(Spinefarm Records / Universal Music)

ATREYU’s Weg verfolge ich gebannt seit dem ersten Album. Die Band, seit vielen Jahren stabil bestehend aus Alex Varkatzas [vocals], Brandon Saller [drums/vocals], “BIG” Dan Jacobs [guitar], Travis Miguel [guitar], and Porter McKnight [bass] formierte sich 1999 in Süd-Kalifornien. Nach dem 2002er Debüt "Suicide Notes and Butterfly Kisses" schlug der 2004er-Nachfolger "The Curse" in der Szene ein und verkaufte über 450.000 Einheiten. Die Band wurde global bekannt, es folgten die Alben "A Deathgrip on Yesterday" (2006) und "Lead Sails Paper Anchor" (2007), welche beide in die Top 10 der Billboard Top 200 einstiegen, letzteres sogar mit einer Goldauszeichnung der RIAA. Nach dem 2009er "Congregation of the Damned" legte die Band eine Pause ein und kehrte mit dem 2015er Werk "Long Live" zur Musik der Anfangstage zurück. Das Album enterte die Top 30 der Billboard Top 200, mit Auszeichnungen vom Revolver, Loudwire, AXS, und Kerrang!, die “a hell of a return” attestierten. Auf der Bühne stand die Band mit so ziemlich jedem Big Player, von Slipknot über Linkin Park bis hin zu Chris Cornell und Avenged Sevenfold.

Dreh- und Angelpunkt von ATREYU 2018 ist die Platte "Lead Sails Paper Anchor". Über zehn Jahre nach diesem Erfolgsalbum arbeitete die Band für ihre neuen Platte "In Our Wake" erstmals wieder mit Produzent John Feldmann zusammen. Dazu Brandon Saller: "Unser letztes Album 'Long Live' orientierte sich mit seinem sehr harten Sound stark an unsere Anfangsphase als Band. Als wir dann mit diesem Album tourten, baten uns mehr und mehr Fans, doch wieder mehr Songs vom 'Lead Sails Paper Anchor'-Album zu spielen. Das katapultierte uns plötzlich wieder in diese Zeit zurück und wir haben uns wieder stärker mit dieser Phase unserer Laufbahn befasst. Wir wollten wieder Dinge ausprobieren, experimentieren und der Soundpalette harter Musik wieder neue Facetten zufügen. Also haben wir uns wieder bei Feldmann gemeldet".

Dieser erneute Schulterschluss hat auch zum gewünschten Resultat geführt, das neue Album ist stilistisch so breitgefächert, wie es in der Karriere der Band bislang noch nie vorgekommen ist. Man schrieb (bis auf zwei Ausnahmen) alle Songs im Studio, teilte sich in Gruppen auf und lieferte jeden Tag neue Ideen. Das hört man definitiv mit jedem Song.

Das englischsprachige Info-Blatt zitiert Alex Varkatzas: “We want to give listeners an experience. Every track functions as its own moment. There’s something that you can hopefully come back and listen to again and again.”

Photo courtesy of Spinefarm Records

Kann ich unterschreiben. Absolut variabel und durch sämtliche Härtegrade reitend, die die Band bislang aufgefahren hat, wildern ATREYU in diversen Stilen und Stimmungen. Neider würden jetzt sagen, dass das letzte Album nicht gefruchtet hat und die Band deswegen eingängiger wird. Sei's drum, solange solche Perlen dabei herauskommen, wie der Titelsong, wäre auch das legitim.

Brandon Saller holt etwas weiter aus: “I feel like this is the record that people will remember our band by. I’m saying that because the best parts of Atreyu happened on it. We’re continuing something we began a long time ago. This band means everything to me. We’ve been through incredible highs and incredible lows. We’ve loved each other, and we’ve wanted to kill each other. Somehow, twenty years later ,it’s reached a whole new level. I feel like we’re alive, and Atreyu has never been more on fire than we are now.”

Die erste, gleichnamige Single ist übrigens stark beeinflusst von den Toden von Chris Cornell und Chester Bennington. Sänger Alex Varkatzas dazu: "Der Song ist sehr deep, wir haben zu ihren Lebzeiten sehr zu Chris Cornell und Chester Bennington aufgesehen. Wir haben den Song 'In Our Wake' kurz nach ihren Toden geschrieben. Wir haben uns die Frage gestellt, 'was werden wir hinterlassen?'. Wir haben es selbst in der Hand das Leben anderer in einer positiven Art und Weise zu verändern, wenn wir ihnen was Gutes dalassen".

ATREYU haben eine wirkungsvolle Waffe in ihren Reihen, diese ist Brandon Saller. Egal, wie banal das Songmaterial zunächst 2018 klingen mag ('House Of Gold'), Saller veredelt alles mit seinem charakteristischen Cleangesang. Wenn bei 'The Time Is Now' seine Stimme förmlich emporsteigt... Gänsehaut! Das ist Stadion-Rock! Ich habe mal bei Fall Out Boy gesagt, dass Patrick Stump auch gern die Zutatenliste von Waschmittelpackungen absingen könnte, ich würde es feiern! Ebenso verhält es sich bei Saller. Der Mann gehört zu den Top-Sängern der Rock und Metal-Zunft. Wo wir schon bei den oberen Zehntausend sind: 'Super Hero' fährt M. Shadows von Avenged Sevenfold und Aaron Gillespie von Underoath auf. Wow! Die Vision von “Atreyu meets Queen meets Disneyland meets E.L.O.” kommt mit Hörner und Flöten, als wäre es das Normalste der Welt.

Mein Highlight: Der High Energy-Rocker 'Nothing Will Ever Change'... Gnadenlos catchy mit einem raketenmäßigen Ohrwurm! Und 'Safety Pin', bei dem man sich auf der Hälfte des Albums fragt, wie viel Spielfreude man beim Schreiben und Einspielen haben kann und wie viele geile Songs die Jungs noch so raushauen können. 

ATREYU zementieren mit diesem Album ein neues Fundament, welches sicherlich noch einige Alben halten dürfte. Ich bin gespannt, was von dieser Band noch so kommen mag.

Album-VÖ: 12.10.2018