(Victory Records/ Soulfood)

Schlimme Erlebnisse in Kunst zu verpacken, um das Erlebte zu verarbeiten ist nicht die neueste Idee, aber für Musiker scheinbar ein probates Mittel, den Schmerz, die Emotionen und das Zurückfinden ins Leben zu thematisieren. Mastermind hinter der "neuen" Band DEAD GIRLS ACADEMY ist Michael Orlando, ehemals bei Vampires Everywhere ein Aktivposten. Gemeinsam mit seinem prominenten (besten) Freund Ronnie Radke (Falling In Reverse, Escape The Fate) wurde dieses Projekt initiiert, um sich selbst vom Ereignis eines beinahe tödlichen Unfalls zu therapieren. Ein paar patente Musiker wurden noch dazugeholt und "Alchemy" eingespielt. Victory Records haben sich das halbe All-Star-Outfit geschnappt und hoffen auf die Zugkraft eines Herrn Radke.

Wenn man die Band-Biographie der beiden Hauptakteure etwas kennt, kann man erahnen, was einen bei "Alchemy" erwarten wird. 'Medicine' startet straight aus der Deckung und bringt schon eine Catchyness mit, die den verbliebenden Emo-Fans Tränen des Glücks in die Augen treibt und das Make-Up ruinieren wird. Zugegebenermaßen ist der Song enorm eingängig und gut zu hören. Wer My Chemical Romance oder die ehemalige Victory-Band Aiden mag, darf auch hier mit der Zunge schnalzen.

'Forever' bringt dann die Liebe zum 80s-Hardrock auf's Tablett und geizt nicht mit großen Gesten. Gesanglich ist das schon ziemlich gut - der Mix aus Emo-Rock, Hair-Metal-Chören und minimalst eingestreuten aggressiven Shouts ist 'ne runde Sache und unterhält. 'No Way Out' haut in die gleiche Kerbe, wirkt aber zum Vorgänger-Track eher beliebig (Eindruck holen...siehe Video). 'I Can't Feel A Thing' ist nichts anderes als eine Powerballade mit den technischen Produktionsmöglichkeiten von heute aufgepimpt. Sehr cheesy und leider etwas ekelhaft.

Ganz coole Mischung gibt 'Everything' her, denn der Mix aus Papa Roach-Heavyness und slicken Hardrock-Gitarren lädt definitiv zum Hüpfen ein und dürfte live ganz gut funktionieren (alternativ: beim Cruisen lässig den Arm aus dem Fahrerfenster hängenlassen, während die Bose-Soundanlage die Nachbarschaft zerpflückt).

Ziemlich gute Songs ('I'll Find A Way', 'Cannibal') wechseln sich mit okayen ('Too Late', 'Far Away') und durchschnittlichen ('Conversations', 'Devil On My Shoulder') ab. Aber es fehlt etwas der große Punch, der dich an "Alchemy" fesseln kann. Allerdings gibt es auch keinen großen Ausfall (außer s.o.), was man DEAD GIRLS ACADEMY zugute halten kann.

"Alchemy" ist ein solides Rock-Album geworden, welches sich in den Genre-Spielarten Goth-Punk, Emo-Rock, Punkrock und leichten Post-Core-Anleihen austobt. Leider verpassen es DEAD GIRLS ACADEMY Hits zu schreiben. Songs, die einen packen und in jede Playlist gehören. So kann man "Alchemy" zwischen die neuen AFI, Falling In Reverse und Creeper einsortieren und irgendwann vergessen.

Album-VÖ: 15.06.2018