(Rude Records/ Soulfood)

Die aus South Carolina stammenden ALL GET OUT sind nach diversen Besetzungswechseln auf ein Duo geschrumpft. Nun können sich die beiden Akteure voll auf ihr Songwriting und die Umsetzung der entstandenen Ideen konzentrieren - vielleicht war es vorher so, wie es ein altes Sprichwort schon besagt: "Viele Köche verderben den Brei". Nun konnte der Fokus komplett auf das Aufnehmen der neuen Platte namens "No Bouquet" gelegt werden.

Und eins möchte ich bei meiner verschriftlichten Meinung zur vorliegenden Scheibe möglichst unterlassen - und zwar werde ich keine Songs besonders hervorheben, weil sie extraordinär genial sind und ebenso keine Tracks in der Luft zerreissen, wenn sie mir nicht auf Anhieb gefallen haben. Eins kann ich nämlich klipp und klar behaupten: "No Bouquet" funktioniert als Gesamtwerk und beherrscht die Laut-Leise-Dynamiken hervorragend - hier greift eine Komposition in die nächste und ergibt ein kreatives Gebilde zwischen Emotionalität, Power und handwerklichen Können. Musikalisch kann man das grob in das Genre des Emo(-Core) einordnen, wobei ganz viel Indie und nicht so viele Punk-Anleihen das Bild abrunden.

Da es bei Reviews zu Platten von nicht ganz so bekannten Bands immer notwendig erscheint, Referenzen aufzuzählen (um den interessierten Musikentdecker Einordnungshinweise zu geben) werfe ich mal ein paar Namen in den Raum, die das Schaffen von ALL GET OUT gut repräsentieren. Die leisen Töne von Into It. Over It, dazu die emotionale Kraft von The Weakerthans. Das gepaart mit Ausbrüchen der Marke Thursday, um dann den Weg von Brand New zu beschreiten. Auch Balance And Composure und Sorority Noise schauen vorbei. Somit dürfte "No Bouquet" eher Menschen ansprechen, die befindlichkeitsfixierte Texte mit einem melancholischen Unterton hören wollen, der verhalten wütend tönt.

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All Get Out Photo courtesy of Rude Records

ALL GET OUT haben das perfekte Übergangsalbum zwischen Herbst und Winter erschaffen. "No Bouquet" trägt eine gewisse Traurigkeit in sich, ohne allzu morbid zu sein. Wenn man sich auf die Platte einlässt, kann man Sequenzen voller Leichtigkeit entdecken, die trübsinnige Gedanken gar nicht erst zulässt. Perfektes Album, um den ersten Herbststurm entspannt vom Lieblingsplatz mit einem heißen Grog entgegen zu treten. "No Bouquet" wäre die entsprechende Untermalung.

Album-VÖ: 02.11.2018