(Laute Helden/SPV)

Bei UNHERZ handelt sich im Groben um Deutschrock der Marke Böhse Onkelz oder auch Frei.Wild. Allerdings erhält man Instrumental einen deutlichen Metalunterbau, der bei den gerade eben genannten Bands eher nicht anzufinden ist. In ihrem nun zehnten Jahr seit Gründung, hauen sie schon das siebte Album raus. "Für Immer" soll dabei das bisher persönlichste Album sein und jedes Stück verarbeitet wohl Themen, die in der Band und deren Umfeld mal passiert sind. Und wer wegen der Vergleiche jetzt sofort wissen will, ob die Band nicht irgendwas mit der rechten Szene am Hut hat, dem kann ich nur sagen, dass ich da keine Ahnung habe. Normalerweise wird einer jeden Band aus diesem Genre ja zumindest was angetextet und als Laie steigt man da kaum mehr durch was man glauben kann und was nicht. Daher betrachte ich die CD mal ganz nüchtern und ohne Vorurteile.

Das 'Intro' ist orchestral und äußerst pompös und lässt das Album ganz anders starten als erwartet. Es geht dann aber fix in 'Ganz Oder Gar Nicht' über und sofort hört man den metallischen Einfluss raus, bis zum Einstieg des Gesangs die Deutschrocknote vollkommen zum Tragen kommt. Textlich ist das Ganze wohl eine Kampfansage an die Kritiker und Eigenmotivation zu gleich. Auf jeden Fall sehr treibend und schnell ins Ohr gehend. Musikalisch kann sich auch 'Narben Im Herz' hören lassen. Deutschrock lebt ja davon, die Masse schnell erschließen zu können - durch eingängige Melodien und Texte die Anecken und so bei den Fans ins Schwarze treffen. Genau diese Formel geht auch hier auf und wird durch tolle Gitarrensoli und die Metalhärte schön aufgewertet. Mit 'Wir Alle' wird quasi die Brücke zum 'Intro' geschlagen, das Pompöse kehrt zurück und sogar ein paar Rufe eines Chors kann man hier vernehmen. Oder mein Gehör täuscht mich und diese vermeintlichen Rufe werden einfach instrumental erzeugt. Ich will dafür meine Hand nicht ins Feuer legen. Auf jeden Fall ist aber ein Klavier dabei und das sorgt für diesen eher orchestralen Touch.

Sehr balladesk kommt 'Mein Glas' daher und wird hauptsächlich von der Akustikgitarre angeleitet und setzt dabei vollends auf die Melodie. Diese ist auch echt wunderschön, allerdings kam sie mir gleich so bekannt vor. Und es mag nur ein Zufall sein, aber sie hört sich einfach verdammt nach The Price of Freedom aus dem Soundtrack von Crisis Core: Final Fantasy VII an. 'Seelenfresser' ist für mich so ein typisches Stück Deutschrockstück. Einen Text mit der Botschaft "Fickt euch ihr Kritiker der Band" und dazu teilweise recht punkig angelegt. Hört sich auch gut an, aber der Text ist mir hier einfach 'ne ganze Nummer zu stumpf.

'Rosen Auf Meinem Sarg' ist da textlich doch schon besser und das Gitarrenspiel gibt dem sonst eher ruhigen Song wenigstens noch etwas Pfeffer mit. Wie ein gutes altes Classic-Rock-Lied beginnt 'Noch Einen Tag' mit ein paar schönen Riffs, aber schon schnell erkennt man die nächste Ballade. Aber auch diese kann sich wieder sehr gut hören lassen und lässt wenig Raum für Kritik offen. Jetzt wird es langsam aber mal wieder Zeit für ein paar mehr Agressionen und deswegen scheppert es bei 'Viel Glück' gleich auch wieder mehr aus den Boxen. Tja textlich ist es aber mal wieder keine Meisterleistung, sondern das typische Lied über falsche Freunde. 'Wir Waren Jung' als wir uns im Irish Pub besoffen habe? Tatsächlich kommt der Song nämlich sehr folkig daher und beschreibt wohl die Anfangszeit der Band. Ein weiterer schöner Beweis dafür, dass die Band musikalisch gesehen sehr abwechslungsreich daher kommt. 'Wahre Liebe' geht nicht so schnell ins Blut, aber rein textlich wirkt es deutlich ausgefeilter als manch anderes Lied auf "Für Immer", auch wenn mir hier persönlich das gewisse Etwas fehlt. Die Balladenfinte zu Beginn von 'Lass Sie Reden' habe ich natürlich sofort durchschaut und war deswegen nicht überrascht, als das Tempo spontan anzog. Inhaltlich kommt es aber leider nicht über das Einmaleins des Deutschrock hinaus, ein bisschen mehr Abwechslung und Feinschliff bei den Thematiken wäre einfach schön gewesen. Das Finale mit dem Titeltrack 'Für Immer' hat dann sogar kaum etwas mit Rockmusik zu tun, sondern erinnert eher an Lagerfeuermusik. Mal keine Arschloch-Attitüde, sondern alles nett und freundlich, wenn sich UNHERZ als stützende Schulter für Fans in Not anbieten. Naja, ein bisschen weniger Schmalz und Kitsch hätten es dann vielleicht doch sein dürfen.

Photo courtesy of Laute Helden

Musikalisch überzeugt "Für Immer" eigentlich fast durchgehend. Es ist abwechslungsreich, die Metalelemente peppen den Deutschrock gut auf und die meisten Stücke gehen sehr schnell ins Blut. Je länger man aber dem Album lauscht, um so öfter werden thematisch recht ähnliche Punkte verarbeitet. Und so wirklich ausgefeilt sind die Lyrics beim besten Willen nicht. Persönliche Ereignisse hin oder her, mehr Abwechslung wäre hier nicht verkehrt gewesen. Wer allerdings Deutschrock Fan ist, wird hier bestens bedient und kann sich das Probehören sparen und sofort zuschlagen. UNHERZ kennen ihre Fans und werden diese ohne Probleme zufrieden stellen können.

Album-VÖ: 29.06.2018