Die schwedischen Skate-Punker, die ihren einprägsamen Namen dem schlechten Englisch ihres Gitarristen zu verdanken haben, zementieren mit Album #9 in 27 Jahren Bandgeschichte ihren Status als Berufsjugendliche. Business as usual.

Zwölf Songs, knappe 35 Minuten Spielzeit und ein Album ohne Risiken. Was im Sport als oberstes Ziel gilt, wird in der Kunst hingegen belächelt: Konstanz. Fast schon ein Schimpfwort in einer Plattenkritik und würde man es negativ meinen, könnte man es auch als Stagnation bezeichnen. Denn, für jeden Musiker, der etwas auf sich hält, gilt: kein Album zweimal machen. Eine Regel, die bei MILLENCOLIN wohl nicht im Proberaum hängt, denn mit Ausnahme des Nach-Oben-Ausreißers "Pennybridge Pioneers", kopieren die Jungs ihre Songwritingformel Album für Album für Album. Auch wenn sich auf "SOS" einige klangliche Farbtupfer finden, die vom Trademark-Bandsound abweichen. Wie zum Beispiel der Kinderchor im Titeltrack, welcher einen direkt zum Einstieg entgegenschallt:

In 'For Yesterday' hört man zwar zunächst den Wind durchs Studio pfeifen, der Track selbst bleibt aber im Verlauf dann erstaunlich handzahm und entwickelt sich zu einer reinen Bad Religion-Kopie, welchen MILLENCOLIN ja ohnehin seit ihren Anfangstagen nacheifern. Das ebenfalls bereits als Vorab-VÖ bekannte 'Nothing' setzt in diesem Punkt sogar noch einen drauf, liefert aber im zweiten Teil eine solch catchy Bridge, dass man am liebsten niederknien möchte:

'Sour Days' liefert den ersten Höhepunkt auf "SOS". Catchy Punk mit Hookline und Melodien für Millionen. Mit 'Yanny & Laurel' schleichen sich dann wieder klangliche Farbtupfer in den Sound der Band, dieses Mal in Form eines Vocoder Effektes, der mich persönlich aber eher abnervt, als dass ich dem Song dadurch eine neue spannende Facette abgewinnen kann.

Mit 'Reach You' liefern die Schweden dann genau die Art von Musik ab, für die sie eigentlich schon zu alt sind, für welche sie aber nach wie vor gefeiert werden. Eine Hookline, zwei Gitarren, drei Akkorde, garniert mit Lyrics über den letzten Sommerflirt – mehr braucht der MILLENCOLIN Fan der ersten Stunde nicht zum glücklich sein. Bedeutungsschwanger wird es erst später wieder ('Do You Want War?', 'Dramatic Planet'). Nachschub für die kommenden Live-Setlisten findet sich aber auch in der zweiten Albumhälfte. 'Let It Be' und 'Carry On' erweisen sich als launige Hits für Zwischendurch, welche auch im Sommer 2019 über die Campingplätze der Festivalrepublik schallen dürften.

Als Fazit kann man wie bei fast jeder neuen MILLENCOLIN schreiben: "Pennybridge pioneers" bleibt unerreicht. Starke, gelungene und banale Momente halten sich die Waage. Somit, wie bereits zu Beginn angedeutet, Business as usual.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Reach You'

Album-VÖ: 15.02.2019