(Redfield Records)

Mit ihrem ersten Album haben sich THE PARIAH auf die Suche nach nichts geringerem als der Wahrheit gemacht - und sie nicht gefunden. Der Weg hin zu dieser niederschmetternden Erkenntnis ist allerdings brutal ehrlich, mitreißend und für den Hörer bis zur letzten Sekunde eine intensive Erfahrung. Aber dass man von THE PARIAH nichts als Aufrichtigkeit und Authentizität erwarten kann, daran bestand und besteht kein Zweifel.

Jetzt ist "No Truth" bereits einige Tage zu hören und die Dringlichkeit die dieses Werk versprüht scheint nicht abzuebben. Bereits der Opener nimmt sich keine Zeit sondern kanalisiert seine Wut in einem knapp einminütigem Hardcore-Gewitter. Welch ein Auftakt.

'Monolith' behält direkt die Schippe in der Hand und arbeitet unablässig weiter am Melodic Hardcore Sound der Band, welcher in der ersten Albumhälfte deutlich mehr wert auf Hardcore als auf Melodic legt. Die Songs funktionieren dennoch sehr gut und auch Sänger und Frontmann Begemann kann man ungewöhnlich gut verstehen für eine Hardcore Platte. Und das ist auch gut so, denn THE PARIAH haben was zu sagen, sind politisch und reflektiert, wie man an ihrem veröffentlichtem Statement zur Single 'Regression' erkennen kann:

"Was vor einigen Jahren noch überrascht als Rechtsruck diagnostiziert wurde, ist inzwischen in einen Zustand der Normalität übergegangen, der uns ungläubig auf die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit blicken lässt. Es erinnert uns an eine nicht mehr ganz so junge Vergangenheit, die die meisten von uns nur aus der Schule oder aus Erzählungen ihrer Großeltern kennen.

Es kann nicht sein, dass während die letzten Zeitzeugen eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte langsam aber sicher immer weniger werden, sich bereits ein neuer Schatten aus Hass und Angst über die Straßen legt. Wir können nur mutmaßen, was in den Köpfen der geifernden Massen vorgeht, die aufgepeitscht durch nationalistische Gefühle ihre Runden durch die Innenstädte drehen. Wir können uns aber sicher sein, dass es Leute gibt, die sich diese fehlgeleitete Angst und Unzufriedenheit zunutze machen um an Macht zu gewinnen. Wer blind vor Hass ist, sieht nicht unbedingt wem er folgt. 

Und so werden langsam die Grenzen dessen ausgelotet, was „man ja wohl noch sagen darf" und Stück für Stück wird eine erschreckend große Masse toleranter gegenüber Aussagen die schlichtweg rassistisch, fremdenfeindlich, antisemitisch oder generell entwürdigend gegenüber den Adressaten sind. Von den diversen Gewalt- und Morddrohungen, wie sie in den Kommentarspalten der einschlägigen sozialen Medien Gang und Gäbe sind ganz zu schweigen. Wir werden das Gefühl nicht los, dass es kurz vor Zwölf, oder besser gesagt kurz vor Dreiunddreißig ist.

Wir wissen, dass ihr das alles schon mehrmals gelesen, gehört und diskutiert habt, deswegen möchten wir uns an dieser Stelle auf die Kernaussage von "Regression" konzentrieren: 

Es ist unfassbar wichtig, dass genau das oben beschriebene Verhalten NICHT zur Normalität wird! 

Lasst Leute in eurem direkten Umfeld nicht mit ihrer Scheisse davonkommen! Wer sich in irgendeiner Art fragwürdig äußert MUSS damit konfrontiert werden! Das ist das Mindeste - und es gibt genug Orte an denen sich viele solcher Gelegenheiten bieten. Wenn ihr also das nächste Mal in einer Kneipe, auf einer Familienfeier, auf einer Party seid und ihr hört jemanden derartigen Schwachsinn verzapfen, stellt für eine Sekunde euer verdammtes Bier beiseite und macht die Person auf ihr Verhalten aufmerksam!

So viel sollte für unsere Liebe zur Demokratie und Toleranz drin sein.

Wir Danken Tobias Rische von ALAZKA für seine tatkräftige Unterstützung in diesem Song, ebenso Mirko Witzki Graphics und Embark Audio, die unsere Message unserer Meinung nach sehr passend in Bild und Ton umgesetzt haben.

The Pariah"

'Regression' gehört neben 'Hollow At Heart' und 'Silent Birds' mit zu den absoluten Fixpunkten des Albums. Eine Einschätzung die eventuell von der Band geteilt wird, schließlich sind beide Songs als Singles ausgewählt worden. Auf jeden Fall eine geschmackssichere Wahl.

 

Wer sich jetzt immer noch nicht sicher ist, ob das was für ihn ist, dem empfehle ich noch den Track 'Dissemble', welcher nicht nur ordentlich Arschtritte verteilt, sondern gleichzeitig verdammt catchy klingt.

Da bereits die Debüt EP der Bottroper Jungs sehr gut in der Szene ankam, konnte man vielleicht so etwas wie hemmenden Erwartungsdruck im Entstehungsprozess des Albums befürchten. Dazu ist es glücklicherweise nicht gekommen und THE PARIAH positionieren sich direkt mit ihrem ersten Longplayer als eine wichtige und moderne Band im Genre.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Dissemble'

Album-VÖ: 28.09.2018