(RCA Deutschland/Sony Music)

Die Band EISBRECHER sind so ziemlich mit die Durchstarter in der deutschsprachigen Rockmusik Szene, im Jahr 2003 gegründet, füllten sie seit Anfang dieses Jahrzehnt immer größerere Clubs und inzwischen geht unter Sporthallen eigentlich gar nichts mehr. Bei diesen zwei Gründervätern verwundert das eigentlich gar nicht. Sänger Alexander Wesselsky ist nämlich nicht nur bereits vorher TV Moderator gewesen, sondern natürlich auch Sänger und Gründer der Kultband Megaherz gewesen. Gitarrist Noel Pix, spielte nicht auch nur bei eben dieser Band, sondern ist vor allem aus der RTL2 Anime-Ära ein bekanntes Gesicht. So sang er sehr viele Lieder zu den Animes die auf eben diesem Sender liefen, so ist das erste Lied zur Pokemon TV Serie z.B. von ihm gesungen, aber auch zu Digimon, Dragonball Z und vielen anderen Serien sang er Lieder ein. Alexander Wesselsky hat übrigens auch die deutsche Version des Poke-Raps damals eingesungen und so verbreiteten sich EISBRECHER vor allem in der Animeszene damals recht gut, bevor dann der große Durchbruch zu Beginn dieses Jahrzehnts kam. Nun liegt mit "Ewiges Eis" zum fünfzehnjährigen Jubiläum ein Best-Of-Album vor, welches in sich hat. Verteilt auf zwei CDs erwarten einen satte 38 Lieder. Da ich persönlich bisher kaum Kontakt mit der Band hatte, aber sowohl der Neuen Deutschen Härte, als auch Dark Rock durchaus was abgewinnen kann, dachte ich nun wäre wohl der Zeitpunkt günstig, sich mal an diese doch sehr beliebte Band zu wagen.

Das erste Lied 'Menschenfresser' ist dabei gar nicht von einer vorherigen Veröffentlichung, sondern ein komplett neues Stück. Wobei wirklich neu ist es auch nicht, denn es handelt sich um ein Coversong eines Rio Reiser Liedes aus dem Jahr 1986. Textlich und selbst musikalisch bot sich dieses Lied natürlich für ein NDH Cover an und so macht es auch in dieser neuen Fassung eine gute Figur. 'Was ist hier los?', 'Das Gesetz' und 'Wo geht der Teufel hin?' stammen allesamt vom aktuellen Album "Sturmfahrt" und sind somit grade mal ein Jahr alt. Der erste Song aus dieser Reihe reißt mich nicht wirklich mit und 'Das Gesetz' erinnert schon etwas mehr an Rammstein, ohne aber dessen Klasse zu erreichen, dafür aber deutlich poppiger und massenkompatibler als eben diese. Beim Abschlusslied dieser Reihe handelt es sich um eine gefühlvolle Ballade, die für Fans des Dark Rock sehr gut gelungen ist. Das nächste Dreierpack stammt vom 2015er Album "Schock" und '1000 Narben' bildet dort den Einstieg, findet dabei aber nicht wirklich den Weg in meinen Gehörgang. 'Rot wie die Liebe' ist eher ein Stück aus der schwarzen Szene und kommt ruhig und elektronisch daher. Hier bin ich leider eher nicht die Zielgruppe und kann nur mit den Achseln zucken. Bei 'Zwischen Uns' darf die schweizer Sängerin Mia Aegerter mitmachen und das Teil geht echt super ins Ohr. Wirklich eines Best-Of würdig und in meinen Augen den anderen Beiträgen bisher um Meilen voraus. Nun geht es mit dem 2012er Album "Die Hölle muss warten" weiter und der 'Prototyp' ist das erste Lied aus dieser Riege und erinnert mich textlich eher an das kleine Einmaleins der Neuen Deutschen Härte und wirkt damit etwas schwach. 'Verrückt' gefällt mir da gleich deutlich besser, weil es schneller daherkommt und die Popelemente sehr gut einbaut. 'Die Hölle muss warten' ist dann mal wieder eine Ballade und kommt recht gut rüber, wenn sie auch nicht vollends zu begeistern weiß.

