(Long Branch Records/ SPV)

Wenn man ein Multitalent und -instrumentalisten wie Sal Abruscato in seinen Reihen hat, darf man immer gespannt sein, wie ein Album mit seiner Beteiligung klingen wird. Als Drummer hat er maßgeblich an Klassikern des düsteren Metals mitgewirkt (Life Of Agony, Type O Negative) und sich selbst als Sänger und Gitarrist von A PALE HORSE NAMED DEATH einen Namen gemacht. Sechs Jahre nach "Lay My Soul To Waste" haben es die New Yorker endlich geschafft den Nachfolger einzuspielen, der auf den Titel "When The World Becomes Undone" hört.

Intros habe ich noch nie verstanden - vielleicht soll die Eröffnungssequenz 'As It Begins' eine gewisse Grundstimmung erzeugen, was meiner Meinung nach nicht unbedingt gelingt, da das Stück viel zu sphärisch und uninteressant arrangiert wurde. Sei's drum, mit dem Titeltrack 'When The World Becomes Undone' startet das Album dann richtig. Sehr ruhig und begleitet von Pianoklängen gibt es zurückhaltende Strophen, die in der Folge von mächtigen Riffbergen zugeschüttet werden und eine apokalyptische Stimmung erzeugen. Nach über sechs Minuten stellt man erschöpft fest, dass der Song eine Sogwirkung entfaltet hat, die einen die Zeit hat vergessen lassen. 'Love The Ones You Hate' hat einen grungigen Ton, der auch Alice In Chains gut zu Gesicht stehen würde. Es ist erstaunlich, dass es A PALE HORSE NAMED DEATH schaffen, einen Sound zu kreieren, der zwar tief-melancholisch und enorm zupackend aus den Boxen tropft, dabei aber Melodien produzieren, die es dem Hörer ermöglichen, die Kompositionen zu erfassen und einen wichtigen Wiedererkennungswert generieren.

Mit 'Fell In My Hole' ist das erste Highlight angesagt. Dieses geil verschleppte Tempo und dennoch Gitarrenriffs fliessen zu lassen, die einem die Nackenhaare aufstellen, weil die körpereigene Endorphineausschüttung im Akkord arbeitet. Verdammt smarter Song der es sich zwischen bereits erwähnten Alice In Chains und Black Label Society bequem macht. Gänsehaut.

Den kurzen instrumentalen Zwischenpart namens 'Succumbing To The Event Horizon' hätten sie sich getrost sparen können, da dieser keinen erkennbaren Mehrwert im Hörerlebnis bietet. Der nachfolgende Track 'Vultures' variiert im Grunde nur die bekannten Thematiken und Ansätze. Dies zwar gut, aber ohne einen positiven Nebeneffekt wie z. B. Überraschung hervorzurufen. Auch 'End Of Days' haut in diese Kerbe, was etwas ernüchternd ist, weil im ersten Viertel der Platte soviel spannendes passiert ist - ab dem oben genannten Zwischenspiel ist irgendwie die Luft raus bei der Platte, da sich Songstrukturen und Geangsleistung wiederholen und das Unterscheiden der Lieder einem ungeübten Hörer sicherlich schwer fallen wird. 'End Of Days' hat zumindest ein ganz patentes Solo im Mittelteil zu bieten.

'The Woods' ist ein ganz schräges Ding zwischen leisen Tönen und kurzem Doom-Intermezzo. Das Ganze ohne Melodie und für kunstbefliessene Musikstudenten sicherlich eine Hausaufgabe wert. Aber trotzdem überflüssig, da es überhaupt keine Dynamik aufweist. Der Spannungsbogen des Albums wird durch solche unnötigen Spielereien wiederholt zerstört.

Die Hoffnung, dass mich 'We All Break Down' (sehr doom-lastig ohne Höhepunkte) aus der Tiefe der beginnenden Enttäuschung holt, ist unbegründet. Allerdings konnte mich der Abschlusstrack 'Lay With The Wicked' versöhnlich stimmen, da er mich wieder an die Glanzzeiten einer bestimmten Grungeband aus Seattle erinnert, die in dieser Rezension schon zweimal Erwähnung gefunden hat.

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A Pale Horse Named Death Photo courtesy of Long Branch Records

A PALE HORSE NAMED DEATH haben mit "When The World Becomes Undone" ein Album erschaffen, welches punktgenau in die Jahreszeit passt. Die songwriterischen Qualitäten sind unbestritten, allerdings fehlen die überraschenden/ effektvollen Ideen.

Album-VÖ: 18.01.2019