(Sportklub Rotter Damm/ Indigo)

Dieses Jahr ist ja bisher ein ziemlich Gutes für den geneigten Punkrock-Hörer. The Lillingtons, Pennywise, No Fun At All oder die Satanic Surfers haben alle ein saustarkes Comeback hingelegt. Bands wie The Shell Corporation oder Tied To A Bear zocken sich aus dem Underground empor und auch die hiesige Szene hat mit Hollywood Surrender, Elm Tree Circle usw. ziemlich heiße Eisen im Feuer. Dazu könnten bald auch ANGRY YOUTH ELITE zählen, die mit ihrem Album "Ready! Set! No!" alles abgrasen, was Mitte der 90er angesagt war. Das Trio hat quasi den Soundtrack 2.0 für die heutige Skate-Szene geschrieben. Aber auch die Älteren unter uns dürften in Nostalgie schwelgen und ca. 25 Minuten lang wieder das "Jugendlich-Fühlen-Gen" aktivieren.

Mit 'Start' startet (sic!) das Album instrumental - dies ist aber kein dröges Intro-Geschwurbel, sondern lässt die Fat Wreck-Zeiten der jetzigen Stadion-Punks Rise Against aufleben. Danach erstaunt 'Pissed' den Zuhörer mit einem wütenden Hardcore-Punker, der in einer Minute abgefrühstückt ist. 'Rebellion Cut To Fit' lässt zum ersten Mal die Hymnenhaftigkeit von ANGRY YOUTH ELITE aufblitzen - als massive Gang-Vocal-Unterstützung wurden The Burning Heads angeheuert. Schickes Pfund muss ich sagen. Aggressiv und melodiös geht es dann munter weiter: 'Anger Turns To Hate' hat einen leicht skandinavischen Touch und erinnert mich an die zweite Reihe der damaligen Punkrock-Flut - Pridebowl? Irgendwer?

Wer Pate bei 'Again & Again' stand, wird bereits nach wenigen Sekunden klar - selbst die Intonation hat den typischen Rancid-Style inhaliert. Ein schönes Tribut an die Band aus Berkeley und gleichzeitig ein wahrer Tanzboden-Füller. Danach folgen wieder zwei Tracks, die kurz und bündig alles in die Waagschale werfen und mit dem richtigen Händchen für Tempo vs. Melodie arbeiten ('No Matter, Who Cares?' & 'Get Up! Face Up! Fight!'). Man könnte vermuten, dass dies bei Good Riddance ebenso gut funktionieren würde. Zwinker-Smiley.

Dass ANGRY YOUTH ELITE die besten Zutaten aus allen Dekaden und Punkrock-Destinationen zusammenwerfen und ihr ganz eigenes Süppchen kochen, müsste jetzt Jedem klar geworden sein. Der nächste Hit (hört auf den Namen 'Strong Company') biegt nämlich schon um die Ecke und punktet mit großartigen Chören und einem leichten Boston-Charme (Street Dogs, The Ducky Boys). Als weitere Referenzen wären dann noch The Bouncing Souls ('The Pack') und Anti-Flag ('A Rebel Song') zu nennen.

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Angry Youth Elite Photo courtesy of AngryYouthElite

ANGRY YOUH ELITE haben mit "Ready! Set! No!" ein Album hingezaubert, welches gar nicht erst versucht, den Einfluss der 90er/frühen 2000er-Punkrock-Jahre zu verhehlen. Und gerade das macht das Album so verdammt unterhaltsam - es ist, als wenn man eine Epitaph-Best-Of-Compilation hört von unveröffentlichten Songs der großen Namen. Gleichzeitig möchte ich ANGRY YOUTH ELITE die Kreativität nicht absprechen, denn "Ready! Set! No!" strotzt vor Hits und dürfte trotz Innovationsverweigerung in meinen persönlichen Top 20 des Jahres auftauchen. Ich fühle mich beim Hören des Albums losgelöst von stressigen Momenten und kann die Refrains befreit mitgröhlen - das gibt mir ein gutes Gefühl und das soll Musik meiner Meinung nach auch erreichen. Von daher: Danke, Jungs!

Album-VÖ: 25.05.2018