(Pirates Press/ Cargo)

THE BAR STOOL PREACHERS kommen aus Brighton/UK und dürften dem ein oder anderen Menschen, der sich für Ska-beeinflussten Punkrock und Street-Punk interessiert, schonmal untergekommen sein. 2016 hat das frische Debüt "Blatant Propaganda" in der Szene für einige Furore gesorgt, was durch die Live-Präsenz beeindruckend untermauert wurde. Nun folgt also der zweite Streich namens "Grazie Governo". Warum die britische Band einen italienischen Albumtitel gewählt hat, ist mir schleierhaft - aber insofern egal, wenn die Musik überzeugt.

Der Titeltrack eröffnet das Album und wird allen Erwartungen gerecht. Irgendwo zwischen Entspanntheit, unterdrückter Wut und Partytauglichkeit ist der Track angesiedelt. Es wird geskankt, der Refrain sitzt wie 'ne Eins und eine Orgel im Hintergrund setzt dem Ganzen die Hit-Krone auf. Wer sich vorstellen kann, dass Rancid und Big D & The Kids Table konspirativ in einem Proberaumkeller hocken und sich gemeinsam einen Song ausdenken - et voilà!

'8.6 Days (All the Broken Hearts)' ist auch so ein Knaller. Schöner Boston-Streetpunk, der mit dem unverwechselbaren Brighton-Akzent einiges an Charme auffahren kann. Geradeaus und ein einnehmender Sing-A-Long - fertig ist der nächste Tanzboden-Füller. 'Warchief' ist etwas hektischer, aber dennoch ein weiterer Beweis, dass THE BAR STOOL PREACHERS ein Händchen für zupackende Melodien haben, die es sich zwischen gesunder Härte und Catchyness bequem machen.

'Choose My Friends' ist offensichtlich der Hit des Albums, da in den Strophen locker ein sonniger Ska-Beat präsentiert wird, um dann Richtung Chorus in schnellen Punkrock àla NOFX umzuschwenken. Nettes Gimmick nebenbei bemerkt: Aimee Interrupter (The Interrupters) besorgt die Gast-Vocals, was dem Song noch einen The Distillers-Vibe mitgibt.

Während 'DLTDHYOTWO' wie dreckige Mad Caddies klingt, die Tröten ihren Job verrichten und der Background-Chor zum Mitgröhlen einlädt, sind Songs wie 'Race Trough Berlin', 'Force Fed' oder 'Drive' tolle Beispiele wie sehr THE BAR STOOL PREACHERS ihren gelungenen Mix aus Punkrock, Ska-Elementen und versteckten Pop-Appeal perfektioniert haben und abwechslungsreiche Kompositionen kreieren, die einiges an Kreativität beweisen. Trotz einigem Anspruch steht der Spass im Vordergrund und macht "Grazie Governo" zu einem kleinen Punkrock-Highlight.

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The Bar Stool Preachers Photo courtesy of Pirates Press

Wenn es noch nicht offensichtlich genug aus der bisherigen Rezension hervorgegangen ist, formuliere ich es mal in einfachen Worten: THE BAR STOOL PREACHERS haben mit "Grazie Governo" einen Podestplatz im aktuellen ska-infizierten Punkrock-Kosmos verdient.

Album-VÖ: 03.08.2018 (digital)/ 24.08.2018 (physisch)