(ferryhouse)

Zeitsprung – vor sieben Jahren durfte ich LANIKAI-Frontfrau Marti Sarbit bereits einmal live erleben. Damals noch als Sängerin der geschmackvollen Indie-Popband Imaginary Cities, welche, dank eines nimmermüden und freundlichen Supports von Indiepapst Thees Uhlmann, mit ihrem Track 'Hummingbird' einen kleinen Sommerhit verbuchen konnten. Bereits damals kam ich zu dem Schluss, dass Frontfrau Sarbit mit ihrer verzückenden Soul-Stimme die eigentliche Sensation der Band darstellt. Im Jahr 2019 hat Sarbit mit LANIKAI eine neue Band am Start, mein vermeintliches (Fach?)-Urteil bleibt das gleiche.

Der kristallklare Klang von Marti Sarbits reiner Stimme ist auch auf "Wild Indigo" der Faktor, der das Album aus dem alltäglichen Pop-Einheitsbrei herausstechen lässt. Verglichen mit Imaginary Cities löst sich LANIKAI etwas mehr aus dem Indiekorsett und öffnet sich einem zeitlosen 60er Jahre Sound, wie bereits die schon lange bekannte Opener Nummer 'Wear And Tear' beweist, welche man sich hier in einer nicht minder beeindruckenden Stereobus Session anschauen kann:

Mit 'Heavy Ghost' folgt direkt eine weitere Single, zu der sich die Frontfrau folgendermaßen äußert: „In diesem Song geht es darum, vor der Vergangenheit wegzulaufen. Es geht um die Scham, die mit schlechten Entscheidungen verbunden ist, und den Ballast, den wir dadurch durch unser Leben tragen. Jeden von uns beschäftigt manchmal die Frage, ob wir unser Leben in die falsche Richtung gelenkt haben. Die kleinsten Entscheidungen oder Gewohnheiten können unseren Weg wirklich verändern und manchmal geraten Situationen außer Kontrolle. Das Wichtigste, woran man sich erinnern sollte, ist, dass jeder das mal erlebt, auch, wenn es sich in diesem Moment sehr einsam anfühlen kann, und, dass wir alle unser Bestes geben. Obwohl es in diesem Song also um die Angst geht, dass unsere Vergangenheit uns einholt, geht es mehr darum, wie wahrhaft menschlich und natürlich dieses Gefühl ist“.

Anschließend fleht Sarbit in 'Where Do You Go?' zu einer wundervollen Streichermelodie, 'Caught You Creeping' setzt einige düstere Akzente und 'Windfall' schließt eine Lücke, die seitdem viel zu frühen Tod von Amy Winhouse klafft. Der Track gehört eindeutig zu den Highlights des Albums und erweist sich als klug ausgewählte Singleauskopplung. In einer besseren Welt würde dieser Pop im Radio hoch und runter laufen und hätte die Forsters und Giesingers längst ins Airplay-Nirvana verabschiedet.


Ein weiterer Fixpunkt der Platte findet sich mit dem Track 'Your Sadness'. "In diesem Song geht es um die Schwierigkeiten in Freundschaften oder Partnerschaften mit Menschen, die oft negativ sind, und darum, wie solche Beziehungen sehr anstrengend sein können, weil man sich selbst und seine Energie teilen will" erläutert die Sängerin und Songwriterin von LANIKAI.

Für diejenigen, die Sarbit kennen, dürfte die durchschlagende Qualität der LANIKAI Songs keine Überraschung darstellen. "Wild Indigo" liefert mitreißende, beflügelnde Popmusik in zehn Varianten. Dabei gelingt es der Band Soul und Pop so zu verbinden, dass sie eine wunderbare Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft schlagen. Mehr Konsens geht nicht und das ohne sich anzubiedern. Herzlichen Glückwunsch.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Windfall'

Album-VÖ: 22.02.2019