(Oblivion/ SPV)

Um es mal vorweg zu nehmen: Musikalisch sozialisiert bin ich mit Grunge, Hair-Metal, Punkrock und Elvis Presley. Aber es gab Phasen, in denen ich mich auch anderen Genres zuwandte (Hip-Hop oder Death-Metal seien mal als Beispiele genannt). Hauptsächlich aber gitarrenlastig und mit dem richtigen Punch. Deswegen haben mich auch Bands wie God Lives Underwater, Filter, Ministry oder Die Krupps eine zeitlang fasziniert - es war beeindruckend zu hören wie kalt-klinischer Industrial-Metal mit der Eingängigkeit vom Alternative-Rock verknüpft wurde und so manche Hymne hervorgezaubert hat. Aber es war halt nur eine kurze Zeit, in der dieser Sound funktioniert hat.

SULPHER aus London haben mit Rob Holliday einen Frontmann in den Reihen, der als Gitarrist bei Marilyn Manson oder The Prodigy tätig war und seine Version von harter Rockmusik mit Industrial-Akzenten beim neuen Album "No One Will Ever Know" zum Besten geben will.

Hört man den ersten Track völlig unvoreingenommen, drängt sich relativ schnell ein Gefühl von "Kennen" in den Vordergrund. Irgendwie klingt der Gesang und die Songstruktur vertraut - dann macht es "klick" und der Vergleich steht: Hier gibt es die Very-Light-Version von Deftones. SULPHER machen das durchaus gekonnt, allerdings würde ich als Chino Moreno eine Plagiats-Anklage anstreben. Während 'Follow You Down' ein solider Rocker ist, der in den 90er-Jahren sicherlich dem amerikanischen Markt gefallen hätte, ist 'You Threw It All Away' wieder eine Kopie eines Bestsellers - diesmal darf sich Marilyn Manson freuen (?), ein Tribut zu bekommen - etwas rockiger im Gesang, aber sonst...schön nachgemacht!

'Didn't Ever' ist ein komplett sinnfreies Drum & Bass-Instrumental, welches sich über viereinhalb Minuten zieht und jeglichen Spannungsaufbau zerstört, wobei es im nachfolgenden 'Nothing' ebenso unstrukturiert und öde weitergeht - hier ist der Name des Songtitels Programm. Und als wenn das nicht schon genug Qual gewesen wäre, folgt direkt im Anschluss mit 'Tomorrow' auch noch drei Minuten Gejammer mit hochtönender Stimme, Streichern und sphärischen Klängen. Grausam!

Der letzte Track hört auf den Titel 'Feels Like The End', was zum Einen Erlösung für den Hörer bedeutet, aber überraschenderweise der beste Song der Platte ist. Straight-rockend, ohne sich mit viel Firlefanz aufzuhalten.

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Sulpher Photo courtesy of Oblivion Records

"No One Will Ever Know" ist ein langweiliges Album, welches alles was vor über 20 Jahren mal kurzzeitig angesagt war, wieder aufwärmt und neu serviert. Allerdings fehlen die Zutaten, um aus dem Potpourri irgendwas Interessantes herauszuholen. Bei nur zwei ganz okayen Songs, ist die Bewertung dementsprechend ausgefallen.

Album-VÖ: 31.08.2018