(Gunner Records/ Broken Silence)

Singer/ Songwriter Jeff Rowe ist als Punkpoet natürlich auch Vorsteher einer "richtigen" Band. Diese heisst TIED TO A BEAR, sind seit 2011 am Start und stammen aus Boston. Mit ihrem zweiten Album "True Places" gibt es hochmelodischen Punkrock, der bisweilen an der Hardcore-Kante kratzt. Wenn man die 12 Songs hört, fühlt man sich zwangsläufig an die Underground-Größen wie Nothington, Iron Chic, aber auch Deforesters oder Dear Landlord erinnert.

'Denies', 'No Encore', 'Change' und 'Chrysalis' werden die Songs des ersten Drittels genannt und zeigen sämtliche Charakteristika, die einem auf dem Album in Hülle und Fülle begegnen. Zumeist geht es strikt geradeaus, die Handbremse existiert nicht. Schnelle, manchmal gar wütende Strophenparts lösen sich in großartigen Refrains auf, die mehrstimmig intoniert werden und somit noch 'ne Schippe Gänsehaut obendrauf packen. Das wird mit Sicherheit in kleinen Kellerclubs funktionieren, wo der Schweiß nach den ersten Tracks von der Decke tropft und das Publikum sich debil grinsend in den Armen liegt, um gemeinsam mit der Band einen unvergesslichen Abend zu erleben.

Der Sound auf "True Places" ist genau richtig - denn das Live-Feeling wird gut eingefangen, es klingt rau, ohne scheppernd zu sein. Perfekte Produktion für eine Platte, die atmen muss und ihre Dynamik quasi sekündlich resetet.

Neben den schon erwähnten Titeln gibt es noch genug andere Anspieltipps, die aber natürlich rein subjektiv gewählt sind wie z.B. die eher midtempo-lastigen 'Melville', 'Sleaze' und '300 Days'. Im Grunde ist aber müßig eine Vorauswahl zu treffen, weil es TIED TO A BEAR schaffen, ihr Album "rund" klingen zu lassen. Jeder Track muss an die Stelle an dem er jetzt steht - das gibt der Platte enorme Abwechslung, obwohl die Limitierung des Genres keine großen Sprünge erlaubt. "True Places" hat aber einen fulminanten Spannungsbogen, der es unmöglich macht, die LP nicht nochmal hören zu wollen.

Schickes, kleines Punkrock-Kleinod was uns hier TIED TO A BEAR schenken. "True Places" wird vermutlich nur einen Teil der angeblichen Szene erreichen, aber wer nur ein bisschen Liebe für oben genannte Referenzen empfindet, sollte sich auf eine Affäre mit TIED TO A BEAR einlassen. Hier ist mehr als ein One-Night-Stand möglich.

Album-VÖ: 04.05.2018