(Century Media Records)

Die Jungs von CALLEJON haben echt eine interessante Entwicklung durchgemacht und das 2017er Album "Fandigo" war deutlich softer als die Vorgänger und lies sich eigentlich nicht mal mehr in den Metalcore Bereich einordnen. Ich persönlich fand das Album jedoch richtig gut und das kann man auch hier bei Gestromt nachlesen. Aber wie das mit dem Internet so ist, war des Hass gegen dieses Album enorm, vor allem von Fans die fanden, dass sie sich dem Mainstream verkauft hätten. Nun sind CALLEJON zurück bzw. Kallejon, denn "Hartgeld im Club" ist nach "Man Spricht Deutsch" das nächste Cover-Album von den Jungs. Wo man im Jahr 2013 aber einfach quer durch die deutsche Musiklanschaft gecovert hat, beschränkt man sich dieses mal ausschließlich auf Deutschrap. Und man war im Vorfeld bereits sehr zeigefreudig und hat bereits fünf der dreizehn Lieder die auf der CD vertreten sind online veröffentlicht. Die Reaktionen dazu auf der offiziellen Facebook-Seite der Band? Durchwachsen und teils auch sehr negativ. Kann man es den inzwischen niemanden mehr Recht machen, oder sind die Cover-Songs wirklich so schlimm?

Los geht es jedenfalls mit 'Von Party zu Party' welches im Orginal von SXTN stammt. Einem Rap-Duo bestehend aus zwei Frauen, welches nach grade mal 4 Jahren, aufgrund der Solo-Karrieren der Damen, wohl schon wieder Geschichte ist. Und bereits hier wird klar, dass man sich wieder von "Fandigo" entfernt und es deutlich härter zur Sache geht. Macht aber ja auch Sinn, so verspricht man doch die Lieder durch den Metal-Wolf gedreht zu haben. So hört man wieder vermehrt Shouts und die Gitarren gehen wieder mit mehr Agressionen zur Sache, Die Grundmelodie wurde super erweitert und so wird der Song zu einer schnellen Nummer, die volle Kanne nach vorne geht. Deutschrap ohne Sido? Das geht natürlich nicht und deswegen nimmt man sich mit 'Schlechtes Vorbild' nach 'Mein Block' auf "Man Spricht Deutsch" dem bereits zweiten Lied von ihm an. Der Fuß auf dem Gaspedal wird nun richtig durchgedrückt, die Beats und Riffs werden nochmal schneller und die Vocals eine Ecke rauher. Die Elektronik wird dabei auch zurück genommen und so haut man ein echtes Brett raus. Man hat hiermit das Orginal, welches gewohnt langsam daherkommt, mal ordentlich durchgerüttelt und genau so etwas habe ich mir bei der Ankündigung von "Hartgeld im Club" auch vorgestellt. 'Kids (2 Finger an den Kopf)' von Marteria sollte sicherlich den meisten Leuten bekannt sein und ist damit auch eines der wenigen Liedern, die ich vorher schon kannte. Die Party-Attitüde des Orginals bleibt erhalten und tatsächlich hört es sich so an, als ob das Stück eigentlich wie geschaffen für eine Metal-Version ist. So gut geht die Härte mit der Melodie Hand in Hand.

Photo by Lukas Richter

Bonez MC & RAF Camoras 'Palmen aus Plastik' war mir komplett unbekannt, aber die Version hier ist auf jeden Fall sehr eingängig. Der Refrain kommt zwar recht zahm daher, dafür gefallen mir die Strophen umso mehr. Und zum Ende hin geht es nochmal so richtig zur Sache. Zu 'Was du Liebe Nennst' gibt es auch ein Musikvideo und hier coverte man nicht nur den Song, sondern liefert auch eine ganz eigene Interpretation des Orginalvideos von BAUSA ab. Anschauen lohnt sich auf jeden Fall. Eigentlich ein Chill-Out Song, wird es bei CALLEJON zur vielleicht härtesten Nummer auf diesem Album. So wird eigentlich das ganze Lied über geshoutet und es gibt mal wieder volles Pfund aufs Maul! Einfach eine irsinnig geile Sache und live garantiert ein Kracher. Nach den bisherigen Orginalinterpreten ist Alligatoah sicherlich eine andere Baustelle. Hier handelt es sich ja um einen sehr talentierten Musiker, dessen Texte immer sehr hintergründig und nie stumpf sind. Das man sich 'Willst du' ausgesucht hat ist dabei nicht weiter verwunderlich, ist es nicht nur sein bekanntestes Lied und schon im Orginal von einer Gitarre unterstützt, sondern auch die Botschaft des Liedes passt perfekt zu CALLEJON. Interessanterweise hat man in dieser Version sogar deutlich mehr elektronische Elemente als vorher und bleibt sonst der Vorlage ziemlich treu. Es gibt sonst recht wenig Überraschungen, aber da das Teil schon vorher sehr geil war, bleibt es das auch in dieser Version.

