Sonntagabends in Hannover ist für viele Bands oftmals ein schwieriges Unterfangen. Wochenendkater, Spätsommerblues oder einfach der Tatort am Abend hindern den geneigten Konzertgänger oft daran den Hintern von der Couch zu bekommen. Nicht so an diesem Abend. Während nebenan im Capitol Blackberry Smoke vor einem sehr gut gefüllten Haus ihren Deutschland-Tournee Abschluss feiern, können sich auch ALL THE LUCK IN THE WORLD nicht über einen mangelnden Zuschauerzuspruch eine Tür weiter beschweren. Das LUX zeigt sich gut gefüllt und die Zuschauerschar besteht aus überwiegend jungen, weiblichen und äußerst aufmerksamen Konzertbesuchern. Bevor jedoch die irischen Songwriter Neil Foot, Ben Connolly und Kelvin Barr, welche mittlerweile in Berlin ihre zweite Heimat gefunden haben, die Bühne betreten dürfen, versuchen PROVINZ aus Ravensburg der Menge einzuheizen. Das das „Einheizen“ in diesem Falle ein schwieriges Projekt darstellt, merkt Keyboarder Robin spätestens in dem Moment als er das Publikum euphorisch fragt: „Freut Ihr euch schon auf ALL THE LUCK IN THE WORLD?“ und als Antwort lediglich einen mitleidserregenden Applaus aus den ersten Reihen erhält. Puh, schwieriges Publikum. Dennoch macht die Band ihre Sache wirklich gut. Ihr deutschsprachiger Singer/Songwriter Pop besitzt einen sehr prägnanten Piano-Sound, die Songs sind allesamt sehr melodieverliebt und anscheinend teils auch noch in einem Findungsprozess, so dass manche Titel noch nicht einmal einen finalen Namen haben, wie z.B. der zunächst so betitelte Song 'Was Uns High Macht'. Daneben sticht der Song 'Zu Jung' hervor, welcher so etwas wie der Hit der Band ist, wenn man das überhaupt so formulieren kann. Schaut man auf die Tourdaten der Band, dann befindet sich ihre Bandkarriere momentan wohl in der sogenannten Crunch-Time. Support-Slots bei Kim Churchill, Klan und eben ALL THE LUCK IN THE WORLD stehen derzeit auf der Agenda. Wir drücken die Daumen, die Band wirkt von grundauf symphatisch und hat ein breiteres Publikum verdient.

Den Karriereschritt den PROVINZ erst noch gehen müssen, haben ALL THE LUCK IN THE WORLD spätestens 2013 mit dem Song 'Never' genommen, der vom Reiseanbieter Trivago für einen recht erfolgreichen TV-Spot eingesetzt wurde. Der Song findet sich natürlich auch an diesem Abend in der Setlist, jedoch wird er nicht sonderlich überhöht präsentiert. Er erklingt einfach in der Mitte des Sets, ohne besondere Ansage oder sonstigem Schnick-Schnack. Ohnehin gibt sich die Band äußerst wortkarg und stellt vor allem den intimen Sound ihres Alternative-Folks ins Zentrum. Das Publikum gibt sich dabei höflich zurückhaltend und klatscht jeweils artig zum Songende Applaus. Es gibt keine Mitsingparts, keine Animationen und maximal drei Ansagen über die Konzertdauer von knapp 75 Minuten. Klar, man besucht kein Konzert von ALL THE LUCK IN THE WORLD weil man dort eine ausgelassene Partystimmung erwartet, aber irgendwie wurde ich an diesem Abend den Eindruck nicht los, dass zumindest der hauptamtliche Leadsänger Neil Foot, seine Zeit lieber anders verbracht hätte. Aber vielleicht ist er aber auch nur über alle Maßen introvertiert. Über Sound und Klang kann man an diesem Abend jedenfalls nicht meckern und auch die Setlist (15 Tracks) enthält alle wichtigen Songs der Band. Unterm Strich Musik für die Seele und sicherlich besser als der Tatort auf der Couch.

All Photos by Marc Erdbrügger