings keine Platte für die Ewigkeit. Warum eine britische Band wie REEF so sehr auf amerikanisch macht und ihre Möglichkeiten und ihr Talent nicht kreativer zum Ausdruck bringen kann, erschliesst sich mir nicht. Ich hatte mich auf das Comeback sehr gefreut, bin aber nach mehrmaligen Hören der Scheibe ernüchtert. "Revelation" ist mitnichten ein Rohrkrepierer, aber nunmehr eine Platte die nur für zwischendurch taugt.

Album-VÖ: 04.05.2018