(Nuclear Blast)

Vor gut 10 Jahren haben sich RISE OF THE NORTHSTAR gegründet und außer Sänger Vithia, ist niemand von der Urbesetzung mehr dabei. Man nahm dann ein Album komplett alleine und ohne Label auf und tourte als erstes gleich mal durch Japan. Warum Japan? Na ja der Name der Band leitet sich nicht nur aus Spaß vom japanischen Kultmanga Fist of the Northstar ab. So behandeln auch die Texte typsiche japanische Themen und alle Musikvideos gibt es mit japanischen Untertiteln. Musikalisch spielt man dabei puren Crossover also die Mischung aus brachialem Metal und Rapgesang. Das erinnert an eine längst vergangene Zeit und nachdem im Jahr 2014 das Debütalbum "Welcame" auf dem letzten Drücker doch bei Nuclear Blast eine Heimat gefunden hat, erscheint genau dort mit "The Legacy of Shi" auch endlich der zweite Langspieler.

Erzählt wird hier übrigens die Geschichte des Samurai Shi und dieser wird in 'The Awakening' zuerst von einer japanischen Frauenstimme eingeführt und es erklingen japanische Trommeln und Glockenklänge. Aber schon im letzten Drittel knallt es dann ordentlich bevor es heißt 'Here Comes the Boom'. Schon hier macht sich der Unterschied zum Vorgänger bemerkbar, der Sound ist sowas von klar und druckvoll wie nie zuvor. Wurde das Album doch auch produziert und aufgenommen von Joe Duplantier von Gojira. Da macht sich die Frankreich-Connection doch gleich positiv bemerkbar. Direkt heraustechen tun auch die neuen französischen Gesangsteile, die meiner Meinung nach sehr gut in das Gesamtbild passen. Der Beginn von 'Nekketsu' wird die Massen auf kommenden Konzerten sicherlich zum Kochen bringen. Fordert Vithia doch hier vehement "Get Up!". Geiler Rap, trifft hier dann auch Blastbeats und ein grooviges Gitarrensolo. Echt eine super Mischung, die schön aus dem Einheitsbrei hervorsticht. Deutlich langsamer, aber dafür düsterer geht es mit 'Kozo' weiter. Wenn sich hier der Dämon und Shi unterhalten kriegt das Ganze eher einen Hörspielcharakter. Das mag sicherlich nicht jedem gefallen und die Elemente der Rap-Musik überwiegen ganz klar.Bei 'Teenage Rage' nehmen die französischen Teile sogar noch einmal zu und zwar so extrem, dass das komplette letzte Drittel nur noch ein Rap in eben dieser Sprache ist. Da fliegen dann alle Metalelemente für die letzten Minuten einfach mal so über Bord. Mit ruhigen Gitarrenklängen werden wir dann in die Welt von 'Step by Step' entführt. Im Gesang hört man hier zu Anfang einen starken französischen Akzent in Vithias Stimme, der sonst gar nicht so massiv auffällt, wenn er etwas härter rapt. Das hier mehr Wert auf Melodie gelegt wird, bringt ordentlich Abwechslung mit sich und grade das Finale mit seinem Text und den klirrenden Gitarren zieht mich immer wieder aufs Neue in seinen Bann.

Photo by Ben Berzerker

'This is Crossover' und deswegen prescht man sofort in bester Thrash-Metal Manier voran, bevor wieder gerapt werden darf. Wie im Lied davor, wird auch hier Einsatz von Backgroundgesang genutzt um eine Zusammenhaltgefühl zu erzeugen. "Wup Wup" macht es zum Beginn von 'Cold Truth' und dementsprechend Hip Hop lastig kommt die ganze Nummer auch daher. Aber hey dafür hören wir ja auch Crossover, oder? Richtig böse ist dafür 'All For One' hier singt der Dämon aus 'Kozo' große Teile und das schlägt sich dann in übelsten Growls nieder. Mit knapp unter drei Minuten ein kurzer Ausflug, aber dafür umso intensiver. Mit dem 'Furyo's Day' nähert man sich dann langsam aber sicher schon dem Ende an. Wieder sehr viel Französisch dabei und eher langsamer, eine Mischung die für dieses Album leider nicht ganz so neu ist. Der Refrain von 'The Legacy of Shi' trifft dafür zum Glück nochmal voll ins Schwarze und die Blastbeasts bringen noch mal eine gesunde Härte mit ins Spiel.

Ohne Frage, das Warten auf das neue Album hat sich wirklich gelohnt und der Wechsel auf die Muttersprache von Vithia ist eine schöne Idee. Dabei fällt aber auch auf, dass fast alle Songs sich in eins von zwei Mustern einteilen lassen. Entweder sie sind agressiv und schnell oder langsam und düster. Ein bisschen mehr Abwechslung im Songwriting wäre hier gut gewesen. Und so sehr mich das Album auch mitreißt, die Hitdichte auf "Welcame" war da doch höher. Dafür macht die geniale Produktion wieder viel wett, da liegen wirklich Welten zwischen damals und heute. Man sollte sich aber auch bewusst sein, dass die Hip Hop Anteile des Crossovers, zum Vorgänger noch mal stark angestiegen sind.

Es ist und bleibt eine verrückte Mischung, französischer Crossover, der sich thematisch aber nur mit Japan befasst. Live sind die Jungs übrigens der Oberhammer und so kann man nur hoffen, dass es nun zu "The Legacy of Shi" auch wieder eine Tour durch Deutschland geben wird.

Anspieltipps: 'Nekketsu', 'Step by Step'

Album-VÖ: 19.10.2018