(Munich Warehouse/ Cargo Records)

Das zweite Album der Post-Indie-Rock-Alternative-Punk-Tüftler von BLACKOUT PROBLEMS hört auf den prägnanten Namen "Kaos". Die Münchener konnten schon mit ihrem Debüt "Holy" Kritiker und Musikliebhaber begeistern und haben mit ihrer Interpretation genannter Genres das Herz so manchen Menschen erobert. Schön, dass es eine Band aus dem deutschsprachigen Raum schafft, internationalen Flair zu transportieren und sich nicht hinter US-amerikanischen Kollegen verstecken braucht - ja sie sogar mit ihrem Esprit und einer angenehmen Frische übertrumpft. Auch wenn ich das Vorgängeralbum eher durchschnittlich bewertet hatte, konnte es mich im Laufe der folgenden Monate überzeugen.

"Kaos" startet mit dem Song 'How Are You Doing' recht gradlinig. Gern gehörte Make Do And Mend-Harmonien, die es sich im Midtempo gemütlich gemacht haben und der perfekte Start für ein spannendes Werk sein können.

Der Titeltrack folgt und versucht mit sphärischen Gitarrenläufen und zurückhaltenden Gesang eine Dynamik aufzubauen, die sich zum Ende des Songs entlädt. Hier wird zum ersten Mal richtig deutlich, wie BLACKOUT PROBLEMS Musik leben und auskosten wollen. Sie könnten es sich ja auch einfach machen und einen straighten Punkrocker nach dem nächsten raushauen. Die Kunst mit Songs zu begeistern, die nicht offensichtlich auf "Hit getrimmt" sind und den eigenen Anspruch so zu verpacken, dass es nicht zu verkopft und arrogant klingt - diesen Ritt auf der Rasierklinge haben BLACKOUT PROBLEMS mit "Kaos" perfektioniert.

Ob nun 'Difference', der einen sofort am Haken hat oder 'Limit', der sich behutsam aufbaut und eine Energie entwickelt, die unglaublich mitreisst. Das habe ich bisher so direkt nur bei Bestsellern wie Biffy Clyro erleben dürfen. 'Kontrol' atmet Pop, ist aber weit entfernt davon beliebig zu sein. 'Queen' dürfte auch Donots-Fans gefallen, die die englischsprachigen Songs der Ibbenbürener lieben.

Als Ballade könnte man 'Holly' bezeichnen - das wird diesem emotionalen post-rockigen Stück aber nur unzureichend gerecht. BLACKOUT PROBLEMS stülpen ihr Innerstes nach außen und lassen uns daran teilhaben, wie sich die Jungs komplett nackig machen ohne einen Voyeurismus zu bedienen. Sehr nahegehend - stark!

Wenn der vorletzte Track namens 'Gutterfriends' von ertönt, fühlt man sich an The Postal Service erinnert - federleichte elektronische Spielereien umschmeicheln einen tollen Indie-Rock-Song, der sich ab der Mitte des Stücks in einen Sog hineinspielt, den man am liebsten noch minutenlang zuhören möchte. Ich kann sagen: Gänsehaut-erzeugende Musik erreicht mich immer noch.

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Blackout Problems Photo courtesy of Munich Warehouse

Mit dem ebenfalls sehr sphärisch-angehauchten 'Charles' endet "Kaos" zwar ruhig, aber angespannt, da der Spannungsbogen der Komposition jeden Moment einen Ausbruch vermuten lässt und den Zuhörer bis kurz vor knapp auf die Folter spannt. Dann die Erlösung in Form von Elementen zwischen Verzweiflungs-Hardcore und großer Geste.

"Kaos" ist in keiner einzigen Minute langweilig und es gibt soviele Nuancen zu entdecken, dass man BLACKOUT PROBLEMS zu einem absoluten Meisterwerk gratulieren darf. Mir fällt aktuell keine Band hierzulande ein, die ein ähnlich hohes Niveau und die kompositorische Kraft hat, wie der Vierer aus Süddeutschland.

Wer die Chance hat, BLACKOUT PROBLEMS live sehen zu können, sollte sich diese Möglichkeit nicht entgehen lassen, denn auch live entfaltet sich der Sound der Band zu einem wahren Sturm.

Album-VÖ: 15.06.2018