(I.Corrupt.Records)

DRIP-FED stammen aus Austin und haben mit ihrem selbstbetitelten Album sowas wie die Überraschungstüte des Jahres dabei. Wieso, weshalb, warum? Unsere Kritik kann vielleicht aufklären und euch für DRIP-FED begeistern oder zumindest interessieren.

Wenn die Promoabteilung Vergleiche mit Fucked Up, Black Flag (!) oder Minor Threat (!!) heranzieht, ist der geneigte Hörer erstmal skeptisch und wird eventuell aufgrund dieser Referenzen lächelnd abwinken - denn welche Band lässt sich schon mit solchen Legenden des Hardcore(-Punks) auf eine Stufe stellen? Nach mehrmaligen Anhören der Platte kann ich behaupten, dass DRIP-FED durchaus das Zeug dafür haben, in die Fußstapfen o.g. Bands zu treten.

Ohne Firlefanz geht es direkt beim Einsteiger 'Tell Me Off' gnadenlos in die Vollen. Hardcore ist das Grundgerüst, welches mit Oldschool-Punk gefestigt wird. Die leicht dissonanten Töne beim Sound unterstützen den wütenden Gesang, der das Wort "clean" durchgehend meidet. Der erste Gedanke war: Touche Amore trifft im Proberaumkeller auf Cancer Bats, um dann gemeinsam eine kleine Session zu performen.

Der groovige Rhythmus von 'Lower Primate' erinnert an die erste The Computers-Scheibe, aber ohne diese zu plagiieren. 'Electric Kool-Aid' wiederum startet leicht rock-getrieben, um ab der Hälfte das Tempo anzuziehen und lupenreinen Hardcore abzuliefern. Auch 'Live And Die In The City' entzieht sich konsequent jeglicher Konventionen und schüsselt chaotisch durch die knapp drei Minuten Laufzeit. Das Erstaunliche ist, dass trotz dem weitestgehenden Verzicht auf Eingängigkeit oder Melodien, die Songs einen immens hohen Wiedererkennungswert besitzen, die es dem geübten Hörer möglich macht, DRIP-FED zu identifizieren.

'Pez' und 'Meat' hauen in die Kerbe, die schon Modern Life Is War oder Go It Alone reingeschlagen haben. DRIP-FED sind mächtig angepisst und vertonen dies in fantastischen Hardcore-Brechern, die wehtun wollen und einem unangekündigten Schwinger in die Magengegend gleichkommen. 'Profit Of God' ist leicht metalisch und dürfte aufgrund ihrer Wut Menschen gefallen, denen damals auch Strain und Despair zugesagt haben.

Jetzt schmeisse ich noch die Namen Cerebral Ballzy ('Phone Tag') und Fucked Up ('Intertwine') in die Runde und jeder Hardcore-affine Mensch ist nun verpflichtet, sich die DRIP-FED-Platte zuzulegen oder zumindest der Band eine Chance einzuräumen. "Drip-Fed" ist ein kreativer Hassbrocken, der nach einiger Zeit etliche Liebhaber finden wird.

Drip_Fed_Photo_courtesy_of_I_Corrupt_Records

Drip Fed Photo courtesy of I Corrupt Records

Für mich sind DRIP-FED bei den jährlichen Best-Of-Kategorien "Entdeckung des Jahres" und "Hardcore-Album des Jahres" ganz weit oben angesiedelt. Hiermit seid ihr herzlich eingeladen, euch den "Nackenbrecher des Jahres" nach Hause zu holen.

Album-VÖ: 26.10.2018