(Big Scary Monsters/Alive/The Orchard)

Wann immer man einen runden Geburtstag feiert, ist das auch Grund, innezuhalten, zurückzublicken und sich zu fragen, wie es weiter gehen soll. So oder so ähnlich dürfte es zuletzt auch den Jungs von WE WERE PROMISED JETPACKS gegangen sein. Immerhin haben die vier Schotten einst als Schülerband begonnen, konnten sich nach inzwischen fast 15 Jahren Bandhistorie und drei Alben fest in der Welt des Indie-Rock etablieren und haben unterwegs allesamt das dreißigste Lebensjahr vollendet. Anlass genug also, sich auf dem Weg zu Album Nummer vier in eine kleine Sinnkrise zu stürzen.

So kommt es, dass mit "The More I Sleep The Less I Dream" jetzt streng genommen nicht das vierte sondern gewissermaßen das fünfte Album von WE WERE PROMISED JETPACKS vorliegt. Ursprünglich hatte man schon Material für ein komplettes Album geschrieben, war mit den Songs aber unzufrieden. Zu sehr um Eingängigkeit bemüht wirkten die Ergebnisse dieses ersten Songwriting-Durchgangs und wollten damit einfach nicht so recht zur Band-Identität passen. Davon, dass der Sound von WE WERE PROMISED JETPACKS schon seit jeher eher auf der sperrigen Seite zu verorten ist, zeugt ja schon der Bandname selbst, auch wenn Indie-Lieblinge wie Someone Still Loves You Boris Yeltsin oder Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs den natürlich noch toppen können.

Letztlich entschied sich die Band dazu, unter der Prämisse „Zurück zum Wir“ noch einmal ganz neu durchzustarten. Nicht der Befriedigung fremder Erwartungen sondern ganz dem eigenen Instinkt sollte das Songwriting im zweiten Anlauf folgen. Personell war man nach dem Abgang von Gitarrist und Keyboarder Stuart McGachan wieder zur ursprünglichen Besetzung zurückgekehrt. Für die Produktion holte man sich Jonathan Lowe (unter anderen The National und The War on Drugs) ins Studio und entschied sich, die neu geschriebenen Songs dieses Mal in den USA aufzunehmen.

Stilistisch zeigt sich "The More I Sleep The Less I Dream" im Ergebnis als konsequente Fortsetzung der bisherigen Diskographie – insbesondere des direkten Vorgängers "Unravelling" (2014). Der Opener 'Impossible' baut zunächst langsam Spannung auf, die sich dann im zweiten Track 'In Light' entlädt. Mit 'Someone Else’s Problem', 'Make It Easier' und vor allem der melodiösen ersten Vorab-Single 'Hanging In' geht es dann erst einmal etwas ruhiger weiter.


Das sphärischen Instumental 'Improbable' markiert die Mitte zwischen den beiden Albumhälften, bevor das Tempo mit 'When I Know More' wieder etwas anzieht, um mit 'Not Wanted' gleich wieder zu einem der ruhigsten Momente des Albums überzuleiten.

Die zweite Vorab-Single 'Repeating Patterns' macht den Höre dann wieder munter und leitet in den abschließenden in den schwermütigen Titeltrack über – Kostprobe: „Oh my word / I’m nothing but a curse”.


Die eingangs angesprochene Sinnkrise dürften WE WERE PROMISED JETPACKS erfolgreich gemeistert haben. Nun bleiben uns die verworfenen Songs zwar vorenthalten, aber das Innehalten und die Neuausrichtung im Songwriting-Prozess scheinen sich gelohnt zu haben. Letztlich ist mit "The More I Sleep The Less I Dream" ein dichtes Werk entstanden, dem man ruhig mehrere Hördurchgänge gönnen sollte. Die Hintergrundmusik für die nächste Poolparty sucht man hier allerdings vergebens. In der gedämpften bis melancholischen Grundstimmung des Albums macht sich halt doch wieder der Einfluss des so oft von der Band als Grundinspiration für ihre Musik zitierten schottischen Wetters bemerkbar.

Wer sich davon überzeugen möchte, dass WE WERE PROMISED JETPACKS auch eine hervorragende Liveband sind, hat dazu auf der anstehenden Europatour Gelegenheit:

22.11.2018: Rotondes, Luxembourg (L)
23.11.2018: Molotow, Hamburg (DE)
24.11.2018: Lido, Berlin (DE)
26.11.2018: Chelsea, Wien (AT)
27.11.2018: Orpheum, Graz (AT)
28.11.2018: Muffatwerk Ampere, München (DE)
29.11.2018: Kulturhaus Karlstorbahnhof, Heidelberg (DE)
30.11.2018: Luxor, Küln (DE)
01.12.2018:Bitterzoet, Amsterdam (NL)

Album-VÖ: 14.09.2018