(Fat Wreck Chords/ Edel)

2019 ist großes Jubiläum für STRUNG OUT - 30 Jahre Bandgeschichte gilt es zu begehen. Im Vorfeld der möglichen Feierlichkeiten, gibt es schon jetzt neuen Stoff für die unzähligen Die-Hard-Fans, die mittlerweile acht Sudioalben ihr Eigen nennen können. Mit "Black Out The Sky" wird zwar "nur" eine 8-Song-EP abgeliefert, aber diese wird einen Wendepunkt in der Karriere von STRUNG OUT bedeuten. Bisher konnte man sich quasi blind darauf verlassen, dass einem ein unfassbarer Brocken zwischen Melodycore, Punkrock, Hardcore und Metal-Elementen vor den Latz geknallt wurde. Teilweise sehr technisch und zudem brilliant in der musikalischen Umsetzung - damit hatten sie bisher immer eine Ausnahmestellung im Fat Wreck-Roster und waren jederzeit wiedererkennbar.

Mit "Black Out The Sky" wird ein komplett anderer Ansatz verfolgt, nachdem Frontmann und Hauptsongschreiber Jason Cruz von der sich steigernden Präsenz, Schnelligkeit und technischen Ausführung der letzten Alben langsam genervt war. So war man sich einig, dass die vorliegende EP überraschender und vielfältiger klingen sollte, als alles was STRUNG OUT vorher gemacht haben. Nun denn...

'The Architect' heisst der Eröffnungssong und ist so gänzlich anders. Sänger Jason erkennt man durchaus wieder, der Sound geht aber in Richtung Alice In Chains zu "Jar Of Flies"-Zeiten. Zurückhaltend und intensiv und trotzdem mit großer Geste. Der Titeltrack folgt und erschreckt den Zuhörer mit elektronischen Spielereien, die so aktuell teilweise auch in den Charts wiederzufinden sind. Hier ist ebenfalls der einzige Bezug zu STRUNG OUT in der einzigartigen Stimme von Herrn Cruz zu finden. 'Black Out The Sky' ist zu Beginn eine fürchterliche Anbiederung an die aktuellen Mainstream-Hörgewohnheiten - im Laufe des Songs wird es nochmal dynamischer, aber gegen Ende verkackt die Komposition wieder. Schlimm!

'Town Of Corazon' ist ein wunderschöner Akustik-Track, den man vielleicht auch mal von STRUNG OUT erwarten durfte und deswegen komplette Berechtigung hat. Tolle Harmonien und sehr eingängig. In eine ähnliche Richtung geht es dann mit den neu interpretierten STRUNG OUT-Altlasten wie 'Unkoil' (Original von "The American Paradox") und 'Matchbook' ("Twisted By Design").

'Requiem' ist wie eine satanistische Beschwörung - düster, geheimnisvoll und schwer zu fassen. Es baut sich langsam auf ohne Tempo aufzunehmen und hinterlässt ein riesengroßes Fragezeichen über meiner Birne, da ich einfach nicht verstehe, was hier gerade passiert. Wo zur Hölle sind STRUNG OUT?

Um die aufgelaufene Negativität wieder umzukehren, folgt mit 'Duke Of Sorrow' der Gute-Laune-Song des Albums. Entspannter Folk, der den Background Punkrock nicht abstreiten kann und mir mit seinem Frank Turner-Vibe doch ein Lächeln abringen konnte. Natürlich auch weit entfernt von dem, was STRUNG OUT über ein Vierteljahrhundert ausgemacht hat, aber ein guter Song bleibt ein guter Song.

Auch der Abschlusstrack 'Presidio' gewichtet die Bewertung in den positiven Bereich, da ähnlich wie bei 'Town Of Corazon' entspannt-zurückgelehnte Lagerfeuer-Stimmung aufkommt und der EP "Black Out The Sky" ein versöhnliches Ende schenkt.

Strung_Out_Photo_by_David_Friedmann

Strung Out Photo by David Friedmann

Es ist immer löblich, wenn sich Bands nicht auf ihren Erfolgen und der dazugehörigen Blaupause ausruhen wollen und neue Dinge ausprobieren möchten. Im Punkrock-Genre ist dies meist ein Akustik-Album. Dem Klischee sind STRUNG OUT mit "Black Out The Sky" aus dem Weg gegangen, indem sie sich teilweise komplett neue Arrangements haben einfallen lassen. Ihnen muss klar gewesen sein, dass die ihre Fans teilweise vor den Kopf stossen könnten, aber der Mut gehört belohnt.

Meine persönliche Einchätzung: Beim ersten Hören habe ich gedacht, was das für ein Rotz sein soll. Mit häufigerer Beschäftigung erkenne ich die kreativen Ansätze hinter den teils gewöhnungsbedürftigen Sounds. Man sollte sich also Zeit nehmen für "Black Out The Sky" und offen für eine Entdeckungsreise sein.

Album-VÖ: 11.05.2018