(Wiretap Records)

Wenn man All-Star- oder noch schlimmer Supergroup hört, gehen mittlerweile sämtliche Erwartungshaltungen gen Null, denn die letzten Jahre haben gezeigt, dass bekannte Namen in neuen Konstellationen nicht unbedingt immer innovative oder besonders interessante Projekte stemmen können. Meist geht es den Beteiligten um das eigene Ego, was dann kontraproduktiv zum Ergebnis ist.

Bei RADAR STATE sind die Vorzeichen andere, weil hier Menschen am Werk sind, die einfach Bock haben Musik miteinander zu spielen. Und dies mit einer Frische und Energie tun, dass es nebensächlich ist, dass das weite Feld des Indie-Rocks und emotionalen College-Rock nicht besonders viel hergibt, um neue Ideen unter das Volk zu schmeissen. Aber darum geht es dem Vierer auch überhaupt nicht. Zwei Viertel The Get Up Kids und je ein Viertel The Anniversary und The Gadjits = RADAR STATE. Mit ihrem Debüt "Strays" kommt die aus Kansas stammende Band nun aus der Deckung und möchte Spass und das Beste aus vorgenannten Bands präsentieren.

Ähnlich genial wie vor einigen Jahren Racquet Club (Samiam/ Knapsack-Mitglieder) scheren sich RADAR STATE einen feuchten Kehricht um Trends, sondern spielen frei von der Leber weg. So entstehen unglaublich zupackende Songs, die zwischen den Genres pendeln und verdammt gut unterhalten.Da sich die Mitglieder den Gesang teilen, entstehen eingängige und wiedererkennbare Tracks. In der Natur der Sache liegt es, dass, wenn Matt Pryor als Frontmann agiert, die Songs eine ordentliche The Get Up Kids-Schlagseite haben - wobei einem Platten wie "Four Minute Mile" in den Sinn kommen.

Hört euch einfach mal 'Strays' oder 'Good Catholic' an und sagt nicht, ihr hättet nicht ein wohliges Gefühl bei den Melodien und dem transportierten Enthusiasmus. RADAR STATE können aber auch Punkrock ('Self Hurt Guru') oder eingängigen Power-Pop, der auch mal ramonesken Power-Pop der Marke J Church zitiert ('Defender').

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Radar State Photo courtesy of Radar State

"Strays" macht über die gesamte Laufzeit von 36 Minuten Laune und hat nicht einen einzigen Ausfall zu verzeichnen. Man kann nur hoffen, dass RADAR STATE kein Projekt bleiben, sondern die Band weiter fortbesteht - denn emotionalen Rock mit Attitüde und einem Arschvoll Spass kann man immer gebrauchen.

Album-VÖ: 11.01.2019 (digital/ Import)