( eONE/SPV)

Aus dem schönen Kanada kommen ROYAL TUSK, die ihr zweites Album folgerichtig "Tusk II" genannt haben. Bei dem Bandnamen hatte ich im ersten Moment (warum auch immer) Assoziationen zu den Genres Stoner oder Sludge. Ich hätte nicht falscher liegen können, denn der erste Song 'First Time' ist gradliniger Rock mit einem Quentchen Classic und einer toughen Produktion, die die jeweiligen Instrumente gut in den Mittelpunkt stellt. Der Drumsound klingt etwas dumpf, als wenn alle scheppernden Momente getilgt worden seien. Für einen Einsteiger ist 'First Time' durchaus geeignet - der Hörer wird mit einem eingängigen Stück neugierig gemacht und lässt sich auf den Rest des Albums ein.

Ab dem zweiten Track 'Aftermath' scheint man zu ahnen, wie der Hase läuft. Wieder wählen ROYAL TUSK den Weg des geringsten Widerstands und kredenzen uns einen soliden Rocksong mit Stadion-Feeling, der er sich nicht nehmen lässt auch noch einen Funken Alternative einzubauen. Ein wenig haben sich ROYAL TUSK scheinbar von den Briten We Are The Ocean, Madina Lake oder Young Guns abgeschaut. Es muss massiv rocken, aber noch so catchy sein, dass man Mainstream-Rock-Hörer nicht als "Laufkundschaft" verschreckt.

Im Promozettel werden Adjektive wie provokativ, nuanciert und mitreissend gebraucht. Bei "mitreissend" gehe ich mit und "nuanciert" sind sicherlich einige Momente auf "Tusk II", aber Provokationen kann ich nirgends entdecken. Nicht im Sinne von textlich und schon gar nicht musikalisch, denn ROYAL TUSK verstehen es zwar gute bis sehr gute Songs zu schreiben, allerdings sind diese in keinster Weise besonders, sondern unterhalten angenehm und werfen 2-3 Hits ab, die man sich auf die nächstbeste Autofahr-Playlist knallt. Songs wie 'Under', 'Reflection' oder 'Northern Town' haben zwar schöne Augenblicke, aber sind nicht für die Ewigkeit geschaffen.

Royal_Tusk_Photo_courtesy_of_eONE

Royal Tusk Photo courtesy of eONE

ROYAL TUSK geben der Rock-Fans-Meute was sie möchte, verzichten aber leider auf Experimente, die "Tusk II" gut getan und das Album noch stringenter hätte wirken lassen. So ist es ein (wenngleich gutes) Rock-Album unter vielen.

Album-VÖ: 26.10.2018