Deichkind haben ja schon einen ziemlich eigenen Stil, der sich immer sofort raushören lässt.  Bei 'Arbeit Nervt' weiß man also ohne Probleme wer hier sein Liedgut zur Verfügung gestellt hat. Ich lag übrigens mit der Einschätzung, dass 'Was du Liebe Nennst' das härteste Stück bleibt ziemlich daneben. Da der Beat an sich schon von Deichkind sehr agressiv angelegt wurde, macht man nun einfach auch den Rest sau hart. Somit knallt das Ding so hart aus den Boxen, wie lange kein CALLEJON-Track mehr. Mit K.I.Z. hat man ja spätestens nach 'Porn From Spain 2' ein tolles Verhältnis und deswegen bedient man sich mit 'Urlaub fürs Gehirn' natürlich auch bei diesen Freunden. Diese dürfen sehr zufrieden mit dem Ergebnis sein, denn die Riffs haben es hier wirklich in sich und alles geht wunderbar nach vorne. Sogar ein kleines bisschen Blastbeat wird uns gegönnt. 'So Perfekt' von Casper hat wirklich einen tollen Text und eine gute Botschaft an die Jugend, die es nicht immer leicht hat. Diese Interpretation hier kommt mit deutlich mehr Energie daher, die hoffentlich direkt von den Hörern aufgesogen werden kann. Quasi ein Aufputschmittel in Liedform und da passt es irgendwie auch, dass es hier nichtmal drei Minuten lang läuft. Kurz und verdammt geil gecovert und damit hat man auch genügend gesagt. 'Bros' von RIN besteht ja eigentlich fast nur aus Autotunes und das 'frägt' im Text bringt mich zusätzlich fast zur Weißglut. Was machen CALLEJON da? Sie lassen den Autotune großteils drin und die Elektronik überragt fast komplett die Rock-Elemente. Sorry, aber das ist die erste Nummer hier, mit der ich leider gar nichts anfangen kann. Ein bisschen Gitarre hier und da, Schlagzeug dazu und härter gesungen, können das Teil leider nicht retten. Ist mir hier ziemlich unverständlich, warum man es nicht wie bei manch anderen Stücken gemacht und quasi alles auf den Kopf gedreht hat. Leider musste ich es direkt aus der Playlist nehmen und so höre ich ab jetzt quasi nur noch eine zensierte Version von "Hartgeld im Club".

Zum Abschluss des Cover-Reigens, gibt es mit 'Ich Rolle mit meim Besten' ein Cover von Haftbefehl und damit genau der Art von Rap-Musik mit der ich ja überhaupt nichts anfangen kann. Dazu noch die fragwürdigen Texte und das Auftreten dieser Person und ich habe direkt wieder Angst vor dem Ergebnis. Zum Glück zeigt es sich sofort das diese Angst unberechtigt ist, denn hier erwartet einen noch einmal ein absoluter Knaller. Klar der Text ist zum Vergessen, aber dafür können die Jungs ja nichts. Es wird nochmal ordentlich auf die Kacke gehauen und so nimmt man die Agressionen aus dem Proll-Rap und wandelt sie einfach in harten Metal um. Vocals und Instrumente sind sehr gut abgestimmt und so wird man stark befriedigt aus dem Coverwahn entlassen.

Vorbei ist das Album damit aber noch gar nicht, denn es warten ja noch zwei neue Eigenproduktionen auf uns. Die erste davon ist der Titeltrack 'Hartgeld im Club' bei dem die Rapperinnen Antifuchs und Pilz mitmischen dürfen. Wer jetzt hier klassisches Material erwartet ist falsch gewickelt, denn natürlich muss das Stück auch irgendwie zum Konzept des Albums passen. Das heißt die Rap-Elemente sind sehr prägnant und die Gäste kommen sehr oft zum Einsatz. Das Ergebnis kann sich durchaus hören lassen, kann aber nicht unbedingt mit anderen Orginalstücken von CALLEJON mithalten. Im Gesamtkonzept ist es aber als gelungen zu bezeichnen. Und dann ist da ja noch dieses eine Lied, auf das die meisten Fans wohl schhon seit Jahren gewartet haben. Ich rede natürlich von 'Porn From Spain 3' und das die Erwartungen hier enorm sind und eigentlich gar nicht erfüllt werden können, war mir ja von vornherein klar. Aber zum Ergebnis kann ich dann echt nur sagen,... dass es arschgeil ist! Ich hätte niemals erwartet das trotz einer hohen Erwartungshaltung das Teil mich so begeistert. Die Idee ist ja eigentlich, dass die Lieder in dieser Reihe besonder asozial sein sollen, ok das gelingt nicht ganz, aber scheiss drauf. Der Track haut volle Kanne rein und der Text kann sich auch hören lassen. Dass er sozialkritisch daher kommt begrüße ich sogar. Der Gastpart von Ice-T ist super und auch wenn K.I.Z. nicht ganz an ihre Leistung aus dem Vorgänger herankommen, ist auch ihr Part wieder sehr gelungen. Für mich handelt es sich hierbei wirklich um den besungenen Monsterhit.

Sicherlich finden hier wieder genug Leute etwas zu meckern, klar die meisten Texte sind grausam, für andere ist schon die Verbindung zum Rap ein No Go, aber besser könnte für mich das Jahr kaum anfangen. Die Cover sind bis auf 'Bros' ziemlich gelungen und 'Porn From Spain 3' könnte sich schon jetzt als einer meiner Lieblingssongs des Jahres 2019 herausgestellt haben. So sehr ich auch "Fandigo" liebe, so ist es einfach verdammt geil wieder neues Material von CALLEJON zu kriegen welches in eine härtere Richtung geht. Auf die bald startende Tour zum Album freue ich mich jetzt umso mehr.

Anspieltipps: 'Was du Liebe Nennst', 'Porn From Spain 3'

Album-VÖ: 04.01.2019