(Kidnap Music/ Rookie Records/ Indigo)

Weniger krypisch und uncodiert soll laut Aussage von PASCOW das neue Werk "Jade" sein. Fast fünf Jahre nach "Diene der Party" erscheint also endlich ein neues Album. "Diene der Party" hat den Bekanntheitsgrad von PASCOW auf ein ganz neues Level gehoben - die bespielten Clubs werden größer (trotzdem immer ausverkauft) und ein Charteinstieg ist mittlerweile nicht völlig ausgeschlossen. Da PASCOW in ihrem eigenen Referenz-Universum unterwegs sind, ist es völlig nebensächlich und unnötig die Band aus Gimbweiler mit anderen Kapellen zu vergleichen.

PASCOW sind PASCOW und bleiben PASCOW, auch wenn es weniger verschwurbelt in den Texten zugeht und die Musik aufgrund der melancholischen Note zugänglicher erscheint als in der Vergangenheit. Der 'Prolog' (Klavier-Gedudel) dauert dreißig Sekunden, dann geht es bereits mit der ersten Song-Auskopplung 'Silberblick & Scherenhände' in den Punkrock-Kosmos des Vierers. Durch den Wechselgesang wird hier gleich eine Energie und Frische mit auf den Weg geschickt, dass die Härchen am Unterarm von ganz alleine stehen. Der Refrain (gesungen von Frau Wolf) ist ein wahrer Genuss und hat den Zuhörer sofort am Schlawittchen. Die typischen PASCOW-Gitarren tun ihr Übriges.

Der Titelsong 'Jade' ist ebenso typisch wie fantastisch arrangiert und leitet in den nächsten Track 'Marie' über, der einen leichten Off-Beat-Rhythmus andeutet, aber zum Glück nichts mit Ska zu tun hat. Die Texte sind sogar noch besser zu verstehen, als auf den letzten Alben und mögliches "zwischen den Zeilen lesen" hat wie angekündigt sehr abgenommen. Somit bleibt natürlich auch wenig Interpretationsspielraum, was aber in der Natur der Sache liegt. PASCOW sind weit davon entfernt stumpfe Parolen zu skandieren, so dass der Anspruch nicht zu kurz kommt.

Das eigenartige Instrumental-Stück 'Die Backenzähne Des Teufels' wirkt, wie auch der 'Prolog', ein wenig wie Füllmaterial, um die Anzahl von einem Dutzend Kompositionen voll zu bekommen. Da die nachfolgenden Songs 'Unter Geiern', 'Track der Toten', 'Schmutzigrot' und 'Heute Jäger, Morgen Taucher' aber verdammte Hits sind, ist dies zu verschmerzen. PASCOW sind fokussierter und stringenter und haben das Midtempo für sich entdeckt. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man diese Band über die letzten 15 Jahre verfolgt hat, aber durchaus konsequent und respektabel. Und bei 'Sturm, der durch Erlen zieht' zitieren sie sich ja zum Glück auch selbst. 🙂

Mit dem Schluss-Track 'Wunderkind' bewegen sich PASCOW auf komplett neuen Terrain und auch das funktioniert wunderbar. Eine Ballade, die traurig wirkt und textlich enorm berührt. Perfekter Abschluss eines Albums, welches typisch PASCOW ist, gerade weil es so untypisch klingt.

Pascow_Photo_by_Andreas_Langfeld

Pascow Photo by Andreas Langfeld

Ich hatte Befürchtungen, dass mich "Jade" enttäuscht und den Zugang zur Platte habe ich auch erst nach mehrmaligen Hören gefunden - aber gerade das macht ein spannendes Album aus: Das man sich intensiv damit beschäftigen muss, um die Schönheit zu finden. PASCOW haben mich wieder überrascht. Ich bin und bleibe Fan.

Album-VÖ: 25.01.2019