(Century Media Records/ Sony Music)

Die BACKYARD BABIES feiern in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bandjubiläum. Was liegt also naheliegender als dies zum Vorwand zu nehmen, um möglichst präsent zu sein. Dementsprechend wird eine ausgiebige Tour angekündigt und hierzulande mit The Bones und Audrey Horne die Bühnen beackert. Zuvor erscheint aber noch ihr achtes Studioalbum, welches "Sliver And Gold" betitelt wurde und die alten Tugenden beschwören soll. Mehr Arschtritt, weniger Altherren-Rock ist das ausgegebene Motto.

Mit 'Good Morning Midnight' zeigen Nicke Borg, Dregen und Kollegen zumindest beim Einstieg in das Album, dass weiterhin mit ihnen zu rechnen ist. Ihr Style war seit jeher Sleaze-Rock mit Punkkante und sie haben unterhaltsame Klassiker des Genres erschaffen (v.a. "Total 13" und "Making Enemies Is Good"). Wenn man sich den Opener anhört, besteht die leise Hoffnung, dass "Sliver And Gold" zu den alten Stärken zurückfindet. Die letzten Jahre wirkten die BACKYARD BABIES nämlich irgendwie antriebs- und mutlos. Das die Kreativität und Energie wieder das Sagen hat, merkt man auch beim nachfolgenden 'Simple Being Sold', der fast schon an alte Social Distortion heranreicht. Leider wird der gute Ersteindruck etwas getrübt, da danach 'Shovin' Rocks' langweilt. Inspirationsloser Hardrock, der noch nicht mal bei Faster Pussycat oder Poison als B-Seite verbraten worden wäre.

Allerdings muss man neidlos konstatieren, dass die BABIES ihren alten Schwung wiedergefunden haben und der Großteil der Songs wirklich verdammt viel Spass macht - vor allem, wenn die Handbremse gelockert ist, sind das feine Rock-Hymnen, die für die ein oder andere Bierdusche zu gebrauchen sind ('Ragged Flag', 'Bad Seeds' oder '44 Undead'). Als vorletzter Song brilliert 'A Day Late In My Dollar Shorts' - schön auf den Punkt gespielt, zupackender Refrain, passt. Wenn man die Platte dann ausmacht, ist auch alles gut - leider haben die BACKYARD BABIES scheinbar aber noch Bedarf nach ekelhafter Cheesigkeit. Anders kann man sich die überflüssige Piano/Streicher-Ballade 'Laugh Now Cry Later' nicht erklären. Dass sich das ganze Drama zudem über sechs Minuten hinzieht, macht die gewonnene Freude über ein tolles Album der Schweden fast zunichte. Mein Tipp: Niemals bis zum letzten Song hören und die Playlist dementsprechend anpassen.

Backyard_Babies_Photo_by_Pedar_Carlsson

Backyard Babies Photo by Pedar Carlsson

Die BACKYARD BABIES liefern mit "Sliver And Gold" ein mehr als solides Statement ab, welches durchaus Luft nach oben hätte und auch nicht ganz an die Klassiker-Alben der Band andocken kann. Für längere Autofahrten und das erste Angrillen auf dem Balkon aber sehr empfehlenswert.

Album-VÖ: 01.03.2019