(Big Scary Monsters / AL!VE)

Seit ihrer Gründung 2001 sind mewithoutYou zu sowas wie der Stützfeiler ihres Genres geworden. Im Laufe von sechs Studioalben und einer Hand voll EPs, hat die Band aus Philadelphia - die gerne mal als experimentelle Punk, Post-Hardcore oder Indie-Rock-Band beschrieben wird - viel Wert auf ihre musikalische Entwicklung gelegt und sich nie auf den einen Sound festgelegt und stattdessen sich zwischen Genre-Schubladen immer gekonnt hin und her bewegt. Genau diesen Spirit leben mewithoutYou auch auf ihrem siebten Album "[Untitled]", dem zweiten auf Big Scary Monsters, und der zugehörigen EP "[untitled]".

Album und EP wurden bereits Anfang Oktober veröffentlicht, aber ihr brandneues Musikvideo zur Single 'Julia (or, 'Holy to the LORD' on the Bells of Horses)', in dem mewithoutYou die berühmte Szene aus Back To The Future nachdrehen und mit Orwell-Motiven versehen haben sie erst jetzt veröffentlicht:

Aber auf den letzten beiden Vös der Band gibt es darüberhinaus noch jede Menge mehr zu entdecken. Musikalisch zeigt sich die Band so vielfältig wie nie zuvor. Angesichts von 18 neuen Titeln kann man umso erfreulicher feststellen, dass hier Quantität und Qualität Hand in Hand gehen. Das man die Tracks auf ein Album und eine EP aufgeteilt hat, ist ebenfalls ein guter taktischer Kniff, der allen Kritikern von ungeliebten Doppel-Alben von vorneherein den Wind aus den Segel nimmt.

Die Texte auf "[Untitled]" sind immer noch zutiefst poetisch und die Themen weiterhin vertraut - es geht z. B. Mystik, Metamorphose, Geisteskrankheit - doch noch persönlicher und auf Aaron Weiss' Erfahrungen aufgebaut. Er beschreibt seine Versuche in größere Tiefen seiner Selbst vorzudringen und sich dem zu stellen, was ihm dort erwartet und mit irgendeinem Grund zur Hoffnung oder Freude wieder aufzutauchen. Nur für neue Erkenntnisse und den Blick in das tiefste Elend und die Abartigkeit im Inneren und die anschließende positive Auflösung, begibt sich Aaron Weiss auf diese Reise. Besonders hörbar ist das auf 'Julia', 'Flee, Thou Matadors!' und 'Michael, Row Your Boat Ashore', indem mewithoutYou ihr tiefstes Verlangen und "ohne Drogen verursachte Halluzinationen" in eine ausladend, alles konsumierende Komposition vereinen, die am Ende vollkommen feierlich klingt. 

Während Weiss auf "[Untitled]" und "[untitled]" scheinbar im Mittelpunkt dieser Reise steht, verfolgen seine Bandkollegen ähnliche Herangehensweise. Beaver und Mike Weiss erschaffen reiche, komplizierte Gitarrenmelodien und psychedelische Panoramen, die ein Pochen in der Brust des Hörer hervorrufen, während Songs wie 'Wendy & Betsy', 'Cities of the Plain' und 'Winter Solstice',  die Band so chaotisch, meditativ und poppig präsentieren, wie noch nie zuvor.

Mit "[Untitled]" und "[untitled]" haben mewithoutYou ein Werk geschaffen, das herzzerreißend, surreal und gradezu offenherzig ist, aber immer noch großen Spaß macht. Der große Umfang lässt sich sowohl in der Musik als auch in Weiss' Texten erkennen, während er feierlich die Tiefen seiner Seele auslotet, ohne dabei seinen gewissen unbeschwerten Optimismus zu verlieren. "Ich denke, ich muss meinen persönlichen Tiefpunkt erreichen und ein Quasi-Trauma durchleben. Es wird meine Sinne schärfen und alles was überflüssig ist von mir nehmen und mich mit einem klareren und simpleren Verständnis von mir selbst zurücklassen," erklärt er. "Es hilft auch meinem sonst so verarmten Sinn für Humor. Am Ende ist es doch eine ziemlich dumme Sache, die wir da machen."

Ihre bislang besten Werke, "[Untitled]" und "[untitled]", sichern der Band die Position als Schrittmacher in der Welt der nachdenklichen, aggressiven Rock-Musik.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Julia'

Album-VÖ: 05.10.2018