Comic by Ksenia Erebusodora Golubkova

Vom 2010er Album "Eiszeit" sind dann mit dem Titeltrack und 'Amok' nur noch zwei Lieder vertreten. Beide Stücke gehen noch deutlich mehr in die Industrial Richtung, und wirken somit komplett anders als die Vorgänger. Grade letzteres ist leider unglaublich stumpf und finde ich sehr enttäuschend. Im Jahr 2008 erschien die CD "Sünde" und davon gibt es 'Kann denn Liebe Sünde sein?' zu dem ich nichts weiter zu sagen habe und 'This is Deutsch', welches gezielt Vorurteile über Deutsche auf die Schippe nimmt und sehr stark an die Band Kraftwerk erinnert. Die zwei Tracks von "Antikörper" aus dem Jahr 2006, kommen in meinen Ohren heutzutage wirklich etwas altbacken daher. Wobei 'Vergissmeinnicht' deutlich besser rüberkommt, als 'Leider', welches wie eine B-Seite von Rammstein daher kommt. Nun sind wir schon im Jahr 2004 angekommen und befinden uns auf dem Debütalbum "Eisbrecher". Es handelt sich hierbei  auch um die Orginalaufnahmen und so kommen die Songs 'Schwarze Witwe' und 'Willkommen im Nichts' noch sehr drucklos daher und grade vom erstgenannten gibt es eine deutlich bessere Version auf der zweiten CD. Es folgt ein Livemitschnitt des Gassenhauers 'Himmel, Arsch und Zwirn', wo man dann perfekt hört, wie die Menge zu diesem abgeht. Das Lied an sich gefällt mir persönlich aber weniger. Mit 'Miststück 2012' covert man den Megaherz Song von 1999 und damit sich quasi selber. Der Text ist der für die Szene typisch und in Zeiten der MeToo-Bewegung in den USA sicherlich nicht mehr tragbar.

Auf der zweiten CD finden sich dann noch weitere 18 Lieder. Hierbei handelt es sich dann aber um Raritäten, Neuaufnahmen und auch Remixe. Grade mit Remixen kann ich ja mal leider so gar nichts anfangen und so finde ich sie auch hier einfach nur schrecklich. Die Raritäten können sich aber hören lassen und stehen dem Hauptalbum in Nichts nach. Teilweise handelt es sich sogar um richtige Knüller, wie z.B. 'Süßwasserfisch'. Somit entsteht ein echt dickes Paket welches man dort für sein Geld kriegt.

Die erste CD ist anscheinend wirklich eher für Neueinsteiger wie mich gedacht, aber dank der zweiten CD und den Sondereditionen in denen "Ewiges Eis" erscheint u.a. ein Hardcoverbook und eine Fan Box mit vielen Extras, lohnt sich das Album auch für Fans. Mit 38 Liedern kriegt man auch wirklich viel Material für sein Geld geboten. Da kann man echt nicht meckern und hoffen dass auch Best-Of CDs von anderen Bands mal so üppig ausfallen würden.

Aber was halte ich denn nun von der CD, die für mich den Einstieg in die Welt von EISBRECHER dargestellt hat? Für eine Best-Of Sammlung finde ich die Hitdichte tatsächlich relativ gering und viele Lieder erinnern mich an Stücke von anderen Bands, die ich schonmal in einer besseren Form gehört habe. Viele NDH und Dark Rock Bands die es gibt und längst noch nicht den Erfolg von EISBRECHER haben, machen in meinen Augen aber eine bessere Arbeit. Denn grade was die Texte angeht, finde ich das alles hier noch verbesserungswürdig. Ich verstehe aber auch, dass man grade mit der Mischung aus NDH, Pop und Industrial eine große Fanbasis sich erschließen konnte. Mir persönlich fehlt hier einfach das letzte Quäntchen Besonderheit, um sich gekonnt von der Konkurrenz abzuheben. Wer wie ich rausfinden will, ob diese Band etwas für ihn ist, macht mit "Ewiges Eis" aber definitiv nichts falsch.

Album-VÖ: 05.10.2018