(Arising Empire / Warner)

Hierzulande gibt es ja nur wenige Bands aus dem Alternative-Rock-Bereich, die auch international ein hohes Ansehen geniessen. BREATHE ATLANTIS gehören auf niedrigschwelligen Niveau dazu, da sich aufgrund der Support-Slots für Bestseller wie Sum 41, Memphis May Fire auch der einschlägige und vielfach ausgezeichnete Genre-Produzent Dan Korneff (Paramore, My Chemical Romance, Breaking Benjamin) bereit erklärte "Soulmade" zu produzieren (wie auch schon das Vorgängeralbum "Futurestories"). Den hohen Standard der Produktion hört man an jeder Note und BREATHE ATLANTIS dürfen zudem mit dem Wechsel zu Arising Empire (Unterlabel von Nuclear Blast) Hoffnung auf neue Vertriebsmöglichkeiten haben.

Aus 30 Kompositionen und Song-Skizzen wurden schlussendlich elf Tracks ausgewählt, die den Status Quo der aus Essen stammenden Band präsentieren sollen.

Der Opener 'My Supernova' zeigt schon sehr gut, wohin die Reise hingeht. Den Hörer erwartet alternativer Rock, der jeglicher Kanten beraubt wurde und perfekt arrangiert die Ohrmuschel attackiert. Der Gesang ist auf den Punkt abgemischt und steht mit den eingängigen Melodien im Fokus des Songs. Sänger Nico favorisiert den cleanen Gesang, der aufgrund der hohen Tonlage stellenweise an Saosin erinnert. 'Fall' z.B. ist eine glasklare Stadion-Rock-Hymne. Man muss als kritischer Mensch jetzt auch nicht unbedingt das Haar in der Suppe suchen, aber ein paar Reibungspunkte hätten schon ausgereicht, um BREATHE ATLANTIS besser zu finden, als es nach ein paar Durchläufen der Fall ist.

'Spirit' könnte durchaus auch im Kommerz-Radio seinen Platz finden, wenn nicht zum Schluss so ein cheesy Bon Jovi-Gitarrensolo um die Ecke kommen würde. Der Rest des Songs klingt steril und hat leichte R 'n B-Momente, die beim Hören einen Tinnitus provozieren. Es scheint momentan Mode zu sein, die Rock-Elemente zu minimieren, um neue Käuferschichten zu befriedigen (vgl. Bring Me The Horizon). ist nicht sympathisch, aber natürlich das gute Recht einer jeden Band. 'I Think It Isn`t Fair' schiesst allerdings den Vogel ab - dramatische Piano-Ballade, die emotional wirken soll, aber nur weinerlicher Mist ist.

Ein paar Tracks retten "Soulmade" aus der kompletten Belanglosigkeit: 'Cold', 'Savage' oder 'At Night' sind netter Pop-Rock, der zuweilen leichte Emo-Rock-Ansätze aufblitzen lässt. Das ist aber nicht genug, um BREATHE ATLANTIS über den grünen Klee zu loben oder gar innovative Ideen zu attestieren.

Breathe_Atlantis_Photo_by_Francisa_Blaauboer

Breathe Atlantis Photo by Francisa Blaauboer

Ganz ehrlich: Ich persönlich ärgere mich über die geklaute Zeit, die ich in "Soulmade" gesteckt habe, weil ich gehofft habe, dass mir BREATHE ATLANTIS neue Ansätze zeigen, die den internationalen Erfolg rechtfertigen. Leider ist das im Großen und Ganzen nicht der Fall, da hier das Prinzip Baukasten zum Zuge gekommen ist. Schade.

Album-VÖ: 25.01.2019