(Epitaph Records)

Über die letzten Jahre der ARCHITECTS muss ich wahrscheinlich nicht viel schreiben. Die Band spielte sich locker zu einem der größten Metalcore Acts hoch und musste dann im Jahr 2016 leider den Tod von Gitarristen und Hauptschreiber Tom Searle verkraften. Wie verarbeitet man so ein Erlebnis am Besten? Natürlich mit Musik und das Ergebnis liegt nun endlich in Form von "Holy Hell" vor. Nachdem Parkway Drive und Asking Alexandria nach ihren Stiländerungen so manchen Fan nicht mehr vollends überzeugen konnten, lagen nun auch viele Hoffnungen der Fans auf eben dieser Scheibe. Aber eine CD um einen Tod zu verarbeiten, sollten da etwa auch ARCHITECTS ruhiger geworden sein? Diese Frage habe ich mir nun vorgenommen fachgerecht zu beantworten.

Die Streichinstrumente verkünden einen sehr traurigen Start, aber der erste Track heißt nicht umsonst 'Death Is Not Defeat' und so ist diese Stimmung nach wenigen Sekunden verschwunden und der Song knallt genauso heftig aus den Boxen, wie man es von dieser Band gewohnt ist. Die Mischung aus melodischen Cleanvocals, tiefen Shouts und harten Riffs gelingt den Jungs einfach wie eh und je. Außerdem wird die Melodie zu keiner Sekunde aus den Augen gelassen. Die elektronsichen Samples sind dabei sehr sorgfältig eingepflegt und lassen "Holy Hell" direkt mit einem Ohrwurm beginnen. Dieses Stück dürfte Tom Searle auch nach seinem Tod sehr glücklich machen. 'Hereafter' ist dem geneigten Fan der Truppe natürlich längst bekannt, hat es seit der Veröffentlichung im September doch schon über 4 Millionen Aufrufe bei YouTube erreicht. Auch hier ist der Bezug zur Bewältigung eines Todes deutlich zu hören und das Lied an sich knallt vielleicht sogar noch eine Ecke mehr rein als sein Vorgänger. Klassischer Metalcore in Bestform und einer der Gründe, warum man vollkommen zurecht hohe Erwartungen an dieses Album hier hatte. In 'Mortal After All' spielt sich dann die Gitarre schön in den Vordergrund und weiß auch nach dem Verlust von Tom Searle vollends zu überzeugen. Ganz nebenbei wird einem auch durch die Drumbeats nochmal der Gehörgang frei geblasen. Ein weiterer Song auf ganz hohen Niveau und dann geht es ja auch direkt mit dem Titeltrack 'Holy Hell' weiter. Und was ist das bitte für ein Monster? Die Streichinstrumente sind sehr gut in das Lied eingearbeitet und passen sehr schön zur Atmosphäre die hier versucht wird zu erschaffen. Sonst wird auch hier das Gaspedal durchgetreten und keine Rücksicht auf Verluste genommen. Da weiß man langsam gar nicht mehr, wie man auf der kommenden Tour genügend Energie haben kann um zu jedem dieser Werke ordentlich abgehen zu können.

Photo by Ed Mason

'Damnation' lässt etwas mehr Freiraum für die Melodie und setzt wieder vermehrt auf Cleanvocals und trotzdem kann es einen genauso gut ordentlich in den Arsch treten, wenn ich das mal so sagen darf. Bei dem, wieder mal bereits bekanntem, 'Royal Beggars' verhält es sich ganz ähnlich. Teilweise ist es sogar noch ruhiger und dort kommt dann der Einsatz von elektronischen Stilmitteln noch mehr zur Geltung. Die verträumte Stimmung die dadurch erzeugt wird gefällt mir wirklich sehr gut. 'Modern Misery' ist auch eine sehr schöne MIschung aus eingängigen Melodien und gesunder Härte, weiß in meinen Ohren aber nicht so herauszustechen wie andere Lieder auf "Holy Hell". So packt mich doch direkt im Anschluss 'Dying To Heal' ein bisschen mehr, wobei es auch nichts bahnbrechend anders macht. Die Formel ARCHITECTS wird einfach knallhart durchgezogen und ich scheine auf diese Mischung hier einfach etwas mehr anzuspringen.

Ein bisschen Abwechslung wird dann mit 'The Seventh Circle' ins Spiel gebracht, welches viel weniger als Metalcore- sondern Hardcoresong daher kommt. Es sind nichtmal zwei Minuten, die man mit dem Hören verbringt, aber diese haben sich mehr als nur gewaschen. Ob nun Gesang oder Instrumente, alles an diesem Song scheint einen in den Moshpit zu rufen. Ehrlich was für eine geile Nummer und das genau zum richtigen Zeitpunkt! Der über ein Jahr alte Song 'Doomsday' war das erste Lied, welches die Jungs für Tom geschrieben hatten und er hat bis heute nichts von seiner Magie verloren. Ganz ganz großes Kino für die Ohren, aber das wisst ihr wahrscheinlich eh schon alle. MIt 'A Wasted Hymn' sind wir auch schon auf der Zielgeraden angekommen und sind wir mal ehrlich, ein Album für einen verstorbenen Freund ohne eine Ballade wäre irgendwie nicht richtig gewesen. Und so würde ich dieses Lied, trotz einem hohen Anteil an Shouts, eben als solche bezeichnen. Eine sehr emotionale Angelegenheit und ein perfekter Abschluss für "Holy Hell".

Machen wir es kurz und schmerzlos, "Holy Hell" ist das Album geworden, was sich die meisten Fans wohl erhofft haben. Kein Stück ruhiger geworden, extrem agressiv und qualitativ haben die Jungs auch ohne Tom Searle kein Stück nachgelassen. Von den großen Metalcore Bands ist es wohl die, welche sich am meisten treu geblieben ist und das wird die meisten hier wohl sehr freuen zu lesen. Das hat aber auch zur Folge, dass man keine großen Überraschungen erwarten sollte. Die Jungs ziehen einfach ihr bekanntes Ding weiter durch, wer also mit Metalcore an sich nichts mehr anfangen kann, wird auch hier nicht glücklich werden. Erst war ich etwas enttäuscht, dass keiner der wirklich neuen Songs sofort in meinem Gehörgang stecken blieb. Nach mehrmaligem Durchhören wurde mir aber klar, dass das daran liegt, weil das Album durchgehend ein so verdammt hohes Level halten kann und einfach fast jedes Stück saugut ist. Somit veröffentlichen ARCHITECTS mit "Holy Hell" eines der besten Metalalben des Jahres, in das es sich unbedingt reinzuhören lohnt.

Anspieltipps: 'Death Is Not Defeat', 'The Seventh Circle', 'Doomsday'

Album-VÖ: 09.11.2018