(Spinefarm Records / Universal)

GHOST sind keine Band im klassischen Sinne. GHOST sind Theater. Art-Rock. Und der durch einen Rechtsstreit in 2017 enttarnte Sänger und Bandvorsteher Tobias Forge ist der Dirigent und Intendant hinter diesem höllischen Konzept. Seine Mitmusiker/die Nameless Ghouls austauschbare und weiterhin anonyme Statisten, ja, Angestellte. Dazu sagt das Info:

"Das Ghost-Konzept erlaubt Tobias Forge eine Freiheit, die er unter anderen Umständen nicht genießen könnte. Bis zum heutigen Tage besteht die Live-Besetzung der Band aus stetig wechselnden Studiomusikern, dem aktuellen Line-up mit insgesamt neun Personen gehören auch drei Frauen an. Wer was macht, spielt im Grunde keine Rolle: Die Musikerinnen und Musiker sind sogenannte Nameless Ghouls. Durch die Masken der Belegschaft gibt es keine persönlichkeitsbezogenen Festschreibungen..."

2018 wird eine neue Stufe an Qualität und Coolness gezündet. Eine Kostprobe liefert der einminütige Trailer "Rats On The Strip!":

GHOST machen etwas anders, als alle anderen Bands. Sie erzählen eine Geschichte. Und inszenieren sich, wie kein zweiter Act. Deswegen ist the sky hier nicht the limit, denn GHOST geben momentan so dermaßen viel Gas, man kann es an den Zugriffszahlen der ersten Single 'Rats' des am 1. Juni erscheinenden neuen Albums "Prequelle" ablesen. Der Zähler zeigt 6,9 Millionen Views an! In knapp einem Monat! Krass!  Die Band ziert schon jetzt zahlreiche Cover (Classic Rock, Rock Hard, Metal Hammer UK), wenn "Prequelle" erst draußen ist, werden weitere folgen.

Im kurzen Video zum ersten Gig der "Rats On The Road"-Tour fällt einiges auf. Die Papas, die bislang auf jedem Album gesungen haben (Papa Emeritus I-III) wurden von Sister Imperator und Papa Nil beim Uno spielen (hahaha) durch die Hand von Nameless Ghouls getötet und "ihre Körper" vor der ersten Show aufgebahrt. Zu sehen hier:

Zudem: Wie cool ist das Ankommen der Band? Nonnen auf Harleys begleiten die Stretch-Limo, die die Band, angeführt vom neuen Vorturner Cardinal Copia (natürlich wieder hinter der Maske: Tobias Forge), direkt ans Venue chauffiert, um sofort die Bühne zu entern. Mehr RockNRoll-Lifestyle geht nicht. 

A propos Cardinal Copia: GHOST haben das Erscheinen ihres neuen Sängers und Vorstandes so langsam und für die Fans fast schmerzvoll durchexerziert, dass das Auftauchen des Cardinals (inkl. Ghettoblasters auf der Schulter) fast wirkte, wie ein schlechter Scherz (alle Videos sind auf dem Youtube-Kanal der Band einsehbar), was man an Papa Nils Reaktion auch ablesen konnte. Aber genau das ist der Humor von und hinter GHOST. Sich bloß nicht zu ernst nehmen! Erst war ich etwas enttäuscht vom Cardinal, mittlerweile finde ich den Look aber doch recht evil und weiß zudem durch Interviews, dass sich der Cardinal seine Sporen verdienen kann. Er kann Papa werden und (s)eine Schädelbemalung erhalten. Ob er es schafft, wird der zweijährige Album-Zyklus zeigen, auf jeden Fall ist er der Lehrling seines Meisters, Papa Nil.

Zum Album: "Prequelle" ist das vierte Album der Band, die beiden EPs jetzt mal nicht mitgezählt. Thematisch geht es um das Mittelalter und die Pest. Und man kann schon vorwegnehmen. Es enthält das beste Songmaterial bislang! Es ist das weiße Album (The Beatles) von GHOST oder das schwarze (Metallica), wie man es auch nimmt. Es wird GHOST in den Rock-Olymp katapultieren, ich bin gespannt, wie hoch!

Zum Album: Einige Songs drehten ja schon durch Konzert-Mitschnitte ihre Runden auf Youtube. Nach dem Intro 'Ashes', welches mich mit seinem Kinderreim immer an Korn erinnert, zündet 'Rats' seine Ohrwurm-Qualitäten, die ja schon jeder (auch in Verbindung mit dem irren Tanzvideo mit Verweisen an Michael Jacksons 'Thriller') begutachten konnte. Ein weiterer Song vom Schlage 'Square Hammer' ist damit auf der Habenseite. 

Photo by Mikael Eriksson

'Faith' ist ein eingängiger Stampfer, in der stimmungsvollen Power-Ballade 'See The Light' heißt es "Every Day that you fill me with hate, i grow stronger". Könnte man als Kampfansage an die ehemaligen Mitmusiker verstehen.

Das proggige Instrumental 'Miasma', das sich über Synthies bis zu einem Saxofon-Solo (!) hochschraubt, beendet die erste Albumhälfte, auf der B-Seite (Ja, man hat an alles gedacht) erwartet einen die zweite Single 'Dance Macabre', die mit ihrem poppigen Ohrwurm Marke Abba nie wieder aus dem Ohr herauszuwollen scheint. Unfuckingfassbar, dieser Song. Tobias Forge ist in all den Jahren zu einem Hitlieferanten geworden, wenn man bedenkt, dass er alle Songs alleine schreibt und arrangiert, muss man schon fast Genie im gleichen Atemzug nennen. Das Video zu 'Dance Macabre' wurde übrigens mit zahlreichen bekannten Gesichtern als erstes via Instagram Stories veröffentlicht. Klar, dass man das Konzept auch beim offiziellen Video verfolgte:

Und jetzt mal im Ernst: Wer diesen Song nicht sofort liebt und (in Gedanken) mitsingt, ist emotional und Musikgeschmacks-technisch tot! Das Qualitäts-Prädikat von Phil (Pantera, Down) hätte es da fast nicht gebraucht ("Huge Song, huge song")!

Bei der zweiten Albumhälfte Songs ausfzudröseln, schenke ich mir. Dieses Album möchte entdeckt werden! Alleine und in Ruhe. Das Konzept des gesamten Werkes ist eine schöne Berg und Talfahrt zwischen orchestralem Schwermut und Geraudeaus-Rockern, wunderbar ausgependelt, süchtig machend und mit zahlreichen Verweisen an 40 Jahre Rock und Metal-Geschichte gespickt.

Neben den schon erwähnten Abba zischen Bands wie Kiss, Toto, Blue Oyster Cult, King Diamond, Queen, Led Zeppelin, Tribulation, Roxy Music, Boston undundund am geistigen Auge vorbei. 

"Prequelle" ist ein Meisterwerk, die Höchstnote ist mehr als verdient! Trotz der kurzen Spielzeit. Niemand macht derzeit solche Musik wie GHOST! Ich bin gespannt, wie dieses Album die Rock und Metal-Welt umkrempeln wird! Das Zeug dazu ist mehr als vorhanden.

Album-VÖ: 01.06.2018