(Bad Omen Records/ Plastic Head/ Soulfood)

Konzeptalben sind mir suspekt. Bestenfalls egal, schlimmstenfalls unsympathisch. Ich kann es nicht begründen, außer dass es mich nervt, einer Geschichte über Albumlänge folgen zu müssen. Wenn die Songs allerdings überzeugend sind, ist mir die Story schnuppe und ich kann die Musik unabhängig von Text-Geschwurbel geniessen - Beispiel: "Seventh Son Of A Seventh Son" von Iron Maiden. Und hier schliesst sich dann auch der Kreis, denn die britischen WYTCH HAZEL nennen Iron Maiden als maßgeblichen Einfluss in Verbindung mit den Rockgrößen der 70er wie Deep Purple, Wishbone Ash oder Thin Lizzy. Dass ihr zweites Album "II-Sojourn" konzeptionell gestaltet ist - geschenkt! Auch das folkloristische Outfit ist meine Sache nicht, aber es soll ja um die songwriterischen Qualitäten gehen.

Auf "II-Sojourn" erwartet euch klassischer NWOBHM, der die Produktionsmöglichkeiten von heute nutzt, um ein angenehmes (fast schon nostalgisches) 80er-Jahre-Gefühl zu erzeugen. Wenn die ersten drei Songs ('The Devil Is Here', 'Save My Life' und 'Still We Fight') durch sind und man die einnehmenden Refrains verinnerlicht hat, die mit feinen Twin-Gitarren eine schöne Power aufbauen, fühlt man sich als Metal-Fan sogleich wohl und zuhause. 'Wait On The Wind' nimmt das Tempo völlig unnötig raus, zumal der Song auch wahrlich kein unbedingtes Highlight darstellt.

'See My Demons' geht dann wieder Richtung headbanging, wobei ich das Gefühl habe, dass trotzdem die Handbremse angezogen ist - als wenn das Quartett zwar will, aber nicht weiß, wie sie den notwendigen Tritt in den Arsch musikalisch hnbekommen sollen. Dudelt leider etwas vor sich hin und wird im Folgenden mit 'Barrow Hill' auch nicht unbedingt besser - die nächste überflüssige Ballade, die ein Ritchie Blackmore nichtmal als B-Seite verwurstet hätte. WYTCH HAZEL lassen zur Mitte der Platte merklich nach und können mit dem instrumentalen 'Chorale' keinen Boden gut machen (auch wenn die Gitarren wieder einige feine Töne zum Besten geben - aber die Dynamik stimmt hinten und vorne nicht).

'Slaves To The Righteousness' und 'Victory' haben zum Glück wieder einen soliden Punch und können den enttäuschenden Mittelteil zwar nicht wettmachen, aber zumindest guten Oldschool-Hardrock präsentieren - und der Sänger hat wirklich eine tolle Stimme. Leicht verstörend (wenn man genau hinhört) sind die Background-Chöre, die irgendwie kirchlich jammernd sind.

Sehr bedauerlich, dass WYTCH HAZEL ihren Vortrag mit einer weiteren überflüssigen Ballade ('Angel Take Me') beenden, die auch noch über sechs Minuten langweilt.

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Wytch Hazel Photo courtesy of Bad Omen Records

Im Großen und Ganzen kann man WYTCH HAZEL einiges an Potential bescheinigen, aber sie schaffen es zu selten ihr Talent in stringente Bahnen zu lenken. So wird viel Können sinnlos verschenkt und macht "II-Sojourn" zu einem Album, welches sich Alles-Sammler in den Plattenschrank stellen könnten. Neue Käuferschichten werden hiermit vermutlich nicht erobert. Aufgrund des relativ starken Beginns, gibt es einen halben Bonus-Blitz.

Album-VÖ: 20.07.2018