(Century Media Records/ Sony Music)

Die bewegte Historie von BUCKCHERRY kann man sich beizeiten mal per Wikipedia zu Gemüte führen. Es ist schon ziemlich erstaunlich, was Frontmann und Mastermind Josh Todd alles miterlebt/ durchgemacht hat. Immerhin wäre er fast der Sänger der Supergroup Velvet Revolver geworden. Dass diese Personalie dann doch nicht geklappt hat, bescherte dem geneigten Rock-Fan dankenswerterweise einige BUCKCHERRY-Alben, die in keiner gut sortierten Hardrock-Sammlung fehlen dürfen. MIttlerweile ist Herr Todd das einzige Gründungsmitglied, hat aber immerhin den exzellenten Bass-Spieler Kelly LeMieux an seiner Seite, der bereits bei Fear, 22 Jacks oder auch Dave Mustaine den Viersaiter zupfte.

Es gibt nun endlich neue Musik in Form des achten Studioalbum "Warpaint", welches mit 12 Songs aufwartet, wobei eine überraschende Coverversion dabei ist.

MIt dem Titeltrack wird auch direkt eröffnet. Ein zwar bekannter, aber wieder beliebter AC/DC-Beat, der locker vor sich rockert, dazu der energetische Gesang von Mr. Todd, der zwischenzeitlich auch sowas wie einen Brüller dazwischenstreut, was dem Track die gewisse Würze verleiht. Solider Einstieg, der sich ähnlich beim nachfolgenden 'Right Now' wiederholt, hier aber leider etwas ziellos herumirrt. Es fehlt der berühmte Kick, um eine Besonderheit zu entdecken. Diese wird dann bei der erwähnten Coverversion geliefert. 'Head Like A Hole', welcher ursprünglich von Nine Inch Nails stammt, bekommt dreißig Jahre nach Veröffentlichung einen neuen Anstrich verpasst. Ob das unbedingt hätte sein müssen, sei mal dahingestellt - aber einen guten Song kann nix kaputt machen. Statt Synthies sind es jetzt die Gitarren, die den Ton angeben - ansonsten ist es eine respektvolle Verneigung vor dem Original.

BUCKCHERRY haben auf ihrem vorliegenden Album leider verlernt Arsch zu treten, denn Songs wie 'Radio Song', 'The Vacuum', 'Bent' oder 'The Alarm' bewegen sich alle im sicheren Hafen des Midtempo und versuchen erst gar nicht auszubrechen. Mit Heavy- oder Hard-Rock hat das irgendwie nur noch am Rande zu tun, weil der Vierer immer tiefer in die Untiefen des belanglosen Alternative-Rock abdriftet. Keine Melodie, die nicht schonmal irgendwo verbraten wurde und dass Josh ein variabler Rock-Sänger ist, beweist er nur unzureichend. Zum Ende bekommen BUCKCHERRY nochmal die Kurve und machen "Warpaint" zumindest nicht zum Ärgernis. Songs der Marke 'No Regrets', 'Closer' oder 'The Devil's In The Details' haben diesen Dreck intus, mit dem ich BUCKCHERRY vor knapp zwanzig Jahren kennenlernen durfte und ich immernoch mit der Band verbinde.

Buckcherry_Photo_courtesy_of_Century_Media

Buckcherry Photo courtesy of Century Media

"Warpaint" ist ein stabiles Album und platziert sich im Mittelfeld der Diskographie von BUCKCHERRY. Wenn die Handbremse etwas lockerer sitzen würde, hätte die Platte durchaus Potenzial gehabt, ein neues Hardrock-Highlight zu werden. Schade.

Album-VÖ: 08.03.2019