(Uncle M Music)

Der Erstkontakt mit HI! SPENCER erfolgte für mich 2015 im Vorprogramm von Wanda im Osnabrücker Rosenhof. Die Band hinterließ bereits dort einen positiven Eindruck in meinem musikalischen Gedächtnis und bewies sich als außerordentlich guter Support-Act. Vier Jahre später liegt mir nun "Nicht Raus, Aber Weiter" zur Rezension vor und nach den ersten Hördurchgängen verstärkt sich die positive Haltung dieser Band gegenüber um ein Vielfaches.

Das HI!SPENCER live so dermaßen selbstsicher und souverän rüber kommen liegt sicherlich nicht zuletzt an ihrem Frontmann und Sänger Sven Bensmann, welcher bereits als Comedian mittlere bis große Erfolge auf deutschen Bühnen feiern konnte (u.a. NDR Comedy Contest, Quatsch Comedy Club, GOP, komische Nächte, Kabarett Bundesliga, 1Live Hörsaal Comedy) . Seit 2017 ist Bensmann als musikalischer Sidekick sogar fester Bestandteil der Kult-Comedy Show Nightwash. Man braucht jetzt aber nicht abwinkend sagen, "Jetzt singt er auch noch", denn Music was his first love. Und diese Liebe lebt er seit 2012 mit der Osnabrücker Band HI! SPENCER aus. 2015 erschien mit "Weiteratmen" das Debüt Album, auf welches zahlreiche Auftritte, Support-Gigs und eben auch vereinzelte weitere Singles folgten, mit denen man auf "Nicht Raus, Aber Weiter" ein Wiederhören feiern kann.

Wer sich als treuer Fan von HI! SPENCER rühmt, der weiß also was ihn auf dem neuen Album erwartet. Dennoch ist 2019 einiges anders bei dem Quintett aus der Friedensstadt. Nicht nur das Singing beim geschmackssicheren Label Uncle M verspricht einen Aufbruch zu neuen Fanlagern, sondern auch die Albumproduktion verlief in einem hörbar professionelleren Maß. Zwar wurde erneut im DocMaKlang-Studio Osnabrück mit Haus-und Hof-Produzenten Tobi Schneider, der seit Jahren ein wichtiger Begleiter der Band ist, aufgenommen, für das Mastering wurde mit Alex Kloss darüber hinaus ein Mann aus der A-Liga engagiert. Kloss verhalf bereits Leslie Clio, den Blackout Problems oder auch Jennifer Rostock in die Hitparaden.

Ob es bis für die Charts reicht, sei jetzt mal dahingestellt, aber die neuen Songs von HI! SPENCER klingen schon verdammt nach Radioairplay. Wie zum Beispiel der Titeltrack und die aktuelle Single 'Nicht Raus, Aber Weiter':

„Es geht um das Monster, das in uns steckt, um die Selbstsabotage, Gelähmtheit, dann aber auch wieder Mut zu fassen und wieder aufzustehen“, so Sänger Sven Bensmann. Wie sehr der Song auf die aktuelle Situation um die Band passt, wird deutlich, wenn man Bensmann weiter zuhört: „Wir kennen dieses Monster und wollten uns mit ihm messen. Sich zu finden ist ein langer, mühseliger, aber auch ein bereichernder Prozess. Wir stellen fest, dass dieses Monster dazu gehört, dass man es nicht besiegen muss. Nach 6 Jahren Hi! Spencer sind wir keine anderen Menschen, aber wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir sagen können: Dieses Songs zeigen zu 100%, wo wir als Band sind und wo wir hinwollten.“

Von einem Scheitern dürfte die Band allerdings mit dem neuen Album weit entfernt sein. Dafür vereinen HI! SPENCER zu viele gute Momente auf ihrer Scheibe. Erinnert der Titelsong in seinem Habitus an deutsche Indieszenegrößen wie Herrenmagazin, so erweckt der schwungvolle Opener 'Weck Mich Auf' Erinnerungen an die Früh-Phase von Jupiter Jones, der 'Küchentisch' Kettcar Assoziationen und die Single 'Wo Immer Du Bist' lässt die späten Muff Potter durchschimmern:

Dass die Platte so abwechslungsreich klingt, dürfte zu einem großen Teil auch daran liegen, dass man sich jede Menge Zeit bei der Realisierung des Albums genommen hat und sich auch nicht zu schade ist, sich aus seinem eigenen Songfundus zu bedienen. Somit kommen 'Klippen' (B-Seite der 'Richtung Norden'-Single 2017), 'Schalt Mich Ab' ("In den Wolken" EP 2016) und 'Richtung Norden' hier zu ihrer verdienten Wiederaufführung. Alle drei Tracks sind einfach so gut, dass sie unbedingt auf einem regulären Album verewigt werden müssen. Wer sich nochmal überzeugen möchte, der blickt einfach mal in die bestehenden Clips der Songs:

 

Dann wären da noch das starke aber fast schon Mantra artige 'Angst Ist Ein Magnet', die Halbballaden 'Tauwetter' und 'Hinter Dem Mond', bevor man mit 'Deponie' von Co-Sänger und Gitarrist Malte Thiede charmant hinausgeleitet wird.

Als Fazit muss man feststellen, dass die vermeintliche Professionalisierung der Band einige Punk-Ingrediens gekostet hat. Wunderbar punkige Stücke wie man sie in der Vergangenheit von HI! SPENCER schon mal entgegengeschleudert bekam, ich denke da an 'Tel Aviv' oder 'Stephen King' (beide auf dem Debüt-Album zu finden), sucht man auf "Nicht Raus, Aber Weiter“ vergeblich. Dennoch legen die fünf Musiker ein beachtliches Zweitwerk vor, welches das Gefühl eines Debüts vermittelt. HI! SPENCER sind inzwischen eine gereifte Band, welche wohl am entscheidendsten Punkt in ihrer Karriere steht. Es wird also ungemein spannend sein, die Band dieser Tage zu verfolgen. Und das kann man unter anderem in diesen Städten tun:

Raus und weiter-Tour 2019
präsentiert von taz.die Tageszeitung, Kulturnews, Tonspion, LEISE/laut, Heartcore_mag, Laut gegen Nazis
16.02.19 Hagen a. T. W. – Gaststätte Stock
10.04.19 Hannover – Lux
11.04.19 Berlin – Musik & Frieden
12.04.19 Hamburg – Molotow
13.04.19 Bremen – Kulturzentrum Lagerhaus
03.05.19 Meppen – JAM
09.05.19 Wilhelmshaven – Pumpwerk
16.05.19 Köln – Artheater
17.05.19 Essen – Weststadthalle
23.05.19 Kassel – Schlachthof
24.05.19 Dresden – Groovestation

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Schalt Mich Ab'

Album-VÖ: 15.02.2019

Exklusive CD- und Vinyl-Bundles mit Schnürsenkeln, Patch und Shirt auf: www.uncle-m.com/shop