(Fat Possum Records/ The Orchard)

Das durchgeknallte Rock-Paar ROYAL TRUX existiert seit 1987 (mit zwischenzeitlicher 14-jähriger Pause) und spielen seit 2015 wieder gemeinsam Konzerte. "White Stuff" ist das erste Studioalbum seit 19 Jahren und das Label-Debüt bei Fat Possum Records, die bereits den Backkatalog von ROYAL TRUX im letzten Jahr wiederveröffentlicht haben. Zu Beginn ihrer musikalischen Karriere spielte das Duo aus Washington D.C. in einer Band namens Pussy Galore, die sich nach internen Streitigkeiten aufspaltete und u.a. Boss Hog und Jon Spencer Blues Explosion hervorbrachte. Während die Genannten relativ erfolgreich waren, mit Indierock-unterfütterten Garagen-Blues, haben es ROYAL TRUX im Zuge des Nirvana/Grunge/Indierock-Hypes Anfang der 90er-Jahre zu einem Majorlabel geschafft, aber wurden aufgrund ihres dissonanten Sounds und der Verweigerung PR-Spielchen mitzumachen, recht schnell wieder gekickt. Danach agierten sie bis zu ihrer Auflösung 2002 im Underground und konnten sich eine treue Fanbase aufbauen, die sich jetzt über ein neues Werk freuen darf.

Ganz im Ernst: ROYAL TRUX sind keineswegs altersmilde, sondern zerren weiterhin an den Nerven derjenigen, die zumindest ab und zu so etwas wie Melodie und/oder Eingängigkeit benötigen, um sich intensiver mit den Arbeiten der Künstler zu beschäftigen (wozu ich mich wohl zähle).

Während die ersten beiden Tracks 'White Stuff' und 'Year Of The Dog' noch wunderbar knarzigen Indie-Rock der alten Schule zum Besten geben, beginnt es ab 'Purple Audacity #2' anstrengend zu werden. Rückkopplungen, Gesang der immer eine schräge Tonlage hat und dissonante Töne, die man versucht auszublenden, um die Quintessenz der Komposition zu entdecken. Manchmal gelingt dies ('Surburban Junky Lady' oder beim vom Oldschool-Rapper Kool Keith unterstützten 'Get Used To This'), zumeist hockt man aber vor der Anlage und bekommt den Mund nicht zu, ob der wahnsinnigen Songstrukturen und Dynamiken, die das Duo hier abliefert.

Dennoch haben Tracks wie 'Every Day Swan' oder 'Whopper Dave' ihren Charme, weil sie nie vergessen einen Beat aufzufahren, der einen immer wieder ins Boot zurückholt, obwohl man sich kopfüber hinausgestürzt hat, ob des teilweise psychopathischen Sounds. Ich würde das Ganze mal als ambivalente Grenzerfahrung beschreiben.

 

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Royal Trux Photo courtesy of Fat Possum Records

"White Stuff" ist wild und ungestüm. Scherrt sich einen Dreck um Konventionen und hat gerade deswegen eine Einzigartigkeit, die beeindruckt. Wer Lust hat, sich Musik zu erarbeiten, wird sicherlich  Momente voller Klarheit erleben, die anderen Hörern für immer verschlossen bleibt. Fans von Sonic Youth oder Pavement könnten Gefallen an der Platte von ROYAL TRUX finden.

Album-VÖ: 01.03.2019