(Uncle M/ Cargo Records)

Das letzte Mal als Gestromt sich mit DESTINATION ANYWHERE auseinandergesetzt hat, ist mittlerweile acht Jahre her. Damals wurde das zweite Album "Party, Love & Tragedy" besprochen (http://www.gestromt.de/2010/09/09/destinationanywhere-party-love-tragedy/). Seitdem ist einiges passiert - die Jungs haben sich ihren festen Status innerhalb der Szene erarbeitet und gefestigt und können mit "Bomben" bereits das fünfte Werk vermelden.

Im Laufe der Jahre wurde natürlich auch das Songwriting verfeinert und stringenter vorgetragen - was vor einiger Zeit vielleicht noch rumpelig und "leicht neben der Spur" geklungen hat, ist aktuell einer eingängigen Herangehensweise gewichen, die den Songs den notwendigen Punch mitgibt. Der Musikstil lässt sich wohl mit Ska-Punk beschreiben, wobei der Tröteneinsatz eher als Unterstützung fungiert, um den recht straighten Punkrock-Songs das gewisse Etwas mitzugeben und das Tanzbein des geneigten Zuhörers zu stimulieren. Momentan gibt es hierzulande einige großartige Bands, die ihre Message in diesem Genre zum Besten geben: Wisecräcker, Sondaschule, Rantanplan oder The Prosecution seien mal als leuchtende Beispiele genannt. Wenn dann als Referenz noch internationale Kaliber der Marke Less Than Jake oder Mustard Plug ins Feld geführt werden, dürfte klar sein, wohin die Reise mit "Bomben" ungefähr geht.

Sänger David hat dieses gewisse "Crisp" in der Stimme, der Songs wie 'Mode Und Drogen', 'Schwimmen In Vietnam'  oder das mit englischem Chorus verzierte 'Dying Over Here' noch ein Ticken interessanter macht. Die Bläsersektion macht einen fantastischen Job, setzt Akzente an den richtigen Stellen und lässt den Kompositionen genug Raum, um sich zu entfalten. Oft besteht ja die Gefahr, dass der Einsatz des Bläserwerks überproportional eingesetzt wird, was dann Songs schnell nervig werden lässt. DESTINATION ANYWHERE haben den richtigen Mix gefunden und können bisweilen richtig begeisternde Tracks vorweisen. Diese kann ich aber nicht konkret benennen, weil mich immer mal wieder unterschiedliche Songs abholen - ist im Grunde ein gute Zeichen, weil es zeigt, wie homogen und gleichzeitig abwechslungsreich die Gang aus Siegen ist.

Als etwas störend empfinde ich den dumpfen Drum-Sound, der nicht seine volle Power abrufen kann, weil es die Produktion nicht zugelassen hat. Für eine ordentliche Party mit obskuren Tanzmoves reicht "Bomben" allemal und da DESTINATION ANYWHERE nicht verlegen sind, packen sie in ihre Songs sogar noch eine sympathische Message, die sich eindeutig links positioniert und heutzutage so verdammt wichtig ist.

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Destination Anywhere Photo courtesy of Uncle M

DESTINATION ANYWHERE haben das Talent, eingängige Melodien aus dem Ärmel zu schütteln und diese mit Elan und Power so zupackend zu gestalten, dass "Bomben" eines der spannendsten, landessprachlichen (Ska)Punk-Alben in diesem Jahr geworden ist.

Album-VÖ: 25.05.2018