(ferryhouse/Warner)

Das in schwarz-weiß Tönen gehaltene Cover von "#3" zeigt einen scheinbar ruhelosen Mann, der sich nachts einen Weg durchs Schilf bahnt. Damit greift das Bild die Ruhelosigkeit auf, welche den flämischen Komponisten Kevin Imbrechts, der Kopf hinter ILLUMININE, in die kreative Arbeit zu "#3" getrieben hat. Geplagt von Ängsten und Schlaflosigkeit suchte Imbrechts eine Therapeutische Wirkung im Erschaffen von Klängen und ganzen Musikstücken. Die Arbeit am Album half ihm beim verarbeiten seiner Angststörung und seiner Aspergerdiagnose.

Auf "#3" erwartet den Hörer in erster Linie ein Instrumentalalbum mit welchem der Musiker durch musikalische Kreativität seine Gefühle mit der Außenwelt kommunizieren möchte, da ihm dies verbal schwer fällt. Die einzigen beiden Stücke welche auf "#3" mit Lyrics versehen sind, bedienen sich der wundervollen Stimme von Hannah Corinne, einer isländischen Singer/Songwriterin.

Als Opener gibt es mit 'Aura' einen Track der den Zustand zwischen Schlaf und Erwachen widerspiegelt, der den Komponisten zu diesem Song inspiriert hat. "Während meiner dunklen Zeit wurde ich oft durch ein komisches Geräusch aus dem Badezimmer meiner Nachbarn geweckt, gerade als ich nach einer langen Nacht des Wachliegens endlich einschlief. Deshalb habe ich diesen Sound aufgenommen und im Song gesampelt. Es ist das Rückgrat des Songs" lässt Imbrechts verlauten.

Man merkt direkt, die Stimmung ist hier der Star. ILLUMININE ist dabei jedoch meilenweit vom Ibiza-Chill-Cafe oder den Cafe Del Mar Samplern entfernt, dennoch schafft es der Musiker mit seinen Kompositionen eine beruhigende und träumerische Atmosphäre zu kreieren.

Die interessantesten Momente auf "#3" bilden allerdings die beiden Features. So sticht zum Beispiel das mit wunderbar zarten und fragilen Lyrics behaftete 'Dying Flame' deutlich heraus. Corinne beschreibt den Entstehungsprozess des Songs wie folgt: „Es war ein seltsamer Prozess, die Texte zu schreiben, weil ich sie zu Instrumentalstücken schrieb, die zuvor von Kevin komponiert wurden. Anstatt also Musik zu schreiben, die zu meinen Texten passt (was ich normalerweise tue), lag ich auf einem staubigen Boden und versuchte zu hören, was die Musik schon sagte."

Imbrechts erklärt, dass ihn Corinnes Stimme an Hope Sandoval von Mazzy Star, eine seiner Lieblingsbands, erinnert. 'Dying Flame' wurde an Heiligabend 2016 geschrieben, während sich alle geborgen fühlten, fühlte ich mich allein und ging in mein Zimmer, um Gitarre zu spielen. Innerhalb von 5 Minuten war dieser Song geschrieben. Ich stellte mir immer eine warme, sanfte Frauenstimme vor, die das Gefühl repräsentierte, das ich in dieser Nacht hatte."

Auch die zweite Zusammenarbeit der beiden Musiker auf diesem Album ('Fright') umgibt eine Aura der Zartheit und Verletzlichkeit, welche die Musik von ILLUMININE äußerst erhaben erscheinen lässt. Eine Stimmung die sich aber auch in allen anderen instrumentalen Stücken des Albums wiederfinden lässt.

Imbrechts vermischt auf "#3" sehr geschickt Neo-Klassik mit Post-Rock. Das klingt an manchen Stellen sehr getragen, an anderen wiederum wunderschön und fragil. Wer einmal innehalten will und durchatmen muss, der bekommt hier seine Therapie in Musikform.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Dying Flame'

Album-VÖ: 02.11.2018